Wissensshow in Indien Ein echter Slumdog Millionär

Es klingt wie das Drehbuch eines Hollywood-Streifens: Gerade einmal 85 Euro blieben dem Inder Sushil Kumar im Monat zum Leben, er besaß keinen Fernseher und kaum Bücher. Dann trat er im indischen "Wer wird Millionär?" an - und schrieb Geschichte. 
Sushil Kumar mit Moderator Amitabh Bachchan: Der Eine-Million-Dollar-Mann

Sushil Kumar mit Moderator Amitabh Bachchan: Der Eine-Million-Dollar-Mann

Foto: AP

Neu-Delhi - Es muss eine aufregende Woche gewesen sein für den Inder Sushil Kumar: Zum ersten Mal in seinem Leben saß der 26-Jährige in einem Flugzeug, zum ersten Mal besuchte er eine Großstadt, und zum ersten Mal trat er in einer Fernsehsendung auf. Der gelernte Computertechniker war in Mumbai zu Gast in der indischen Version von "Wer wird Millionär?" - und beantwortete als Erster in der Geschichte der Sendung die Millionenfrage richtig.

Kumar habe "den ultimativen Preis" gewonnen, verriet Moderator Amitabh Bachchan am Donnerstag in seinem Internetblog, die Sendung wird erst in der kommenden Woche ausgestrahlt. "Ein junger Mann aus Bihar, der den mageren Lohn von gerade einmal 6500 Rupien im Monat verdient, hat es auf den Stuhl geschafft und die Millionenfrage geknackt." Die Begeisterung bei der Aufzeichnung der Sendung am Dienstag sei "unvorstellbar" gewesen, berichtete der Moderator. Ausgestrahlt wird die Sendung in der kommenden Woche. "Du hast Geschichte geschrieben", sagte Moderator und Bollywood-Ikone Bachchan.

In der Show geht es um 50 Millionen Rupien, was einer Million US-Dollar entspricht. Seit dem Jahr 2000 wird die Sendung in Indien ausgestrahlt, sie zählt zu den beliebtesten des Landes. Erst 2010 war das Preisgeld von 200.000 Dollar auf eine Million angehoben worden. Die Sendung inspirierte das Buch "Rupien! Rupien!" von Vikas Swarup, das Grundlage für den preisgekrönten Film "Slumdog Millionaire" war.

Vom Computertechniker zum Millionär

Vor seiner Reise nach Mumbai hatte Sushil Kumar, der aus dem armen Bundesstaat Bihar stammt, von monatlich 120 Dollar (85 Euro) gelebt. Nebenbei arbeitete er als Privatlehrer, um seinen Lohn aufzubessern. Den Zuschauern erzählte er in der Sendung, dass seine Familie so arm sei, dass sie sich nicht einmal einen eigenen Fernseher leisten könnte. Um die Quizsendung zu sehen, musste Kumar zu seinen Nachbarn gehen.

Sie waren es auch, die den 26-Jährigen zur Teilnahme überredeten. Beim Zusehen hatte Kumar jede Frage richtig beantwortet - genauso, wie später im Fernsehstudio. Mit dem Hauptgewinn habe er aber nicht gerechnet, sagte Kumar. Als er die letzte Frage gesehen habe, sei ihm die Antwort nicht eingefallen. "Aber ich habe weiter lange auf die Frage gestarrt, und plötzlich war mir klar, dass zwei Antworten auf gar keinen Fall in Frage kommen." Dann half der letzte der verbliebenen Joker.

Was er mit dem Geld machen wird? Kumar hat genaue Pläne. Einen Teil will er ausgeben, um sich auf den Aufnahmetest für die sehr begehrten Beamtenjobs im Land vorzubereiten. Außerdem will er seiner Frau ein neues Haus kaufen, die Schulden seiner Eltern begleichen und seinen Brüdern Geld für ihre Existenzgründung geben. Ein eigennütziger Wunsch ist jedoch auch dabei: Kumar will sich eine große Bibliothek einrichten. Bücher konnte er sich nämlich bisher kaum leisten.

aar/dapd/AFP
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