Wohnungslosenhilfe Hunderte Obdachlose in Deutschland sollen seit 1991 erfroren sein

In den vergangenen 26 Jahren sind nach Angaben der Wohnungslosenhilfe fast 300 Obdachlose an Unterkühlung gestorben. Die Linke wirft der Regierung "soziale Kälte" vor.
Obdachlose unter der Oberbaumbrücke in Berlin

Obdachlose unter der Oberbaumbrücke in Berlin

Foto: Paul Zinken/ dpa

Seit 1991 sind in Deutschland mindestens 289 wohnungslose Menschen erfroren, wie die Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe mitteilte. Sie seien im Freien, unter Brücken, auf Parkbänken oder in Hauseingängen an Unterkühlung gestorben, heißt es.

Die Zahl der Kältetoten beruht auf einer Schätzung. Nach Angaben der Organisation wurden verschiedene Quellen ausgewertet, unter anderem Medienberichte.

Die Linken-Abgeordnete Sabine Zimmermann hatte die Bundesregierung gefragt, wie viele Menschen in den vergangenen Jahren erfroren seien und welchen Handlungsbedarf sie sehe. Der Regierung lägen dazu keine Erkenntnisse vor, hieß es daraufhin in einem Schreiben des Sozialministeriums. Für die Betreuung und Unterbringung von Wohnungslosen seien die Länder und Kommunen zuständig.

Zimmermann hält diese Antwort nicht für zufriedenstellend. Sie wirft der Regierung vor, sich nicht um das Problem zu kümmern. "Es ist unendlich traurig und ein Skandal, dass Menschen in Deutschland erfrieren", sagte sie.

"Dass die Bundesregierung sich offensichtlich nicht dafür interessiert, zeugt von der sozialen Kälte der großen Koalition", sagte Zimmermann. Sie forderte die Regierung auf, regelmäßig über die Zahl wohnungsloser Menschen und über die Angebote der Kältehilfe zu berichten.

Die Zahl der Wohnungslosen ist in Deutschland in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Sie stieg seit 2010 von 248.000 auf 335.000 im Dezember 2016. Die Wohnungslosenhilfe prognostiziert einen Zuwachs auf 536.000 Obdachlose bis 2018.

tak/dpa
Mehr lesen über Verwandte Artikel