Partyposse in Köln Gigi D'Agostino - oder so ähnlich

Bisschen an den Reglern schieben? Das kriegt auch ein Double von Gigi D'Agostino hin, dachten die Veranstalter einer großen Kölner Party. Doch sie hatten die Rechnung ohne eingefleischte Fans gemacht.
Gigi D'Agostino in Köln, nicht der echte

Gigi D'Agostino in Köln, nicht der echte

"L'Amour Toujours" oder "Bla Bla Bla" - um die Jahrtausendwende war eine Disconacht ohne die Hits von Gigi D'Agostino kaum denkbar. Lange ist es her, aber in der vergangenen Woche konnten sich Nostalgiker auf einen Auftritt des mittlerweile 50-Jährigen bei einer Messeparty im Bootshaus in Köln freuen. So hatten es zumindest die Veranstalter auf ihrer Homepage angekündigt.

Um zwei Uhr nachts kam er: Kapitänsuniform samt Mütze, Goldkettchen, dicke Sonnenbrille. Schnell mal "The Riddle" anspielen, vielleicht sein größter Hit, er nickte cool mit dem Kopf, zeigte lässig ins Publikum. Die Menge ging mit, die Stimmung war gut, mehrere Partygäste zückten ihre Handys und filmten.

Als ein Besucher seinen Clip hinterher auf YouTube stellte, wurden andere jedoch misstrauisch: Kann das wirklich unser Gigi sein? Sieht der nicht viel zu jung aus? Und er bewegt sich doch ganz anders! In der GFU Community, einem Forum für eingefleischte Fans des Italo-Dance-Papstes, dauert es nicht lange, bis ein Nutzer schrieb: "Sie haben einen FAKE GIGI spielen lassen."

"Wir haben einen Fehler gemacht"

Tatsächlich war der Mann hinter dem DJ-Pult nicht GiGi D'Agostino, sondern ein Double - und noch nicht einmal ein professionelles. Das hat der Veranstalter Online Marketing Rockstars (OMR) inzwischen eingeräumt. "Wir haben einen Fehler gemacht", sagt Geschäftsführer Philipp Westermeyer. Fans sprachen eher von Betrug und Abzocke.

Statt des italienischen DJs stand ein Bekannter der Veranstalter an den Plattentellern. Mancher Partygast, der mehr als 120 Euro für Tickets ausgab, fühlte sich hinters Licht geführt. "Das ist eine sehr unglückliche Situation, die wir so nicht beabsichtigt haben", sagt Westermeyer. Er beschwört den guten Willen der Organisatoren. Nach der Absage des echten D'Agostino habe man die Double-Idee für eine "witzige, passende Lösung" gehalten. "Wir wollten das Erlebnis des Abends verbessern und niemanden enttäuschen."

Tatsächlich war "D'Agostino" nur ein kleiner Teil einer großen Sause. 3500 Leute feierten insgesamt auf der "OMR Aftershow"-Fete, unter anderem traten auch Samy Deluxe und Oli P. auf.

Bei dem Event handele es sich um eine Branchenparty zur Vermarktermesse Dmexco, sagt Westermeyer. Viele Besucher kämen direkt von dort, für die meisten stehe ohnehin das Networking und Feiern im Vordergrund: "Für die meisten Leute war der angekündigte 20-Minuten-Auftritt von Gigi D'Agostino um 2 Uhr nachts wohl nicht ausschlaggebend für den Besuch der Party."

Dass das Double nicht vorab angekündigt wurde, bedauert er: "Man hätte es anders lösen müssen", sagt Westermeyer, der sich auch in einem Video auf der OMR-Website  entschuldigt.

Was lernt man daraus? Niemand darf den heiligen Ernst der Fans unterschätzen - auch nicht, wenn es um das bloße Auflegen alter Popmusik geht, deren Qualität sich besonders gut im leicht beduselten Zustand auf der Tanzfläche erschließt. Vor allem mag es niemand, für dumm verkauft zu werden.

In Zukunft kämen wieder, "wie immer", so Westermeyer in dem Video, "die Leute, die wir ankündigen." Den Fan, der das Video hochgeladen hatte, will er einladen und auch persönlich treffen.

Im Video: Promi-Doubles - Mein Doppelgänger ist ein Star

SPIEGEL TV
hut/bbr
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