Hinrichtung der Geschwister Scholl Historisches Fallbeil stand Jahrzehnte in Museumsdepot

Im Bayerischen Nationalmuseum ist vermutlich das Fallbeil aufgetaucht, mit dem 1943 die Geschwister Scholl hingerichtet wurden. Das Henkerswerkzeug galt als verschwunden, lagerte aber offenbar seit Jahrzehnten im Museumsdepot.
Fallbeil im Bayerischen Nationalmuseum: "Fund von singulärer Bedeutung"

Fallbeil im Bayerischen Nationalmuseum: "Fund von singulärer Bedeutung"

Foto: DPA/Bayerisches Nationalmuseum

München - Die Guillotine, mit der die Geschwister Scholl 1943 von den Nationalsozialisten ermordet wurden, lagert vermutlich seit Jahrzehnten in einem Depot des Bayerischen Nationalmuseums in München. "Dieses Gerücht gibt es schon lange, aber wir sind uns jetzt ziemlich sicher, dass es sich um das Fallbeil handelt, mit dem Hans und Sophie Scholl umgebracht wurden", sagte der Referent für Volkskunde, Sybe Wartena. Er bestätigte einen Bericht des Bayerischen Rundfunks.

Hans und Sophie Scholl waren die bekanntesten Mitlieder der Widerstandsgruppe "Weiße Rose". Während der Hitler-Herrschaft verteilte die Gruppe Flugblätter gegen das NS-Regime und gegen die Kriegspolitik. Sie machten auch den Massenmord an den Juden in Osteuropa publik. Am 18. Februar 1943 wurden die Geschwister Scholl beim Auslegen eines Flugblatts in der Ludwig-Maximilians-Universität entdeckt und verhaftet. Vier Tage später wurden sie in einem Schauprozess zum Tod verurteilt und schließlich hingerichtet.

In den Wirren am Ende des Zweiten Weltkriegs war das Fallbeil ins niederbayerische Straubing gebracht worden. Dort hieß es dann, das Mordwerkzeug der Nazis sei in der Donau versenkt worden. Doch spätere Suchaktionen in dem Fluss blieben erfolglos - und tatsächlich nahm das Fallbeil wohl einen ganz anderen Weg. Die Guillotine wurde Wartena zufolge von Straubing vermutlich ins Gefängnis von Regensburg gebracht. 1974 wurde es dann an das Nationalmuseum übergeben.

Auch die Öffentlichkeit bekam das Fallbeil schon einmal zu sehen: 1980 in einer Ausstellung über den Komiker Karl Valentin. Dass es sich um das Fallbeil handelte, mit dem wahrscheinlich die Geschwister Scholl getötet wurden, erfuhren die Betrachter damals nicht.

"Dieses Fallbeil ist ein Fund von singulärer Bedeutung für die deutsche Geschichte", sagte der bayerische Kunstminister Ludwig Spaenle (CSU). "Es ist kein Exponat, das beliebig in einer Ausstellung zu sehen sein sollte." Seiner Ansicht nach sollten sich Historiker, Ethiker, Politikwissenschaftler und die Weiße-Rose-Stiftung gründlich mit der Frage auseinandersetzen, was mit dem Fallbeil geschehen soll.

Die Weiße-Rose-Stiftung wusste nach Angaben einer Sprecherin nichts von dem Verbleib der Guillotine. Auch der Experte Ulrich Chaussy, der im vergangenen Jahr ein Buch über die "Weiße Rose" auf den Markt brachte, zeigte sich überrascht. Er habe selbst über den Verbleib des Fallbeils recherchiert - sei ihm aber nicht auf die Spur gekommen.

Ein Indiz für den Hintergrund des Fallbeils sind Wartena zufolge Umbauarbeiten, die der damalige Henker an dem Gerät vorgenommen hatte. "Hundertprozentige Sicherheit haben wir noch nicht", sagte der Volkskunde-Referent. "Aber es spricht alles dafür."

hut/dpa/AFP
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