Kälteeinbruch in Europa Französische Winzer und Obstbauern bangen um die Ernte

Es war die kälteste Aprilnacht seit 1947 in Frankreich: Europa erlebt derzeit für diese Jahreszeit äußerst frische Temperaturen – die teils auch die Stromversorgung bedrohen. Es bleibt kühl, stürmisch und regnerisch.
Le Vernois: Das Feuer von Kerzen soll die Temperaturen in diesem Weinberg über null Grad Celsius halten

Le Vernois: Das Feuer von Kerzen soll die Temperaturen in diesem Weinberg über null Grad Celsius halten

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Laurent Cipriani / dpa

Vom Nordatlantik her zieht derzeit ein Tiefdruckgebiet nach dem anderen nach Europa. Sturm, Kälte und Niederschläge, die sie mitbringen, haben vielerorts teils gravierende Folgen. Frankreich etwa hat in der Nacht von Sonntag auf Montag die kälteste Aprilnacht seit 1947 erlebt – sodass Winzer und Landwirte laut Météo France  nun um ihre Ernte und Haushalte um ihre Stromversorgung fürchten müssen.

Der Netzbetreiber RTE rief etwa dazu auf , am Montagmorgen keine Spül- oder Waschmaschinen anzustellen, um Stromausfälle zu verhindern. Winzer und Landwirte wiederum versuchten, ihre Pflanzen mit Fackeln und Windmaschinen vor dem Erfrieren zu bewahren.

Nur rund die Hälfte der französischen AKW am Netz

»Viele Obstbauern sind betroffen. Besonders schlimm ist es für das Steinobst«, sagte Christiane Lambert, Vorsitzende der Bauerngewerkschaft FNSEA. Der Frost könne die Ernte von Aprikosen, Pflaumen und Mirabellen zerstören. Bereits im vergangenen Jahr hatte eine Kältewelle die Trauben- und Obsternte erheblich verringert.

Eine Alternative zu den Kerzen kann als Frostschutz – wie hier in Chablis – feiner Sprühnebel aus Wasser sein. Umhüllt er die Blüten, entsteht beim Gefrieren Kristallisationswärme, sodass größere Frostschäden mitunter verhindert werden können.

Eine Alternative zu den Kerzen kann als Frostschutz – wie hier in Chablis – feiner Sprühnebel aus Wasser sein. Umhüllt er die Blüten, entsteht beim Gefrieren Kristallisationswärme, sodass größere Frostschäden mitunter verhindert werden können.

Foto: Thibault Camus / dpa

Trotz des Klimawandels macht Nachtfrost im Frühjahr der Landwirtschaft weiterhin zu schaffen. Wegen der tendenziell milderen Temperaturen treiben Weinreben und Obstbäume nämlich früher als sonst üblich aus. Damit sind sie aber auch früher im Jahresverlauf anfällig für Frost.

Die Netzagentur RTE hatte für Montag die Warnstufe Orange ausgerufen. Insbesondere zwischen 7 und 10 Uhr sollten Franzosen Energie sparen. Ansonsten könnte eine Überlastung drohen. Hintergrund: Weil in Frankreich etliche Atomkraftwerke wegen Wartungen und nicht vorhergesehener Reparaturen für längere Zeit vom Netz sind, kann im Moment weniger Strom als üblich erzeugt werden. 27 von 56 Atomreaktoren sind derzeit nicht am Netz.

Wie Météo France in Paris mitteilte, lag die Durchschnittstemperatur in der vergangenen Nacht landesweit bei minus 1,5 Grad – der tiefste Wert seit 75 Jahren. Der niedrigste Wert mit minus 14,3 Grad wurde in Ristolas in 1670 Metern Höhe in den Alpen gemessen, Rekordwerte seien auch in der Nähe von Reims mit neun Grad minus erreicht worden. Praktisch überall gab es Nachtfrost.

Niedrigwasser an der Ostsee

Im Norden Deutschlands sind die Tiefdruckgebiete derzeit als nasskalter Sturm zu spüren, der laut Deutschem Wetterdienst (DWD) zunächst von Südwest mit bis zu Stärke 10 bläst. An der deutschen Ostseeküste führt der Sturm zu deutlich niedrigen Wasserständen.

Das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrografie (BSH) erwartet im Laufe des Montags im Bereich der Kieler und der Lübecker Bucht bis zu 130 Zentimeter weniger Wasser als normal. An der Küste Mecklenburg-Vorpommerns soll die Ostsee westlich von Rügen bis zu 115 Zentimeter unter den normalen Wasserstand sinken.

Deutschland drohen Hochwasser und Orkanböen

Ungemütlich und turbulent soll das Wetter auch die ganze Woche über bleiben – mit Stürmen, kräftigen Niederschlägen und Tauwetter. Durch die Schneeschmelze droht zudem vielen Regionen Hochwasser. Es komme »einiges an Wasser zusammen, sodass teilweise Warnschwellen überschritten werden«, sagte ein DWD-Meteorologe.

Am Donnerstag dürfte laut DWD die stürmische Westwetterlage ihren vorläufigen Höhepunkt finden. Sturmtief »Nasim« sorgt dann der Vorhersage zufolge für kräftigen Regen und örtlich auch für schwere Sturmböen mit Windgeschwindigkeiten von bis zu hundert Kilometern pro Stunde. »Vor allem dem Norden könnte sogar eine sehr gefährliche Unwetterlage durch orkanartige Böen oder gar Orkanböen drohen.«

apr/dpa/AFP
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