Gewitterfront Unwetter verursacht schwere Schäden

Entwurzelte Bäume, vollgelaufene Keller und ein eingestürztes Autohaus: Heftige Gewitter mit sintflutartigen Regenfällen haben vielerorts in Deutschland Millionenschäden verursacht. Zeitweise kamen 85 Liter pro Quadratmeter Regen vom Himmel.


Hannover - Schwere Unwetter halten die Einsatzkräfte in Atem: Vermutlich konnte der Regen nicht schnell genug abfließen, so dass das Flachdach eines Autohauses in Halstenbek bei Pinneberg unter dem Druck der Wassermassen einstürzte. Nach ersten Erkenntnissen der Feuerwehr gab es keine Verletzte.

In Bremen befreiten die Helfer einen Mann aus seinem Auto. Sein Wagen war in einem überfluteten Tunnel stecken geblieben.

Im baden-württembergischen Landkreis Ravensburg musste die Feuerwehr bereits am gestrigen Donnerstag mehr als 500-mal ausrücken. Ein Supermarkt in Baienfurt musste vorübergehend geräumt werden, da das Dach unter den Wassermassen einzustürzen drohte. In Kißlegg-Zaisenhofen schlug vermutlich ein Blitz in ein landwirtschaftliches Anwesen ein und setzte dieses in Brand.

Auf der Autobahn Salzburg-München hat ein Mann aus Pullach seinen 200.000 Euro teuren Ferrari zu Schrott gefahren. Bei strömendem Regen verlor der 35-Jährige vor Weyarn in einer Kurve die Kontrolle über seinen Sportwagen und donnerte in die Mittelleitplanke der Autobahn, wie die Polizei Oberbayern mitteilte. Der Fahrer blieb unverletzt, an seinem Ferrari entstand hingegen ein Totalschaden.

In der Region Hannover fuhr die Feuerwehr am Donnerstagabend und in der Nacht zum Freitag etwa 200 Einsätze. Verletzte gab es nicht. Im südniedersächsischen Landkreis Northeim retteten sich am Donnerstagnachmittag 32 Kinder unverletzt vor dem Unwetter aus dem Fluss Rhume. Sie waren mit Kanus unterwegs, als das Gewitter sie überraschte.

Nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes fielen in der Region zwischen Hannover und Göttingen innerhalb von zwei Stunden rund 85 Liter Regen pro Quadratmeter. Allein in der Region Hannover war die Feuerwehr nach eigenen Angaben mehr als 200-mal im Einsatz.

Auf der A7 nördlich von Hamburg kam es in der Nacht zum Freitag wegen starken Regens zu einem Unfall mit drei Lastwagen, wie die Polizei mitteilte. Zwei der Fahrer seien leicht verletzt worden. Alle drei Fahrzeuge seien stark beschädigt worden, ebenso die Mittelschutzplanke auf rund 45 Metern. Der Schaden wird laut Polizei auf mindestens 60.000 Euro geschätzt. Weil die Fahrzeuge teils quer zur Fahrtrichtung standen, habe die Autobahn Richtung Süden vorübergehend gesperrt werden müssen.

Im Landkreis Hildesheim gab es außer Wasserschäden auch mehrere Blitzeinschläge in Wohnhäuser. Die Feuerwehr Verden war nach eigenen Angaben vom späten Nachmittag bis tief in die Nacht nahezu ohne Pause unterwegs. Auch in Nordhessen überflutete kräftiger Regen Keller und Straßen.

Ein heftiges Sommergewitter wütete auch über dem Raum Bayreuth. Im Festspielhaus auf dem Grünen Hügel gab es einen Wassereinbruch. Feuerwehrleute kamen schnell zu Hilfe und pumpten den Keller leer. In der Stadt Straubing standen mehrere Straßen teilweise bis zu 1,25 Meter unter Wasser, Gullydeckel wurden nach oben gedrückt und weggeschwemmt.

In Thüringen mussten die Feuerwehren zahlreiche Keller auspumpen und umgeknickte Bäume von den Straßen räumen, wie die Polizei mitteilte. Bei Sömmerda im Landkreis Erfurt durchschlug ein vom Sturm abgebrochener Ast die Windschutzscheibe eines Lasters. Der 56-jährige Fahrer kam mit Verletzungen in ein Krankenhaus.

Während der Wetterumstellung gab es krasse Temperaturunterschiede: Im äußersten Westen kletterte das Thermometer nicht einmal auf 20 Grad, im Osten hingegen schwitzten die Menschen bei bis zu 35 Grad.

jjc/AP/dpa/ddp



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