Wetterchaos Schwerverletzte nach Wintereinbruch in Deutschland
Köln - Mehrere Menschen wurden in Deutschland Opfer der jähen Wetteränderung am Freitag: In Köln traf eine abgerissene Kaminabdeckung eine Frau und verletzte sie lebensgefährlich. Zwischen Isny und Kempten wurden bei einem Auffahrunfall ein Beteiligter schwer und zwei weitere leicht verletzt.
Unglaubliches Glück hatte dagegen ein 38-jähriger Fahrlehrer aus Düren. Während er auf einer Landstraße fuhr, stürzte ein Baum mitten auf das Dach seines Autos. Obwohl ein Ast die Windschutzscheibe durchschlug, blieb der Mann unverletzt.
Fast in ganz Deutschland fiel Schnee: Auf der Zugspitze wurden 40 Zentimeter Schnee gemessen, auf dem Fichtelberg im Erzgebirge und auf dem Kahlen Asten waren es je 20 und auf dem Brocken 18 Zentimeter. Meteorologe Andreas Friedrich vom Deutschen Wetterdienst sagte, das "Spektakuläre war, dass wir Temperaturstürze von fünf bis zehn Grad innerhalb einer Stunde verzeichneten".
Böen mit orkanartigen Spitzen von bis zu 119 Stundenkilometern fegten vor allem über Westen und Süden. Das Sturmtief "Irmela" richtete zum Teil erhebliche Schäden an.
In Duisburg musste am Mittag der Hauptbahnhof wegen herabfallender Dachteile zeitweilig gesperrt werden. Zudem waren in Remscheid, Hilden, Solingen und Bergisch Gladbach Bäume auf Oberleitungen gestürzt. Auch am Düsseldorfer Flughafen kam es aufgrund des Sturms zu Behinderungen. Insgesamt fielen 38 Flüge aus, zahlreiche Maschinen verspäteten sich.
Begleitet von heftigen Stürmen und Schneeschauern erreichte das Unwetter am Mittag Rheinland-Pfalz. Polizei und Feuerwehr waren in vielen Landesteilen im Dauereinsatz. Umgestürzte Bäume blockierten Autobahnen, Straßen und Schienen. Verletzt wurde niemand. In Mainz wurden Ziegel, Gebäude- und Gerüstteile durch die Luft geschleudert.
Dramatische Szene ereigneten sich auf der Moseltalbrücke bei Winningen in Rheinland-Pfalz. Zwei Lastwagen wurden umgeweht. Zuerst warfen Sturmböen auf der hundert Meter hohen Autobahnbrücke einen Zehn-Tonnen-Lkw um. Der Fahrer blieb unverletzt. Kurz darauf kippte noch ein weiterer Lastwagen um.
Die Bundesstraße 255 im Landkreis Altenkirchen musste nach massivem Windbruch voll gesperrt werden. Auch in anderen Teilen West- und Süddeutschlands waren Polizei und Feuerwehren wegen Sturmschäden zum Teil im Dauereinsatz.
Auch im Kreis Mettmann richteten Unwetter starke Schäden an. Im Raum Hilden deckte der Sturm gleich mehrere Hausdächer ab. Das komplette Dach eines Mehrfamilienhauses segelte ein Stück durch die Luft und krachte auf einen Supermarkt - danach bestand die Gefahr, dass es noch weiterfliegen würde, berichtete die Polizei.
Der Supermarkt galt zunächst als einsturzgefährdet. Mitarbeiter und Kunden wurden in Sicherheit gebracht, ebenso wurde eine benachbarte Schule evakuiert. Der Sturm knickte außerdem Bäume um und beschädigte Ampelmasten.
In Mettmann stürzte den Angaben zufolge ein Baum auf einen Flüssiggasbehälter und riss ein Ventil mit Schlauchleitung ab. Dabei trat Gas aus, Polizei und Feuerwehr sperrten die Umgebung zeitweise weiträumig ab. Auch im Kreis Wesel rissen entwurzelte Bäume Stromleitungen ab, mehrere Autos wurden verbeult.
Erhebliche Behinderungen auch am Samstag
Der Deutsche Wetterdienst warnte auch für Samstag vor weiteren Verkehrsbehinderungen, vor allem durch Schneeverwehungen in den Mittelgebirgen. "Bis Samstag früh liegt ganz Deutschland unter der Kaltluft, und alle Niederschläge fallen als Schnee", sagte Diplom-Meteorologe Christoph Hartmann. "Der weiterhin starke Wind führt auf den Bergen zu Schneeverwehungen mit den entsprechenden Verkehrsbehinderungen auf den Mittelgebirgsstrecken."
Wegen der erwarteten Schneefälle wurde an vielen bayerischen Schulen der Unterricht abgesagt. In den Landkreisen Ober- und Unterallgäu, Lindau, Ostallgäu, in den kreisfreien Städten Kempten, Kaufbeuren und Memmingen und im fränkischen Wunsiedel bekommen Lehrer und Schüler schneefrei, wie das bayerische Kultusministerium und der bayerische Regierungsbezirk Schwaben am Freitag mitteilten.
Für Sonntag rechnen die Metereologen mit einer vorübergehenden Wetterberuhigung, bevor sich von der Nordsee ein weiteres Tief nähern und die Westhälfte Deutschlands südwärts überqueren wird. "Im Nordwesten gehen die Niederschläge bereits im Laufe der Nacht zu Montag in den Niederungen in Regen über, in den anderen Gebieten schneit es", erklärte Hartmann. "Daher wird es dann erhebliche Behinderungen im Berufsverkehr geben."
Nach Durchzug des Tiefs rechnet der Meteorologe dann wieder mit leicht steigendem Luftdruck. Die Temperaturen erreichen demnach tagsüber Werte über null Grad, nur im Südosten und in den Mittelgebirgen herrscht Dauerfrost. Nachts bleibt es meist frostig kalt, lediglich im Nordwesten dürfte das Thermometer in der Nacht zum Montag auf plus drei Grad klettern.
bog/dpa/AFP/AP