Plus von 330.000 2021 sind wieder mehr Menschen nach Deutschland gezogen

Deutschland braucht Hunderttausende Menschen aus dem Ausland, um den Fachkräftemangel auszugleichen. Im vergangenen Jahr sind wieder mehr Menschen zugezogen – besonders aus zwei EU-Staaten.
400.000 Menschen Nettozuwanderung werden jedes Jahr benötigt – 330.000 kamen

400.000 Menschen Nettozuwanderung werden jedes Jahr benötigt – 330.000 kamen

Foto: Frank Rumpenhorst / picture alliance/dpa

Die Entwicklung der Zu- und Abwanderungen in Deutschland nähert sich dem Niveau von vor der Coronakrise. Im vergangenen Jahr waren konkret knapp 330.000 Personen mehr nach Deutschland zugezogen als fortgezogen, heißt es in einer Mitteilung  des Statistischen Bundesamts. Im ersten Coronajahr 2020 hatte es nur 220.000 mehr Zu- als Fortzüge gegeben.

Insgesamt gab es 2021 rund 1,32 Millionen Zuzüge und 994.000 Fortzüge über die Grenzen Deutschlands. 2020 waren rund 1,19 Millionen Zuzüge und 966.000 Fortzüge registriert worden. Damit sind 2021 rund zwölf Prozent mehr Personen zugezogen – und drei Prozent mehr fortgezogen als 2020.

Zuzüge werden von der deutschen Wirtschaft dringend gebraucht  – denn in vielen Bereichen fehlen Fachkräfte. Das Arbeitsmarkt- und Berufsforschungsinstitut der Bundesagentur für Arbeit (IAB) hält allein für Deutschland eine Nettozuwanderung von 400.000 Menschen pro Jahr für nötig, um die Lücke zu schließen, die durch den Ruhestand der Babyboomer entsteht. Diese geburtenstarken Jahrgänge scheiden derzeit geballt aus dem Erwerbsleben aus.

Deutsche zieht es nach Paraguay und Schweden

Unter den nun Zugezogenen waren rund 1,14 Millionen Ausländerinnen und Ausländer – unter den Weggezogenen waren 746.000 ohne deutschen Pass. Die höchsten Wanderungsüberschüsse innerhalb Europas wurden aus Rumänien, der Türkei und Bulgarien verzeichnet. Unter den asiatischen Staaten dominierten Nettozuwanderungen aus Syrien und Afghanistan.

»Bei Personen mit deutscher Staatsangehörigkeit ist seit 2004 stets eine Nettoabwanderung festzustellen«, berichtete das Amt. 2021 betrug der »Abwanderungsverlust« 64.000 Personen. Die Schweiz, Österreich und die USA waren dabei die Hauptzielländer. In der Pandemie nahmen die Fortzüge Deutscher nach Paraguay und Schweden am meisten zu.

Erstmals seit 2009 wurde trotz Brexit vergangenes Jahr auch eine Nettoabwanderung ausländischer Personen ins Vereinigte Königreich verzeichnet (-2000). Nach dem Ende der Übergangsphase am Ende 2020 hatte Großbritannien den EU-Binnenmarkt und die Zollunion verlassen. In den Vorjahren lag die Nettozuwanderung aus dem Vereinigten Königreich noch bei +6000 im Jahr 2020 beziehungsweise +4000 ausländischer Personen 2019.

Innerhalb Deutschlands wurden 1,06 Millionen Wanderungen über Bundeslandgrenzen registriert. Dies waren drei Prozent mehr als im Vorjahr. Brandenburg profitierte mit einem positiven Saldo von 17.000 Personen am meisten von innerdeutschen Wanderungen, gefolgt von Schleswig-Holstein sowie Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern. Baden-Württemberg sowie Hamburg und Berlin verloren dagegen die meisten Einwohnerinnen und Einwohner an andere Bundesländer.

apr/dpa
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