Weihnachtsmarkt für Autofahrer »Eigentlich müssten die Leute mit dem Cabrio kommen«

Weihnachtsmärkte gibt es gerade nicht – oder doch? Ein Unternehmer aus NRW hat ein Winterwunderland aus Glühwein- und Würstchenbuden errichtet. Doch man muss mit dem Auto hin.
Ein Interview von Kristin Haug
Winterwunderland in Kalkar (NRW)

Winterwunderland in Kalkar (NRW)

Foto: Wunderland Kalkar

SPIEGEL: Herr Groot Obbink, Sie eröffnen an diesem Donnerstag im niederrheinischen Kalkar ein Winterwunderland, durch das die Besucher mit dem Auto fahren können – an Glühwein- und Würstchenbuden vorbei. So eine Art Drive-in-Weihnachtsmarkt. Wie geht das?

Groot Obbink: Wir haben unser Winterwunderland bewusst nicht Drive-in-Weihnachtsmarkt genannt. Die Leute fahren durch einen Park. Am Anfang kommen die Besucher an Kamelen und Lamas vorbei, die sie aus dem Auto heraus füttern können. Dann fahren sie in ein Zirkuszelt, wo eine Liveband Weihnachtslieder spielt.

SPIEGEL: Ist das nicht ein bisschen gefährlich für die Musiker?

Groot Obbink: Die Besucher dürfen nur Schrittgeschwindigkeit fahren. Es gibt genug Platz. Auch in den Hallen. Die sind nach allen Seiten offen, sodass sich auch keine Autoabgase sammeln können.

SPIEGEL: Es gibt auch Glühwein. Wird der auch an die Fahrer verkauft?

Groot Obbink: Ich würde den Fahrern davon abraten, Glühwein zu kaufen. Es geht nicht darum, sich hier zu betrinken, sondern das winterliche Ambiente zu genießen. Wer mit seiner Familie oder den Kollegen hier durchfährt, soll sich an den Buden erfreuen, der Weihnachtsmusik und dem Duft von gebrannten Mandeln.

SPIEGEL: Finden Sie das nicht etwas dekadent?

Groot Obbink: Nein, ganz und gar nicht. Wir möchten die Menschen einfach ein wenig ablenken von der Coronakrise und ihnen etwas Schönes bieten.

SPIEGEL: Aus Hygienegründen dürfen die Besucher ihr Auto auf der zweieinhalb Kilometer langen Strecke nicht verlassen. Aber was ist, wenn jemand mal muss?

Groot Obbink: Am Eingang gibt es Toiletten, die die Besucher benutzen können. Wenn jemand unterwegs eine Autopanne hat, kann er an eine Haltebucht fahren und unsere Mitarbeiter kommen zu Hilfe.

SPIEGEL: Was passiert, wenn es zu Staus kommt?

Groot Obbink: Ich weiß noch nicht, was heute Abend passiert. Vielleicht kann es zu Rückstaus kommen, wenn die Leute Fotos machen wollen, weil sie von etwas besonders beeindruckt sind. Gestern sind wir schon mal mit zehn Autos durchgefahren, und da hat alles super geklappt.

SPIEGEL: Wie viele Autos sind gleichzeitig im Park erlaubt?

Groot Obbink: Jede halbe Stunde dürfen 75 Autos rein, maximal 650 Autos pro Tag. Die nächsten vier Tage schauen wir uns das alles an. Wenn alles gut läuft, können wir die Anzahl vielleicht noch erhöhen.

SPIEGEL: Wie viele Tickets haben Sie schon verkauft?

Groot Obbink: Bislang 10.000. Wir sind selbst überrascht von diesem Erfolg. Damit können wir bis zu 45 unserer 120 fest angestellten Mitarbeiter aus der Kurzarbeit holen.

SPIEGEL: Warum ist die Nachfrage so groß?

Groot Obbink: Viele Menschen sehnen sich in solchen Zeiten nach ein bisschen Weihnachtsstimmung. Die Musik, die Dekoration, die Beleuchtung, der Kunstschnee – das ist schön und ein einmaliges Erlebnis. Die Kinder werden in 20 Jahren noch darüber sprechen. Eigentlich müssten die Leute mit dem Cabrio kommen.

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.