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Bei Flugunglück getöteter Total-Chef Fahrer von Schneepflug weist Schuld von sich

Verursachte ein betrunkener Schneepflugfahrer das Unglück, bei dem Total-Chef Christophe de Margerie ums Leben kam? Der Anwalt des Mannes bestreitet das: Sein Mandant sei nüchtern gewesen.

Moskau/Paris - Der Fahrer des Räumfahrzeugs, das in den tödlichen Unfall von Total-Chef Christophe de Margerie verwickelt war, hat über seinen Anwalt jede Schuld von sich gewiesen. "Er ist schockiert", sagte Alexander Karabanow der Nachrichtenagentur Reuters über seinen Mandanten Wladimir M. "Er betrachtet sich als unschuldig, da er sämtliche Anweisungen der Flugsicherung befolgt hat."

De Margerie hatte in einer Privatmaschine vom Typ Dassault Falcon 50 gesessen, als diese beim Start am Flughafen Moskau-WnukoWo mit dem fahrenden Schneepflug kollidierte. Bei dem Zusammenstoß in der Nacht zum Dienstag starben alle vier Insassen des Flugzeugs, darunter auch der 63-jährige Chef von Europas drittgrößtem Ölkonzern. Wladimir M. hingegen blieb unverletzt, er wurde festgenommen.

Nach Angaben der russischen Ermittlungsbehörde soll der Schneepflugfahrer betrunken gewesen sein. Untersucht werde aber auch das Verhalten von Flugsicherung und Besatzung der Privatmaschine. Behördensprecher Wladimir Markin teilte in einer schriftlichen Stellungnahme mit, das Unglück sei nach ersten Erkenntnissen nicht durch tragische Umstände verursacht worden, sondern durch "verbrecherische Fahrlässigkeit".

Schneepflugfahrer trinkt laut Anwalt keinen Alkohol

Anwalt Karabanow wies die Vorwürfe gegen seinen Mandanten zurück. Wladimir M. habe nicht getrunken, die Behörden suchten einen Sündenbock, sagte er. In Wahrheit trinke der Beschuldigte keinen Alkohol, das würden Verwandte bestätigen; zudem leide er an einer chronischen Herzkrankheit.

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Unbeeindruckt von diesen Einlassungen zeigte sich Russlands Vizeverkehrsminister Waleri Okulow. "Für diese Schlamperei habe ich keine Worte", sagte er. Die Fluglotsen müssen sich nun einem Drogentest unterziehen. "Warum sich der Fahrer des Schneeräumfahrzeugs entschieden hat, die Start- und Landebahn vor dem startenden Flugzeug zu überqueren, muss eine Untersuchungskommission klären", sagte ein Ermittler.

Zum Unfallzeitpunkt lag Nebel über der Startbahn, die Sicht betrug nach Angaben der Flughafenverwaltung 350 Meter. Das etwa 20 Meter lange Flugzeug sei ausgebrannt. Die Flugschreiber sollen erst im Beisein französischer Ermittler geöffnet werden. Noch am Dienstag werden drei Experten aus Frankreich in Moskau erwartet.

Laut "Wall Street Journal"  hat das Zwischenstaatliche Luftfahrtkomitee MAK die Untersuchung der Unglücksursache übernommen - eine von ehemaligen Sowjetstaaten gegründete Luftfahrtbehörde, die von Moskau aus koordiniert wird. Ermittlungen wegen fahrlässiger Tötung wurden der Zeitung zufolge von der Staatsanwaltschaft in Paris eingeleitet.

rls/Reuters/dpa/AP