Antisemitischer Komiker Polizeipräsident von Paris verbietet Dieudonné-Auftritt

Jede Show ein Prozess: Auch Auftritte in Paris sollen dem französischen antisemitischen Komiker Dieudonné untersagt werden, nachdem er bereits in Nantes und Tours nicht auf die Bühne durfte. Dieudonné wehrt sich juristisch. Auch ein geplanter Auftritt in Orléans beschäftigt die Justiz.

Komiker Dieudonné: Auftrittsverbote beschäftigen französische Justiz
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Komiker Dieudonné: Auftrittsverbote beschäftigen französische Justiz


Paris - In Frankreich sind weitere Auftritte des wegen antisemitischer Äußerungen umstrittenen Komikers Dieudonné verboten worden. Der Polizeipräsident von Paris untersagte am Freitagabend drei kurzfristig angesetzte Auftritte in der Hauptstadt, die für Samstagmittag, Sonntag und Montag geplant waren.

Die geplanten Auftritte des Komikers haben in Frankreich bereits zu einer Reihe juristischer Auseinandersetzungen und erbitterten Debatten geführt. Nur wenige Stunden vor der Entscheidung der Pariser Polizei war ein zweiter Auftritt des Komikers endgültig verboten werden. Dieudonné scheiterte am Freitagabend vor dem Obersten Verwaltungsgericht mit dem Antrag, ein Verbot seines Auftritts in der Stadt Tours am selben Abend aufzuheben. Das Verwaltungsgericht von Orléans hatte am Freitagvormittag ein vom Bürgermeister von Tours verhängtes Auftrittsverbot gegen Dieudonné bestätigt.

Der bereits mehrfach wegen antisemitischer Äußerungen verurteilte Komiker zog daraufhin vor den Staatsrat in Paris, das Oberste Verwaltungsgericht des Landes. Der Staatsrat bestätigte aber am Abend das Auftrittsverbot. Bereits am Donnerstag hatte das Gericht das Verbot eines Dieudonné-Auftritts in Nantes bestätigt, knapp zwei Stunden vor Beginn der Veranstaltung in der westfranzösischen Stadt. Der 47-jährige Komiker hatte in Nantes eine Frankreich-Tournee beginnen wollen.

Die Debatte um Dieudonné hat in Frankreich in den vergangenen Tagen hohe Wellen geschlagen. Der sozialistische Innenminister Manuel Valls hatte den örtlichen Behörden empfohlen, die Auftritte des Komikers zu verbieten. Er sieht in den Auftritten keine humoristischen Veranstaltungen, sondern politische Versammlungen, bei denen der Komiker antisemitische und rassistische Parolen verbreite.

Dieudonné ist unter anderem für den sogenannten Quenelle-Gruß bekannt, der an den Hitler-Gruß erinnert, von Dieudonné aber als systemkritische Geste dargestellt wird. Am Samstag muss das Verwaltungsgericht noch über ein weiteres Auftrittsverbot gegen Dieudonné entscheiden: Die Behörden haben auch eine geplante Veranstaltung des Komikers am Samstagabend in Orléans verboten, was der Komiker anfechtet.

kuz/AFP

insgesamt 23 Beiträge
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Seite 1
misscecily 11.01.2014
1.
Am besten einfach alles verbieten.
joG 11.01.2014
2. Es ist immer schön, wenn so offensichtlich.....
.....eine Farce sichtbar wird. Mit libertee ist im Mutterland der modernen europäischen Demokratie wohl nicht sondern mit Verbot. Das ist ein klares Zeichen einer schwachen Demokratie, gerade wo es hier um offensichtlichen Unsinn geht.
Neinsowas 11.01.2014
3. Es ist ein schwierig Ding....
Zitat von sysopAFPJede Show ein Prozess: Auch Auftritte in Paris sollen dem französischen antisemitischen Komiker Dieudonné untersagt werden, nachdem er bereits in Nantes und Tours nicht auf die Bühne durfte. Dieudonné wehrt sich juristisch. Auch ein geplanter Auftritt in Orléans beschäftigt die Justiz. http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/weitere-auftrittsverbote-fuer-antisemitischen-komiker-a-942961.html
...auf beiden Seiten. Mit Verboten wird u.U. das Gegenteil von dem erreicht, was es sollte: Trifft so eine Veranstaltung auf die adäquate Stimmung im Saal, dann befeuert es. Gefährlich in humoristischer Verpackung! Keine Lust auf Nazi-Stimmung! Wer mit solchem Gedankengut auch nur spielt, zeigt, wessen Geist er ist! Wären genug Leute im Saal, die das nicht witzig fänden, wäre dem Ding am meisten geholfen!
Peter Werner 11.01.2014
4.
Für einen Rechtsstaat äußerst zwispältig. Zunächst einmal gilt die Meinungs- und Versammlungsfreiheit. Falls auf der entsprechenden Versammlung illegale Aussagen / Aufrufe (z.B. Rassenhass) vorkommen sollten, so sind diese mit den Mitteln des Rechtsstaats zu verfolgen und entsprechend zu sanktionieren. Rein prophylaktisch jedoch eine Veranstaltung bereits im Vorfeld zu verbieten, hinterlässt einen unschönen Beigeschmack.
F.A.Leyendecker 11.01.2014
5. Einem Kabarettisten
wegen der Störung der öffentlichen Ordnung Auftrittsverbote zu erteilen, widerspricht dem Recht auf freie Meinungsäußerung. Das muß sogar für die Shice gelten, die Dieudonné verbreitet.
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