Zusammenstöße an 9/11 Koranhasser und Verschwörungsfans prallen aufeinander

Schweigeminuten, Tränen? Nicht mit ihnen: Am Rande der Trauerfeier für die Opfer der Terroranschläge schrien sich Verschwörungsfanatiker und Muslimhasser gegenseitig nieder.
Umstrittener Pastor Terry Jones: "Der Islam ist für die Anschläge verantwortlich"

Umstrittener Pastor Terry Jones: "Der Islam ist für die Anschläge verantwortlich"

Foto: Mary Altaffer/ AP

New York - Während an Ground Zero ehrfürchtig die Namen der 9/11-Opfer verlesen wurden, setzten sie auf Krawall: Etwa 200 Demonstranten forderten, "die Wahrheit" über die islamistischen Anschläge auf das World Trade Center zu erfahren. Auf Transparenten stellten sie ihre kruden Verschwörungstheorie zu Schau, wonach die US-Regierung die Gebäude selbst gesprengt habe. Sie lieferten sich heftige Wortgefechte mit dem als Koranhasser bekanntgewordenen Pastor Terry Jones, der alle Muslime für den Angriff verantwortlich machte. Polizisten mussten die Streitenden trennen.

"Das Bush-Regime hat 9/11 inszeniert" war auf einem großen Transparent zu lesen. Ein Mann schrie: "Gebäude Nummer sieben wurde von keinem Flugzeug getroffen. Warum ist es eingestürzt? Wacht auf!" Verschwörungstheoretiker insbesondere aus arabischen Ländern und Europa behaupten, die Amerikaner hätten die Türme selbst gesprengt, um einen Kriegsgrund zu haben.

Jones versuchte, sie zu überschreien. Er war bekanntgeworden, als er vor einem Jahr über Wochen hinweg ankündigte, einen Koran zu verbrennen. Kritiker hatten befürchtet, der Plan, der letztlich fallengelassen wurde, könne zu neuen Ausschreitungen gewalttätiger Muslime führen.

Jones machte jetzt in New York den Islam für die Anschläge verantwortlich. Der Plan, in der Nähe der früheren Zwillingstürme eine große Moschee zu errichten, sei eine Beleidigung aller Opfer. Er forderte von Muslimen Entschädigungen, so wie sie Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg gezahlt hatte.

Statt auf Geschrei setze eine New Yorker Künstlerin auf nackte Tatsachen: Holly Van Voast schlenderte barbusig, mit aufgemaltem schwarzen Schnauzer sowie hellblondem Lockenberg auf dem Kopf den Broadway entlang. "Ich symbolisiere genau das, was die Terroristen hassen. Ich kann machen, was ich will. Ich bin frei und kreativ", sagte sie. "Vor zehn Jahren arbeitete ich hier unten. Tonnen von Papier flogen durch die Luft, ich stand im Staub und wusste nicht, was hier gerade passiert." Jetzt lebe sie ihre Freiheit aus.

Die zahlreichen Polizisten schauten dezent weg. In den teils sehr prüden USA ist Entblößung verboten, selbst am Strand ist oben-ohne-Baden untersagt.

nkk/dpa
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