"Wort zum Sonntag" Papst verteidigt Deutschlandbesuch

Zum zweiten Mal hat ein Papst das "Wort zum Sonntag" gesprochen: Benedikt XVI. sagte in der ARD-Sendung, er freue sich auf seinen Besuch in der Bundesrepublik. Kritik an seiner Reise wies er zurück, sie sei "kein religiöser Tourismus und keine Show".

Papst Benedikt XVI: "Es ist kein religiöser Tourismus"
ARD/BR

Papst Benedikt XVI: "Es ist kein religiöser Tourismus"


Rom/Berlin - Kurz vor seiner Deutschlandreise hat sich der Papst am Samstagabend an die Bundesbürger gewandt: In der ARD-Sendung "Wort zum Sonntag" machte Benedikt XVI. seine Vorfreude auf den Besuch deutlich. Er freue sich besonders auf seine Rede im Bundestag und den Gottesdienst im Olympiastadion, sagte Benedikt in der Sendung.

Aufgezeichnet wurde die Sendung von Vatikan-TV. Das "Wort zum Sonntag" wird seit 1954 ausgestrahlt. Abwechselnd wird es von evangelischen und katholischen Sprechern im Anschluss an die "Tagesthemen" vorgetragen. Am Samstag war es erst das zweite Mal, das ein Papst das "Wort zum Sonntag" sprach. Benedikts Vorgänger Johannes Paul II. war im Jahr 1987 vor die Kameras getreten - ebenfalls vor einer Deutschland-Reise. Die Sendung erzielte damals mit rund 7,5 Millionen Zuschauer eine überdurchschnittliche Einschaltquote. Wie viele Menschen Benedikts "Wort zum Sonntag" gesehen haben, wurde bislang nicht mitgeteilt.

Der Papst besucht vom 22. bis 25. September Berlin, Thüringen und Freiburg. Für Kritik sorgt sein geplanter Auftritt im Bundestag. Etwa 100 Abgeordnete von SPD, Grünen und Linken wollen der Rede fernbleiben, weil sie den Auftritt für unvereinbar halten mit der religiösen Neutralität des Staates. Die Befürworter entgegnen, der Papst sei als Staatsoberhaupt des Vatikan eingeladen worden.

"Wir erwarten keine Sensationen"

Benedikt selbst bezeichnete ein geplantes Treffen mit der Evangelischen Kirche Deutschlands als einen Höhepunkt der Reise. Zugleich warnte er jedoch vor zu hohen Erwartungen an diese ökumenische Begegnung. Es soll darum gehen, dass Gott wieder in unser Blickfeld tritt, der so oft ganz abwesende Gott, dessen wir doch so sehr bedürfen", sagte er. "All dies ist nicht religiöser Tourismus, und noch weniger eine Show", sagte der 84-jährige Papst.

In dem wenige Minuten dauernden "Wort zum Sonntag" sprach er die beiden Themen an, die die Schwerpunkte seines Besuches sind: Die Ökumene und die von ihm betriebene Neuevangelisierung.

"Wir erwarten keine Sensationen", erklärte Benedikt zu dem Treffen mit Vertretern der Evangelischen Kirche in Erfurt, dort, wo der Reformator Martin Luther einst seinen Weg begonnen hatte: "Das eigentlich Große daran ist eben dies, dass wir miteinander an diesem Ort denken, das Wort Gottes hören und beten, und so inwendig beieinander sind und sich wahrhaft Ökumene ereignet."

cte/dpa/dapd



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derweise 17.09.2011
1. Die ganze katholische Kirche ist undemokratisch!
Die ganze katholische Kirche ist undemokratisch! Was hat also der Papst in der Zentralinstitution der Demokratie, dem Parlament, verloren?!
Antje Technau, 17.09.2011
2. Staatsoberhaupt
Zitat von sysopDie Boykott-Drohungen der Abgeordneten kamen schnell: Nicht allen Politikern ist die Rede des Papstes im deutschen Parlament genehm. Auch in der Bevölkerung wird die geplante Ansprache des Vatikan-Oberhauptes kontrovers diskutiert. Ist der Auftritt ein Affront? Oder eine sinnvolle Geste? Ihre Meinung - ist es richtig, dass der Papst im Bundestag spricht?
das kommt darauf an als was man den Papst sieht: primär als Staatsoberhaupt oder primär als Religionsführer. Da Staatsoberhäuptern anderer Staaten schon öfters eingeladen wurden, vor dem Bundestag zu sprechen, kann man dies unter diesem Gesichtspunkt auch dem Papst zugestehen. Sieht man den Papst allerdings primär als Religionsführer, dann wäre es völlig ausreichend, wenn unsere Bundeskanzlerin zu seinen Ehren einen Empfang gäbe, wie dem Dalai Lama: Der Streit über den Empfang des Dalai Lama durch Kanzlerin Angela Merkel hat am Mittwoch die Bundestagsdebatte über den Haushalt des Auswärtigen Amtes bestimmt. (http://www.domradio.de/aktuell/36216/bundestag-streitet-ueber-dalai-lama.html) Empörend ist allerdings der Plan des Bundestagspräsidenten Lammert, der den Boykott der Papstrede von ca. 100 deutschen Abgeordneten dadurch verschleiern möchte, dass er "Ersatzleute" auf den leeren Stühlen Platz nehmen lassen möchte: Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) rechnet aber damit, dass der Plenarsaal trotz des angekündigten Boykotts komplett gefüllt sein wird. Auf leeren Abgeordnetenstühlen sollen Ersatzleute Platz nehmen. (http://www.abendblatt.de/politik/article2028767/Papst-Demo-steht-unter-Motto-Keine-Macht-den-Dogmen.html) So wird dann in Deutschland der Protest deutscher Abgeordnete ausgehebelt, damit in der Presse gemeldet werden kann, dass der Papst vor einem "vollen Haus" gesprochen hätte...
ewspapst 17.09.2011
3.
Zitat von sysopDie Boykott-Drohungen der Abgeordneten kamen schnell: Nicht allen Politikern ist die Rede des Papstes im deutschen Parlament genehm. Auch in der Bevölkerung wird die geplante Ansprache des Vatikan-Oberhauptes kontrovers diskutiert. Ist der Auftritt ein Affront? Oder eine sinnvolle Geste? Ihre Meinung - ist es richtig, dass der Papst im Bundestag spricht?
Nein, das ist die Sprachbühne für das "Deutsche Volk". Ein Vertreter einer anderen Organisation hat dort nichts zu suchen. Glauben Sie im Ernst, dass der Herr Putin vor der Glaubenskongregation im Vatikan zu allen Kardinälen und Bischöfen sprechen darf und wenn ja, welchen Aufstand es in der katholischen Kirche geben würde.
narrensyndrom 17.09.2011
4. Neutralität!
Zitat von sysopDie Boykott-Drohungen der Abgeordneten kamen schnell: Nicht allen Politikern ist die Rede des Papstes im deutschen Parlament genehm. Auch in der Bevölkerung wird die geplante Ansprache des Vatikan-Oberhauptes kontrovers diskutiert. Ist der Auftritt ein Affront? Oder eine sinnvolle Geste? Ihre Meinung - ist es richtig, dass der Papst im Bundestag spricht?
Wer die Kriminalgeschichte der Kirchen ernst nimmt kann nur mit einem NEIN antworten. Keiner der Religionsführer hat irgendetwas im Bundestag verloren! Das Problem dabei ist, dass es Mehrheiten gibt, die das immer anders sehen. Religion ist eben ein Massenphänomen, das mit Verstand wenig bis gar nichts zu tun hat - das wird letztlich entscheidend sein!
Florian_Geyer 17.09.2011
5. Gastfreundschaft und Toleranz!
Zunächst sind folgende Vorbemerkungen zu machen: 1. Der Papst kommt als Staatsgast des Bundespräsidenten. 2. Alle Fraktionen haben im Vorfeld der Papstrede zugestimmt. Die jetzt aufkommende Kritik an dieser Rede wie auch der angekündigte Auszug der Linksfraktion und das Fernbleiben von Abgeordneten der SPD und der Grünen sind ein Affront gegen den Bundespräsidenten und gegen Deutschland. Die Linksfraktion sowie die anderen Abgeordneten überschreiten mit ihrem Fernbleiben eindeutig eine rote Linie. Die aufkommenden antikatholischen Ressentiments sind deutlich erkennbar. Und wer hier von weltanschaulicher Neutralität schwafelt, der möge sein Verhalten überprüfen als andere Gäste im Bundestag sprachen: http://www.bundestag.de/kulturundges...ner/index.html Illustre Staatsgäste führt diese Liste auf. Offenbar scheinen die Repräsentanten unseres Volkes -immerhin bis zu 100 Abgeordnete- es nicht "gerafft" zu haben, dass der Papst auch Oberhaupt des Vatikanstaates ist. Dieser Staat unterhält in vielen Ländern diplomatische Vertretungen. Gerade die Linke, die so gern Worte wie Freiheit, freie Meinungsäußerung und Toleranz mit sich führt sollte sich schämen. Jedes Jahr marschieren bis zu 10 000 Menschen an das Grab von Rosa Luxemburg. Schon vergessen, meine Damen und Herren der Linksfraktion: "Freiheit ist immer die Freiheit der Andersdenkenden" Ich empfehle den Herrschaften einmal den Entwurf ihres Parteiprogramms zu studieren. Oder ist der geplante Auszug eine kleine Demo gegen den Papst weil gerade die christliche Religion in der ehemaligen DDR den sozialistischen Arbeiter- und Bauernstaat zum Einsturz brachte? Und die Grünen? Von denen sind wir ja gewohnt, dass sie Wasser predigen und Wein trinken. Am Verhalten der fernbleibenden Abgeordneten der Grünen zeigt sich was ihre Floskeln von Toleranz und Meinungsfreiheit Wert sind, nicht das Papier auf dem diese Werte genannt sind. Auch SPD Abgeordnete wollen fernbleiben, schön dass auch hier Gastfreundschaft ein Fremdwort ist für diese Damen und Herren. Man muss nicht religiös sein, man kann die kath. Kirche und ihr Oberhaupt, Papst Benedikt XVI ablehnen, aber es gebietet der Respekt und die Höflichkeit einen Staatsgast zu begrüßen durch seine Anwesenheit als deutscher Abgeordneter im Bundestag. Niemand wird gezwungen nach gehaltener Rede zu applaudieren! Abschließend eine Kritik an der Fragestellung vor dem Hintergrund der bekannten Fakten (Zustimmung aller Fraktionen zur Rede im Bundestag), hätte es nicht heißen müssen: Brechen Abgeordnete die Gastfreundschaft, wenn sie der Rede des Papstes fernbleiben? Als Gläubiger Mensch fühle ich mich deshalb in diesem Forum so wohl, man kann SPON wieder einmal daran erinnern wo unsere Wurzeln sind: In der christlich-abendländischen 2000jährigen Vergangenheit!
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