SPIEGEL ONLINE

SPIEGEL ONLINE

20. Juni 2013, 20:25 Uhr

Fluten, Brände, gesperrte Gleise

Unwetter wüten über Deutschland

Erst kam die Hitze, jetzt gewittert es heftig. Über viele Teile Deutschlands fegen Unwetter hinweg. Feuerwehr und Polizei sind im Dauereinsatz. Meteorologen warnen sogar vor Tornados: "Die Wetterlage hat Zunder."

Hamburg - Überschwemmte Straßen, vollgelaufene Keller und brennende Häuser: Unwetter mit Blitz und Donner haben in weiten Teilen Deutschlands kräftig gewütet und für Millionenschäden gesorgt. Im schleswig-holsteinischen Brunsbüttel hielt ein Supermarkt-Dach den Wassermassen nicht stand und brach ein. In Bremen sprengte ein Blitz den Schornstein eines Hauses. Verletzt wurde niemand.

Von den Unwettern in der Nacht und im Laufe des Donnerstages waren auch Teile von Niedersachsen, Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Bayern sowie des Saarlandes betroffen. Die Meteorologen warnen vor weiteren Unwettern und sogar Tornados.

"Im gesamten Gebiet ging quasi die Welt unter", sagte Britta Breuers von der Polizeidirektion in Oldenburg. In Bremen und mehreren Landkreisen Niedersachsens brannten Gebäude nach Blitzeinschlägen. In Scheeßel, wo vor Beginn des "Hurricane"-Festivals Tausende Musikfans ankamen, forderte der Veranstalter am Abend die Besucher auf, die Zelte zu sichern und sich in Autos in Sicherheit zu bringen.

In Bremen hielten fast hundert Einsätze Feuerwehr und Polizei auf Trab, in Hamburg waren es rund 150. In Schleswig-Holstein musste die Feuerwehr mehr als tausendmal ausrücken. Laut Bahn kam es auf den Strecken Kiel-Lübeck, Büchen-Lüneburg sowie Neumünster-Kiel zu Verspätungen, weil Bäume von den Gleisen geschafft werden mussten.

Auch in Nordrhein-Westfalen legten Gewitter und starker Regen den Bahnverkehr auf mehr als einem Dutzend Strecken lahm. Betroffen war vor allem der Nahverkehr. Gleise wurden unterspült, Äste fielen auf Oberleitungen, Erdreich wurde auf Gleise geschwemmt. Wasser drang in elektronische Signal- und Weichensteuerungsanlagen und verursachte Ausfälle. Betroffen waren unter anderem die Regionen Bonn, Gummersbach, Dortmund und Münster.

In Gütersloh standen nach Polizeiangaben Dutzende Keller und Tiefgaragen unter Wasser. Im Rhein-Sieg-Kreis kämpften Polizei und Feuerwehr ebenfalls gegen Wassermassen. In Dülmen kam ein 80-Jähriger ums Leben. Angehörige fanden den Mann am Nachmittag leblos in einem überschwemmten Keller. Rettungskräfte konnten ihm nicht mehr helfen. Die Polizei ging davon aus, dass er beim Arbeiten gegen eindringendes Wasser aus gesundheitlichen Gründen zu Tode kam.

In Bochum schlug das Unwetter besonders heftig zu. Zwischen 13 und 15 Uhr fielen laut Deutschem Wetterdienst 73 Liter pro Quadratmeter. "Das ist schon wie Monsun in Indien", sagte der Meteorologe Thomas Ruppert. Die Feuerwehr zählte mehr als 350 Einsätze.

"Leute, bleibt lieber zu Hause"

In Mecklenburg-Vorpommern richteten die Hitzegewitter teils erhebliche Schäden an. Im Raum Rostock knickten Sturmböen mehrere Bäume um. Im Landkreis Ludwigslust-Parchim brach Stunden nach dem Gewitter ein fünf Meter langer Ast von einem Baum und stürzte auf die Windschutzscheibe eines vorbeifahrenden Kleintransporters. Das Auto geriet ins Schleudern, der Fahrer wurde leicht verletzt.

Ein Blitzeinschlag setzte in Arendsee in Sachsen-Anhalt eine Scheune in Brand. Das Gebäude brannte vollständig nieder. Verletzt wurde niemand. Zudem stürzten während des Unwetters viele Bäume um.

Viel Regen verursachte auch in Rheinland-Pfalz und im Saarland zahlreiche Einsätze der Feuerwehr. Keller liefen voll, Straßen waren überschwemmt. Auf der Strecke zwischen Trier und Koblenz rutschte Erdreich auf Gleise. Die Strecke musste zeitweise in beide Richtungen gesperrt werden. Auch in Bayern knickten Bäume um.

Nach der Hitze der vergangenen Tage wird zum kalendarischen Sommeranfang am Freitag unbeständiges, wechselhaftes Wetter erwartet. Der Deutsche Wetterdienst warnt vor heftigen Unwettern in der Nacht, auch Tornados seien nicht ausgeschlossen, sagte Meteorologe Ruppert. "Leute, bleibt lieber zu Hause", lautete sein Rat. "Die Wetterlage hat Zunder." Bis Freitag soll die Front über die Mitte Deutschlands hinweg bis zur polnischen Grenze ziehen.

wit/dpa/AFP

URL:

Verwandte Artikel:


© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung