Zwickau Vernichteter Gedenkbaum für NSU-Mordopfer wird ersetzt

Unbekannte hatten Anfang Oktober einen Gedenkbaum für das erste NSU-Opfer Enver Simsek abgesägt. Jetzt will die Stadt Zwickau ein Zeichen gegen die Gewalt setzen.

Dieses Foto der abgesägten Eiche hatte die Stadt Zwickau in der vergangenen Woche veröffentlicht: Mit dem Baum und der Gedenktafel davor sollte an Enver Simsek erinnert werden
Stadtverwaltung Zwickau/ DPA

Dieses Foto der abgesägten Eiche hatte die Stadt Zwickau in der vergangenen Woche veröffentlicht: Mit dem Baum und der Gedenktafel davor sollte an Enver Simsek erinnert werden


Die Taten hatten deutschlandweit Empörung hervorgerufen: Am Freitag war im sächsischen Zwickau ein Gedenkbaum abgesägt worden, der an das erste Mordopfer des "Nationalsozialistischen Untergrunds" (NSU) erinnern sollte. Am Wochenende zertrümmerten Unbekannte dann auch eine Holzbank, die zu Simseks Ehren aufgestellt worden war.

Jetzt reagiert die Stadt, will den abgesägten Gedenkbaum ersetzen. "Wir lassen uns nicht unterkriegen", sagte Zwickaus Oberbürgermeisterin Pia Findeiß (SPD). Auch für die neun weiteren Opfer der rechtsextremen Terrorzelle NSU wolle man wie geplant Bäume pflanzen. Für das Projekt richtet die Stadt ein Spendenkonto ein.

Der Blumenhändler Enver Simsek starb im September 2000, er wurde in seinem Wagen ermordet. Die Rechtsterroristen Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt hatten neunmal auf ihn geschossen - zwei Tage später erlag Simsek seinen Verletzungen. Er war das erste von insgesamt zehn Opfern der Terrorzelle NSU. Für seine Familie ist der Verlust bis heute allgegenwärtig.

In Gedenken an Simsek wurde am 8. September im Schwanenteichpark in Zwickau eine deutsche Eiche gepflanzt. Neun weitere Bäume sollten folgen. Doch am Freitag sägten Unbekannte die Eiche ab. Eine daraufhin am selben Tag aufgestellte Holzbank, die an Simsek erinnern sollte, wurde ebenfalls zerstört.

Seit Bekanntwerden der Vorfälle haben viele Zwickauer an der Stelle im Schwanenteichpark Blumen gepflanzt und niedergelegt. Am Montagmittag erinnerten rund 120 Menschen mit einer Schweigeminute an der Stelle an das NSU-Opfer.

jki/dpa



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