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Giftschlamm in Ungarn: Rote Trümmerlandschaft

Foto: Darko Bandic/ AP

Giftschlamm-Unglück Ungarns Polizei nimmt Chef der Katastrophenfabrik fest

Ungarn geht gegen den Betreiber der Tonerdefabrik vor, deren Rotschlamm den Ort Kolontár geflutet hat. Der Chef des Unternehmens wurde festgenommen, außerdem soll es unter staatliche Kontrolle gestellt werden. Die Zahl der Toten ist auf acht gestiegen - Helfer fanden die Leiche eines Vermissten.

Hamburg - Der ungarische Premierminister sagte bei einer Sitzung des Parlaments in Budapest, Polizisten hätten den Direktor der Betreiberfirma, Zoltan Bakonyi, festgenommen. Die Regierung müsse vorübergehend die Leitung der ungarischen Firma MAL Übernehmen und das Kapital einfrieren, so Viktor Orbán. Das Unternehmen solle unter staatliche Kontrolle gebracht werden.

Es sei im Interesse der Öffentlichkeit, eine sichere Wiederaufnahme der Produktion zu gewährleisten, so Orbán. Nur so könnten Tausende Arbeitsplätze gerettet werden. Zudem müssten die Opfer der Katastrophe Schadensersatz erhalten und die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden. Auch müssten weitere potentiell gefährliche Standorte erkannt werden.

Gebiet wurde verseucht

In der Aluminiumfabrik war am 4. Oktober ein Auffangbecken mit hochgiftigem Bauxitschlamm gebrochen, etwa eine Million Kubikmeter der roten Brühe ergossen sich über die Region, ein 40 Quadratkilometer großes . Die Schlammlawine tötete sieben Menschen, 123 wurden verletzt. 4000 Helfer sind im Einsatz. Fünf von der EU entsandte Experten, darunter ein Deutscher, sollten sich am Montag am Unglücksort ein Bild vom Ausmaß der Umweltkatastrophe machen.

Die Zahl der bei dem Chemieunfall ums Leben gekommenen Menschen ist auf acht gestiegen. Die Leiche des seit dem Unglück vermissten Opfers sei gefunden worden, teilte der Leiter des Katastrophenschutzes, Tibor Dobson, mit.

Nach Orbáns Worten wurde ein staatlicher Bevollmächtigter damit beauftragt, die Kontrolle über MAL und seine Vermögenswerte zu erlangen.

MAL erklärte auf seiner Webseite, dass die Wälle des Rückhaltebeckens den vorgeschriebenen Standards entsprochen hätten. Der Budapester Professor Gusztav Winkler, der das Gelände beim Bau des Beckens vor 30 Jahren begutachtet hatte, sagte aber in einem Interview, dass es wegen der Zusammensetzung des Bodens instabil sei.

Indes sind die Arbeiten an einem Damm zur Verhinderung einer zweiten Giftschlammwelle an der Aluminiumfabrik fast beendet. Bis zum Abend solle er fertiggestellt sein, sagte der Chef des Katastrophenschutzes, Tibor Dobson. Die Arbeiten seien die ganze Nacht hindurch ohne Unterbrechung fortgesetzt worden. 1050 Meter des Walles seien inzwischen fertig, insgesamt soll er eine Länge von 1500 Metern haben. Er werde 30 Meter breit und an seiner höchsten Stelle vier Meter hoch sein.

Im Laufe dieses Montags sollten die rund 800 Bewohner des evakuierten Dorfes Kolontár darüber informiert werden, wann sie in ihre Häuser zurückkehren könnten.

Das Dorf war am Samstagmorgen eilig geräumt worden, weil ein zweites Auffangbecken mit Giftschlamm der Aluminiumfabrik in Ajka zu bersten drohte. Helfer hatten dort Risse festgestellt. 24 Bewohner weigerten sich, ihre Häuser zu verlassen. Die anderen Männer und Frauen verbrachten die vergangenen zwei Nächte bei Freunden, Verwandten oder in einer Turnhalle in Ajka.

Die Umweltschutzorganisation Greenpeace hat angekündigt, ab Dienstag die Feinstaubwerte im Giftschlamm-Katastrophengebiet in Ungarn und in Richtung der österreichischen Grenze untersuchen zu wollen. Diese Messungen sollen zum einen Aufschluss über die Menge des Staubes, zum anderen über dessen Ausbreitungsverhalten geben.

han/AFP/Reuters/AP
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