Mahnung von Holocaustüberlebenden »Wir müssen uns an die Vergangenheit erinnern, oder sie wird unsere Zukunft«

Israel hat der sechs Millionen im Holocaust ermordeten Juden gedacht. Überlebende aus verschiedenen Ländern appellieren in einem eindrücklichen Video, die Schoa niemals zu vergessen.
Holocaustüberlebende in Videoclip

Holocaustüberlebende in Videoclip

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Greg Schneider / AP

Am Vormittag heulten für zwei Minuten landesweit die Sirenen, Autos hielten auf den Straßen an: In Israel ist der sechs Millionen im Holocaust ermordeten Juden gedacht worden. International wiederum haben zum Holocaust-Gedenktag Jom HaSchoa Überlebende aus verschiedenen Ländern in einer Videobotschaft in verschiedenen Sprachen zum Gedenken aufgerufen.

Mit 100 Worten warnen 100 Überlebenden auf Englisch, Hebräisch, Deutsch, Polnisch, Russisch, Ukrainisch und anderen Sprachen vor Hass und Gleichgültigkeit. »Wir müssen uns an die Vergangenheit erinnern, oder sie wird unsere Zukunft«, fordern die Überlebenden in dem Clip, der von der Claims Conference initiiert wurde. Die Organisation vertritt die Ansprüche von Holocaustüberlebenden gegen Deutschland.

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Seit dem Krieg in der Ukraine organisiert die Claims Conference den Transport von oft hochbetagten und gesundheitlich beeinträchtigten Überlebenden aus dem Krisengebiet. Drei von ihnen, Galina Abramowa, Tetjana Schuraljowa und Laryssa Dsujenko, gehören zu den Mitwirkenden des Videos. Sie leben mittlerweile in Frankfurt am Main in einem Altenheim.

»Der Aufruf der Überlebenden ist eine Erinnerung daran, dass wir keine Zuschauer sein müssen«, sagte Gideon Taylor, Präsident der Claims Conference, einer Stellungnahme zufolge.

Bärbel Bas nimmt an Gedenken in Israel teil

In Israel fand eine Gedenkveranstaltung in der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem statt, an der auch Bundestagspräsidentin Bärbel Bas teilnahm. Die Politikerin legte dabei am Donnerstag einen Kranz im Namen des Bundestags nieder. Auf ihrem aktuell dreitägigen Besuch in Israel wohnte sie als erste hochrangige Repräsentantin aus Deutschland einer Zeremonie im Parlament bei, bei der die Namen von Opfern des Holocaust verlesen wurden.

Bas entzündete zudem eine Kerze im Gedenken, auch an die vor 80 Jahren aus ihrer Heimatstadt Duisburg deportierte Jüdin Irma Nathan. Nathan wurde 1942 von den Nazis ermordet. Auch ihr Mann und die beiden Kinder wurden von den Nazis getötet. Die deutschen Nationalsozialisten und ihre Helfershelfer ermordeten während des Zweiten Weltkriegs insgesamt sechs Millionen Juden.

Bei der offiziellen Eröffnungszeremonie zum Gedenken in Yad Vashem am Mittwochabend hatte Israels Regierungschef Naftali Bennett die Einzigartigkeit des Holocaust betont. »Selbst die schlimmsten Kriege heutzutage sind nicht der Holocaust und sind nicht vergleichbar mit dem Holocaust«, sagte er. »Die Nazis strebten danach, alle Juden zu jagen und jeden einzelnen von ihnen auszurotten.«

100 Holocaustüberlebende aus der Ukraine seit Kriegsbeginn eingewandert

In Israel leben nach Behördenangaben noch 161.400 Holocaustüberlebende. Das Durchschnittsalter betrage 85,5 Jahre, hieß es. Mehr als 1000 Betroffene seien älter als 100 Jahre.

Wie die Jewish Claims Conference mitteilte, sind rund 100 Holocaustüberlebende seit Kriegsbeginn aus der Ukraine nach Israel eingewandert. Zudem seien mithilfe der Organisation rund 70 Betroffene aus der Ukraine nach Deutschland gebracht worden. Die Claims Conference mit ihrer Zentrale in New York setzt sich für die materielle Entschädigung von Betroffenen ein.

Den israelischen Angaben zufolge lebten Ende 2020 weltweit 15,2 Millionen Juden, 6,9 Millionen davon in Israel. Die zweitgrößte jüdische Gemeinde mit sechs Millionen bestand demnach in den USA. In Deutschland lebten zu dem Zeitpunkt 118.000 Juden. Damit gibt es weltweit den Angaben zufolge immer noch weniger Juden als vor dem Zweiten Weltkrieg. Damals seien es 16,6 Millionen gewesen, hieß es.

apr/dpa