Bescherung vor dem Fest Spanische Lottospieler teilen sich 2,3 Milliarden Euro Gewinn

Bis zu 80 Prozent aller Spanier nehmen an der Weihnachtslotterie "El Gordo" teil. Dieses Jahr gab es viele glückliche Gesichter in einem Arbeiterviertel Madrids. Größter Gewinner ist allerdings der Staat.

DPA

Geldregen über Spanien: Zwei Tage vor Heiligabend hat die traditionsreiche Weihnachtslotterie mit der Ausschüttung von insgesamt rund 2,3 Milliarden Euro in vielen Regionen des Landes für eine vorzeitige Bescherung gesorgt.

Der Hauptgewinn - "El Gordo", der Dicke, genannt - entfiel auf die Lose mit der Nummer 66513, die nach Angaben der Lotteriegesellschaft Selae alle von einer einzigen Verkaufsstelle im Madrider Arbeiterviertel Arganzuela im ärmeren Süden der Hauptstadt abgesetzt wurden.

Der Hauptgewinn beträgt vier Millionen Euro für ein ganzes Los. "El Gordo" wird aber 160 mal ausgezahlt, da jede Losnummer auch 160 mal verkauft wird. In der Regel kaufen die meisten Spanier allerdings keine ganzen Lose, sondern geben sich mit Zehntellosen für je 20 Euro zufrieden. So kommen immer Dutzende Spieler in den Genuss des Hauptgewinns. Tippgemeinschaften werden von Bürokollegen, Kneipenfreunden, Nachbarn und auch von ganzen Dörfern gebildet.

Unter den Gewinnern: Die radikale Linkspartei

Dieses Jahr bescherte die Lotterie einer darbenden Ortschaft im Süden des Landes einen Geldsegen. Die 13.000 Einwohner von Pinos Puentes gewannen insgesamt 56 Millionen Euro. Ein Großteil des Gewinns entfiel auf Lose der radikalen Linkspartei Izquierda Unida, wie die Stadträtin Carmen Capilla sagte. Ihre Partei habe 258 Lose erworben und an ihre Anhänger weiterverkauft. Jeder von ihnen gewann demnach 125.000 Euro, insgesamt also mehr als 32 Millionen Euro.

"Das ist viel Geld für eine Stadt, die hart getroffen wurde", sagte Bürgermeister José Enrique Medina. Die Arbeitslosenquote in Pinos Puentes liegt bei 29 Prozent. "Die Leute feiern auf der Straße mit einer beeindruckenden Freude", sagte der sozialistische Politiker, dessen städtisches Budget gerade einmal acht Millionen Euro beträgt. "Der Gewinn wurde weit gestreut, er ging an viele Familien, die ihn wirklich benötigen."

Die vor 204 Jahren ins Leben gerufene "Lotería de Navidad" gilt als die älteste und - gemessen an der ausgespielten Gesamtsumme - auch als die größte Lotterie der Welt. Im Fernsehen wird das Ereignis seit 1962 übertragen. Neben dem Hauptgewinn wurde zahlreiche größere und kleinere Preise ausgelost.

Nach verschiedenen Schätzungen nehmen 75 bis 80 Prozent aller Spanier an der Lotterie teil. Sie investieren jedes Jahr im Schnitt 50 bis 60 Euro.

Als größter Gewinner der Weihnachtslotterie stand aber schon vor der Ziehung das Finanzamt fest. Der Staat kassiert nämlich 30 Prozent der Verkaufserlöse. Und für jeden Preis über 2500 Euro müssen seit 2013 knapp 20 Prozent als Steuern abgeführt werden.

msc/dpa



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