Gigantische Brände Kalifornien in Flammen - mehr als 500.000 Menschen auf der Flucht

Die Lage in den Waldbrandgebieten in Kalifornien wird immer dramatischer: Tausende Feuerwehrleute kämpfen gegen das Inferno, mehrere Menschen kamen in den Flammen um, rund eine halbe Million sind auf der Flucht - jetzt schickt das US-Verteidigungsministerium Hilfstruppen.


Los Angeles - Tausende Feuerwehrleute kämpfen verzweifelt und am Rande der Erschöpfung gegen das gigantische Flammenmeer, das über weiten Teilen Kaliforniens den Himmel gelb-orange färbt. In der Katastrophenregion ist die heiße Luft von Rauch geschwängert. Insgesamt toben von der mexikanischen Grenze bis Santa Barbara nördlich von Los Angeles 14 riesige Brände, die von den sogenannten Santa-Ana-Föhnwinden mit Sturmstärke weiter angefacht werden. Die gewaltigen Rauchfahnen sind selbst aus der internationalen Raumstation ISS zu sehen, die Bilder zur Erde schickte.

Mehr als eine halbe Million Menschen sind auf der Flucht vor den Flammen. Besonders schlimm betroffen ist San Diego. Die Behörden ordneten alleine im Landkreis San Diego die Räumung von rund 350.000 Häusern an, was nach Schätzungen der Zeitung "Los Angeles Times" sogar mehr als 700.000 Betroffene bedeuten könnte.

Angaben über die Zahl der Todesopfer schwanken zwischen zwei und fünf. Ein Mann, der in seinem Auto von den Flammen überrascht worden war, sei an seinen schweren Verletzungen gestorben, teilte die Brandschutzbehörde mit. Die Zahl der Verletzten stieg auf 44 an, darunter siebzehn Feuerwehrleute.

Mehr als 1500 Häuser wurden bereits in Schutt und Asche gelegt, etwa 68.000 sind nach den Worten von Kaliforniens Gouverneur Arnold Schwarzenegger bedroht.Mindestens 120.000 Hektar Land sind bereits niedergebrannt. Kaliforniens Regierung rechnet mit wirtschaftlichen Verlusten in der Höhe von mehreren hundert Millionen Dollar.

In den Kampf gegen die Brände hat auch das US-Verteidigungsministerium eingegriffen. Unter anderem solle ein Dutzend Armeehelikopter bei der Brandbekämpfung eingesetzt werden, teilte das Pentagon mit. Diese Hubschrauber könnten Wasser oder Löschmittel transportieren, hieß es weiter. Zudem seien sechs Speziallöschflugzeuge der Nationalgarde von Stützpunkten in Colorado, Wyoming und North Carolina zum Stützpunkt Magu in Kalifornien geflogen worden.

Bush kündigt Besuch an

Kalifornien habe rund 1500 Nationalgardisten aktiviert, die die Feuerwehrleute unterstützen sollen, teilte das US-Verteidigungsministerium weiter mit. 17.000 weitere Mitglieder der Nationalgarde stünden bereit. Zuvor waren bereits 550 Marineinfanteristen am kalifornischen Stützpunkt Camp Pendleton in Alarmbereitschaft versetzt worden. Laut Pentagon stellte die Marine in der am schwersten von der Brandkatastrophe betroffenen Region San Diego an drei Stützpunkten Feldbetten für Flüchtlinge bereit. Der Bundesstaat erhalte zudem 10.000 weitere Betten für Notunterkünfte an anderen Orten.

Für morgen hat US-Präsident George W. Bush seinen Besuch in Kalifornien angekündigt. "Wir schicken allen Betroffenen unsere Gebete und Gedanken, und wir schicken auch die Hilfe der Regierung", sagte Bush. Gouverneur Schwarzenegger forderte den Präsidenten auf, die Region zum Katastrophengebiet zu erklären. Er erhoffte sich dadurch mehr Unterstützung von bundesstaatlicher Seite. Die Behörden Kaliforniens seien von der Härte und dem Ausmaß der Brände überfordert, sagte Schwarzenegger.

Meteorologen rechnen in den kommenden Tagen nicht mit einer Entspannung. Sie erwarten weiterhin Tagestemperaturen von mehr als 30 Grad und heftige Winde.

anr/AP/dpa/AFP

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