Nach Abtreibungsprotesten Frauenfußballteam des Vatikan boykottiert Spiel

Der Vatikan hat ein Spiel seines neu gegründeten Frauenfußballteams gegen eine Wiener Auswahl kurz vor Anpfiff platzen lassen. Diese hatte die katholischen Spielerinnen mit kritischem Protest empfangen.

Vatikan-Spielerinnen verlassen am Samstag den Platz
picture alliance/ EXPA/ APA/ THOMAS HAUMER

Vatikan-Spielerinnen verlassen am Samstag den Platz


Ihre Botschaften hatten die Fußballerinnen auf Bäuche und Rücken geschrieben: Mehrere Spielerinnen des in Wien ansässigen Vereins FC Mariahilf haben mit Slogans gegen die Haltung der katholischen Kirche gegen Abtreibungen protestiert - und so ein Spiel gegen das Frauenfußballteam des Vatikan platzen lassen.

Beim Abspielen der Hymne hoben die Sportlerinnen ihre Trikots, sodass die Botschaften zum Vorschein kamen. Darunter prangte unter anderem: "My Body, my rule", wie auf Bildern des Senders ORF zu sehen ist. Die Offiziellen des vatikanischen Sportverbands hatten dafür überhaupt kein Verständnis - und die Frauen traten das Spiel am Samstag in Wien nicht an.

"Das Spiel wurde abgesagt, weil wir wegen des Sports hier sind und nicht wegen politischer oder anderer Botschaften", zitierte der ORF Danilo Zennaro vom vatikanischen Sportverband. Der "Kurier" gibt ihn mit den Worten wieder: "Wären wir angetreten und wären anschließend die Fotos der drei Spielerinnen in den sozialen Medien aufgetaucht, müssten wir damit rechnen, dass unser Frauenteam aufgelöst wird." Die Frauenmannschaft des Vatikan war Anfang des Jahres gegründet worden - mehr als drei Jahrzehnte nach der Männermannschaft.

"Werte gegen unsere Selbstbestimmung"

Rund um das Spielfeld waren laut ORF politische Botschaften zu sehen, unter anderem waren die Eckfahnen in Regenbogenfarben gehalten - als Zeichen für Respekt und Akzeptanz sowie die Vielfalt von Lebensformen. "Als Individuen sagen wir, der Vatikan vertritt Werte, die gegen unsere Selbstbestimmung gehen. Das wollen wir nicht unkommentiert unterstützen", sagte eine der Wiener Spielerinnen zu der Aktion.

Transparente am Spielfeldrand
Eibner Europa/ imago images

Transparente am Spielfeldrand

Mariahilf-Obmann Ernst Lackner missfiel die Aktion seiner Spielerinnen dennoch: "Das war der falsche Zeitpunkt und der falsche Ort, um auf das hinzuweisen, wie ihr Leben sein sollte." Er verstehe zwar die Anliegen der Frauen, Konsequenzen für die Spielerinnen schließe er jedoch nicht aus: "Wir werden beraten, was überhaupt passiert ist."

apr/sid



insgesamt 44 Beiträge
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MiguelD.Muriana 23.06.2019
1. Fußball ist politisch
Spieler und Vereine werden gekauft, machen Werbung und das nicht nur von/für politisch Neutralen. Vor Spielen wird für Toleranz und Menschenrechte und gegen Hass, Homophobie und Rassismus geworben. Das alles ist politisch. Diese Frauenfußballmannschaft vertritt den weltlichen Vatikanstaat und nicht die religiöse katholische Kirche und ihre mittelalterlichen Dogmen. Wer das nicht unterscheiden kann ist auf dem Feld fehl am Platz. Für Länder wie Iran, Saudi-Arabien und andere Theokratien sehe ich das im Übrigens genau so...
norbertbrummer 23.06.2019
2. Na sieh mal einer an...
"Wären wir angetreten und wären anschließend die Fotos der drei Spielerinnen in den sozialen Medien aufgetaucht, müssten wir damit rechnen, dass unser Frauenteam aufgelöst wird." Sieh mal an... Türkei, China Vatikan - was für Gemeinsamkeiten gibt es? Richtig. Der Umgang mit jeder Art von Kritik.
Otto Müller 23.06.2019
3. Billig...
Zitat von MiguelD.MurianaSpieler und Vereine werden gekauft, machen Werbung und das nicht nur von/für politisch Neutralen. Vor Spielen wird für Toleranz und Menschenrechte und gegen Hass, Homophobie und Rassismus geworben. Das alles ist politisch. Diese Frauenfußballmannschaft vertritt den weltlichen Vatikanstaat und nicht die religiöse katholische Kirche und ihre mittelalterlichen Dogmen. Wer das nicht unterscheiden kann ist auf dem Feld fehl am Platz. Für Länder wie Iran, Saudi-Arabien und andere Theokratien sehe ich das im Übrigens genau so...
...und ich bin völlig Ihrer Meinung. Was auf der Strecke bleibt, ist der Fußball und es ist eine ganz linke Nummer, weitgereisten Gastmannschaften mit sowas zu kommen. Beschämend!
h.patrick 23.06.2019
4.
"Das war der falsche Zeitpunkt und der falsche Ort, um auf das hinzuweisen, wie ihr Leben sein sollte." stimmt den solche themen müssen angesprchen werden wenn niemand hinsieht....
tuvalu2004 23.06.2019
5. Männer bestimmen über Frauen
"Wären wir angetreten und wären anschließend die Fotos der drei Spielerinnen in den sozialen Medien aufgetaucht, müssten wir damit rechnen, dass unser Frauenteam aufgelöst wird." Aufgelöst von Männern - natürlich. Klingt wie immer. Nach 20 jähriger Forderung gibt es unter Vorbehalten ein Frauenteam und bei der erst besten Gelegenheit sagen die religiösen Führer im Vatikan:"Siehste, wußten wir ja, Frauen sind nicht dazu geeignet, gibt nur Streß mit denen.". Erbärmlich der Vatikan, erbärmlich dieser Papst, erbärmlich diese Kirche. Wer Unsinn treibt muß auch mit Kritik leben. Und ich wette ein Männerfußballspiel wäre bei solchen Protesten eher nicht abgesagt worden. Schämt Euch.
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