Berühmte Wiener Pferdekutschen Tierschutzminister plädiert für Fiaker-Verbot

In Wien wird über eine neue Hitzefrei-Regel für die bekannten Pferdekutschen debattiert. Minister Johannes Rauch würde die Tiere am liebsten komplett in den Ruhestand schicken.
Fiaker in Wien (Archivbild): Mit den Pferden durch die Hauptstadt

Fiaker in Wien (Archivbild): Mit den Pferden durch die Hauptstadt

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Peter Probst / IMAGO

Wer an Wien denkt, hat womöglich ein bestimmtes Bild vor Augen: eine Pferdekutsche, die Paare, Freunde oder Familien durch die österreichische Hauptstadt befördert. Die Fiaker gehören seit Jahrhunderten zum Stadtbild. Doch damit könnte bald Schluss sein, zumindest wenn es nach dem österreichischen Tierschutzminister Johannes Rauch (Grüne) geht. Er findet die Fiaker aus der Zeit gefallen.

In der ORF-Sendung »Wien heute«  vom Montag wurde Rauch – als Gesundheitsminister auch zuständig für Tierschutz – auf eine mögliche neue Hitzefrei-Regel für die Fiakerpferde im Sommer angesprochen. »Zunächst stellt sich die Frage abseits von Hitze, ob der Einsatz von Fiakern in einer Großstadt überhaupt noch zeitgemäß ist. Ich halte das ein bisschen für aus der Zeit gefallen«, antwortete Rauch: »Man sollte sich Gedanken darüber machen, nämlich wirklich aus Gründen des Tierschutzes, ob man ein Pferd diesem Stress aussetzen sollte.« Er würde eine Debatte über einen Verzicht auf Fiaker begrüßen.

In Wien gilt ein Fahrverbot für die Pferdekutschen ab einer Temperatur von 35 Grad. Im vergangenen Jahr wurde debattiert, die Grenze auf 30 Grad herabzusetzen. Geschehen ist seitdem nichts. Die Stadt Wien hält den Bund für zuständig, der Bund wiederum verweist auf den Stadtrat von Wien.

Tierschützer »hocherfreut«

»Wir als Stadt sind nicht für das Tierschutzgesetz zuständig – dieses Gesetz obliegt dem Bund, wo man diese Temperaturgrenze in Hinblick auf das Tierwohl festlegen könnte«, zitiert der ORF das Büro des Tierschutzstadtrats Jürgen Czernohorszky (SPÖ). Im kommenden Juni soll es Gespräche zwischen der Stadt und dem Bund geben. Auch die Kutscher sollen dann zu Wort kommen.

Tierschützer lobten derweil den Vorstoß von Minister Rauch. Die Organisation Vier Pfoten  äußerte sich »hocherfreut«. Es sei an der Zeit, »diesem Anachronismus für immer ein Ende zu bereiten. Traditionen, die auf dem Rücken von Lebewesen erhalten werden, haben im 21. Jahrhundert einfach keinen Platz mehr.« Es sei eine tolle Gelegenheit, »Schluss zu machen mit der Ausbeutung der Fiakerpferde«.

ptz
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