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Feuerwehreinsatz in Oestrich-Winkel: Mit Wasser gegen das Giftgas

Foto: Arne Dedert/ dpa

Unfall in Schaumstoff-Fabrik Giftgas-Alarm im Rheingau

Bei einem Unfall in einer Fabrik in Oestrich-Winkel sind giftige Gase ausgetreten. Mehr als 500 Spezialisten waren über Stunden im Einsatz, um die Reaktion zu stoppen, mindestens neun Feuerwehrleute wurden verletzt. Nach einer Entwarnung entwich die Substanz in der Nacht erneut.

Oestrich-Winkel - Bei einem Chemieunfall auf dem Gelände eines Schaumstoffherstellers im hessischen Oestrich-Winkel sind am Montag mehrere Feuerwehrleute leicht verletzt worden, darunter ein Angehöriger der Werksfeuerwehr. Sie hatten ein atemwegsreizendes Gas aus der Schaumstofffabrik eingeatmet. Nachdem am späten Abend vorübergehend Entwarnung gegeben worden war, wurde am Dienstagmorgen bekannt, dass der giftige Stoff in der Nacht erneut ausgetreten war.

Unklar ist die Zahl der leicht verletzten Feuerwehrleute. Die Nachrichtenagentur dpa meldet neun, dapd hingegen 18 Betroffene. Sie wurden in einem Krankenhaus ärztlich versorgt.

Gegen 12.45 Uhr am Montag wurde der Alarm wegen des austretenden Gases ausgelöst. Im Tanklager des Betriebes werden während der Produktion verschiedene Stoffe zusammengeführt. Aus bislang unbekannter Ursache war Wasser in einen Behälter gelangt und hatte eine unkontrollierte thermische Reaktion verursacht.

Die Fabrik produziert Schaumstoffe, die zum Beispiel als Verpackungsmaterial eingesetzt werden. Aus dem Tank entwich Toluylendiisocyanat, das die Atemwege reizen kann. Zuerst hatte es fälschlicherweise geheißen, eine Substanz sei ausgetreten, die die wesentlich gefährlichere Blausäure enthalte. Die Gase bildeten eine Wolke weißen Qualms, wie Anwohner berichteten.

Neues Giftgas-Leck in der Nacht

Danach blieb die Lage in dem Weinort im Rheingau lange angespannt. Es bestand die Gefahr, dass der überhitzte Tank explodieren könnte. Um das Werk wurden mehr als 500 Katastrophenschützer, Feuerwehrleute, Polizisten und Sanitäter zusammengezogen. Den Experten gelang es über Stunden dennoch nicht, den überhitzten Chemikalientank herunterzukühlen, obwohl vier Löschfahrzeuge der Feuerwehr im Einsatz waren.

Die Polizei bildete eine Sicherheitszone von etwa 500 Meter um das Werk im Stadtteil Oestrich. Die Feuerwehrmänner erzeugten lange Reihen von Fontänen, um bedrohte Wohnhäuser hinter einer Wasserwand zu schützen. Zudem wurde im Lauf des Nachmittags beschlossen, dass 500 bis 600 Anwohner evakuiert werden sollten.

Am Montagabend gab es dann vorerst Entwarnung, als es Fachleuten von Feuerwehr und Katastrophenschutz gelang, die chemischen Reaktionen zu stoppen. Die Behörden hoben die Anordnung zur Evakuierung nach kurzer Zeit wieder auf. Die Kriminalpolizei hat Ermittlungen zur Unglücksursache aufgenommen.

Am Dienstagmorgen wurde bekannt, dass in der Nacht der giftige Stoff erneut ausgetreten ist. Die Situation ist aber laut Polizei wieder stabil, es bestehe keine konkrete Gefahr mehr.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version dieses Artikels hieß es, das bei dem Unfall entwichene Isocyanat sei eine blausäurehaltige Substanz - diese auf einer Mitteilung des Kreises beruhende und von den Nachrichtenagenturen verbreitete Information ist falsch. Laut Andreas Stürer, Leiter des Giftnotrufs Mainz, handelte es sich bei der ausgetretenen Substanz um Toluylendiisocyanat. Dieses reize zwar die Atemwege, enthalte aber weder die wesentlich gefährlichere Blausäure, noch werde bei der Verbrennung Blausäure freigesetzt.

fdi/dpa/dapd
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