Zeitzeuge Atombombenopfer von Hiroshima und Nagasaki gestorben

Er überlebte die größte atomare Verwüstung der Menschheitsgeschichte: Der Japaner Tsutomu Yamaguchi war 1945 Augenzeuge der beiden Bombenabwürfe von Hiroshima und Nagasaki. Jetzt ist er im Alter von 93 Jahren an Krebs gestorben.
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Tsutomu Yamaguchi: Zeuge des Unvorstellbaren

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Tokio - Mit Tsutomu Yamaguchi habe Japan "einen der wichtigsten Zeugen dieser Zeit verloren", erklärte der Bürgermeister von Nagasaki, Tomihisa Taue, einen "wertvollen Erzähler von Zeitgeschichte".

Der 93-jährige Yamaguchi war von der japanischen Regierung offiziell als einziger Mensch anerkannt worden, der 1945 beide Atombombenabwürfe der USA auf Hiroshima und Nagasaki überlebte, obwohl auch weitere Menschen geltend machen, dieses Schicksal zu teilen. "Die doppelte Strahlenbelastung, der ich ausgesetzt war, ist festgehalten", sagte Yamaguchi vor einigen Jahren einer japanischen Zeitung. "Ich werde für die jüngere Generationen noch Zeugnis von den Atombomben ablegen, wenn ich gestorben bin."

"Seine schmerzhafte Erfahrung, die beiden Bombardierungen erlitten zu haben, wird weiterhin die Aufmerksamkeit der Welt auf sich ziehen", sagte Bürgermeister Taue. Yamaguchi starb am Montag in Nagasaki an Magenkrebs.

Der Ingenieur befand sich am 6. August 1945 in Hiroshima, als die USA dort die erste Atombombe der Geschichte abwarfen. Mit schweren Brandverletzungen kehrte Yamaguchi zwei Tage später zu seiner Familie ins 300 Kilometer weiter südwestlich gelegene Nagasaki zurück, wo die US-Luftwaffe am 9. August 1945 eine weitere Atombombe zündete. Beide Male befand sich Yamaguchi nahe am Zentrum der Detonation.

Durch die beiden Bomben kamen 140.000 Menschen in Hiroshima und 75.000 Menschen in Nagasaki sofort oder in den Folgemonaten ums Leben.

Nach den Atomschlägen arbeitete Yamaguchi zunächst als Übersetzer für das amerikanische Militär, später als Lehrer. Er ging nach dem Krebstod eines seiner Söhne im Jahr 2005 mit seinen Erfahrungen an die Öffentlichkeit und warnte vor den Gefahren der Atomwaffen. So sprach er 2006 auch vor den Vereinten Nationen. Im Dezember des vergangenen Jahres wurde Yamaguchi von Filmemacher James Cameron ("Avatar") besucht, der nach Informationen der japanischen Zeitung "Mainichi" einen Film über die Atombombenangriffe drehen will.

pad/AP/AFP
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