Welpen aus Tschechien Auf der Spur der Hundehändler

Mit dem Verkauf von Hundebabys verdienen dubiose Händler viel Geld - von Tierschutz halten sie nichts. SPIEGEL TV hat auf einem Markt in Tschechien mit versteckter Kamera gefilmt.

SPIEGEL TV

Von Olesja Zimmermann


Ein kleiner Welpe, keine vier Wochen alt, liegt zitternd in den Armen von Stefan Klippstein. Gerade erst hat der Tierschützer das Hundebaby auf der Straße aufgenommen. Um einem illegalen Händler auf die Schliche zu kommen, hat eine Bekannte Klippsteins telefonisch ein Kaufinteresse vorgegeben. Als es in Berlin am Franz-Neumann-Platz zur Übergabe kommen soll, springt Klippstein hinzu, der Verkäufer flieht und lässt den Welpen zurück.

Das Vorgehen des Händlers sei nach dem Tierschutzgesetz verboten, sagt Klippstein wütend. Und: "Das ist auch ein Verbrechen an dem Tier, und ein Verbrechen an der Menschlichkeit, so mit fühlenden kleinen Wesen umzugehen."

Klippstein ist gelernter Tierpfleger und hat mehrere Jahre bei Peta und beim Deutschen Tierschutzbüro e.V. gearbeitet. Inzwischen ist er auf einer persönlichen Mission unterwegs: Er hat dem illegalen Handel mit Hundewelpen den Kampf angesagt. Es ist der Kampf gegen ein Geschäft, mit dem sehr viel Geld umgesetzt wird: Etwa 400 Millionen Euro verdienen kriminelle Welpenhändler nach Schätzungen von Tierschutzorganisationen jährlich, allein in Deutschland.

Tierschützer Stefan Klippstein
Robert Engelke/ SPIEGEL TV

Tierschützer Stefan Klippstein

Stefan Klippstein durchsucht täglich das Internet nach verdächtigen Inseraten. Im Netz werben illegale Händler mit Fotos niedlicher Welpen, die angeblich von einem gesunden Muttertier stammen, unter guten Haltungsbedingungen aufgewachsen sind und nun ein liebevolles Zuhause suchen. Was die Käufer nicht wissen: Viele dieser Tiere stammen aus sogenannten Vermehrstationen in Osteuropa. Die Welpen sind häufig unterernährt, krank und verhaltensgestört.

Klippstein erkennt dubiose Züchter sofort. Ein Chihuahua-Welpe für 350 Euro? Da ist was faul. Bei einem seriösen und registrierten Züchter kostet ein Welpe dieser Rasse 1000 Euro bis 1800 Euro. Wird Klippstein fündig, vereinbart er mit dem Händler einen Verkaufstermin. Meist verabredet er sich auf offener Straße und informiert vorher stets die Polizei.

Die Ermittler beschlagnahmen die Tiere und bringen sie in das nächstgelegene Tierheim. Der illegale Handel mit Welpen wird allerdings lediglich als Ordnungswidrigkeit geahndet, oft kommen die Händler mit einer Geldbuße davon. Zu den Hintermännern finden die Ermittler meist wenig belastendes Material, die Beweisführung ist schwierig.

Der Handel mit Welpen sei ebenso organisiert wie etwa Waffen- oder Drogenhandel, sagt Klippstein. "Wir haben die Züchter aus Polen oder Tschechien, wir haben Importeure, die die Tiere nach Deutschland schmuggeln. Wir haben diejenigen, die die Tiere aufkaufen, und wie beim Drogenhandel haben wir die kleinen Leute, die auf Provision diese Tiere verkaufen - die quasi die Drecksarbeit für die Hintermänner machen."

Klippstein auf Verfolgungsjagd in Berlin
Robert Engelke/ SPIEGEL TV

Klippstein auf Verfolgungsjagd in Berlin

SPIEGEL TV begleitete den Tierschützer mit versteckter Kamera auf einen sogenannten Asia-Markt in Tschechien, fünf Fußminuten von der deutschen Grenze entfernt. Klippstein hat die Information erhalten, dass auf dem Markt neben billigen Textilien, Alkohol und Zigaretten auch Hundewelpen verkauft werden. Auf dem ersten Markt gibt es keine Hunde mehr, aber ein Händler verweist auf einen Markt etwa 50 Kilometer weiter. Dort kauern sechs Wochen alte Welpen auf dem kalten Boden, lediglich mit einem Papppapier bedeckt, ohne Wasser und Futter. Kaufpreis: 390 Euro.

Tiere aus Ländern wie Tschechien müssen zur Einfuhr nach Deutschland gegen Tollwut geimpft werden und dürfen erst ab einem Alter von 15 Wochen nach Deutschland gebracht werden. Die Tiere benötigen mindestens bis zur achten Lebenswoche ihre Mutter und sollten vorher nicht von ihr getrennt werden. Gegen diese und andere Vorgaben verstößt der Verkäufer auf dem Asia-Markt. "Mir kommt die Galle hoch, wenn ich sehe, dass da sechs Wochen alte Welpen zitternd im Karton sitzen, ohne alles", sagt Klippstein. "Die müssten bei ihrer Mutter sein, bräuchten Wärme, Rotlichtlampe, Futter - haben sie alles nicht." Hier kann Klippstein nichts ausrichten, er zieht unverrichteter Dinge wieder ab.

Zurück in Berlin besucht er das Tierheim, in welches Lucy gebracht wurde, das beschlagnahmte Hundebaby vom Franz-Neumann-Platz. Im Tierheim werden die angeschlagenen Welpen versorgt, wenn nötig unter Quarantäne gestellt und wieder aufgepäppelt. Im Idealfall finden die Tiere nach einer erfolgreichen Behandlung einen neuen Besitzer. "Ein Problem ist natürlich, dass sie meistens in einem sehr, sehr schlechten Zustand sind", sagt Tierärztin Yvonne Seidler. Im schlimmsten Fall litten die Tiere an Parvovirose, einer viralen Erkrankung. "Viele Tiere sterben daran", sagt Seidler.

Um das Geschäft mit der Ware Hund zu bekämpfen, wird Stefan Klippstein auch morgen das Internet nach Angeboten durchstöbern, sich mit Händlern verabreden, sich beschimpfen und bedrohen lassen. Denn er hat sich eines zum Ziel gesetzt: "Ich muss die Hundemafia bekämpfen, damit nicht noch mehr Welpen sterben."


"Per Mausklick zum Welpen - Das mafiöse Onlinegeschäft mit der Ware Hund": Die ganze Reportage um 19.40 Uhr auf Arte.



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