Umstrittenes Relief in Wittenberg Antisemitismusbeauftragter für Entfernung der "Judensau"

Wie geht man am besten mit einer antijüdischen Schmähplastik an der Stadtkirche Wittenberg um? Der Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung plädiert nun dafür, sie in einem Museum unterzubringen.

Umstrittenes Relief an der Außenwand der Stadtkirche in Wittenberg
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Umstrittenes Relief an der Außenwand der Stadtkirche in Wittenberg


Im Fall einer antijüdischen Plastik an der Stadtkirche Wittenberg hat sich der Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung eingeschaltet. Felix Klein sprach sich in den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland (RND) dafür aus, das sogenannte Judensau-Relief zu entfernen.

An der Stelle des Reliefs sollte eine Hinweistafel angebracht werden, aus der hervorgeht, "dass die evangelische Kirche mit der Entfernung der 'Judensau' einen sichtbaren Beitrag zur Überwindung von Antijudaismus und Antisemitismus leistet", sagte Klein. Das Relief gehöre seiner Meinung nach "ins Museum". Dort solle es "mit einem erläuternden Text versehen" werden.

Bei der sogenannten Judensau handelt es sich um ein altes Schmährelief, das Juden und ihre Religion demütigen soll. Es zeigt eine Sau, an deren Zitzen Menschen saugen, die durch zeitgenössische Kleidung als Juden erkennbar sind. Schweine gelten im jüdischen Glauben als unrein. Um das Relief, seine historische Einordnung sowie den Umgang damit wird bereits seit Jahrzehnten gestritten.

Derzeit ist ein Gerichtsverfahren anhängig, das von einem Mitglied der jüdischen Gemeinde gegen die Kirche angestrengt wurde. Der Kläger will erreichen, dass das Relief entfernt wird. Das Landgericht Dessau wies dies im Mai laut Bericht aber ab. Im Januar geht der Streit am Oberlandesgericht Naumburg demnach in die zweite Instanz.

Sogenannte Judensau-Motive sind eine seit dem Mittelalter im christlichen Europa verbreitete Form der Herabsetzung von Juden. Sie finden sich bis heute an etlichen Kirchen, so unter anderem auch am berühmten Kölner Dom.

Wittenberg in Sachsen-Anhalt kommt als Lutherstadt eine besondere Bedeutung zu. Der Theologe und Kirchenkritiker Martin Luther (1483-1546) lebte, arbeitete und predigte dort an der Stadtkirche. 1517 veröffentlichte er in Wittenberg seine berühmten 95 Thesen. Luthers Wirken legte den Grundstein für das Entstehen der evangelischen Kirche. Die offen judenfeindliche Haltung des Reformators ist seit Langem ein Streitthema, die evangelische Kirche in Deutschland distanziert sich inzwischen deutlich von seinen antisemitischen Äußerungen.

bbr/AFP

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