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BILDBAND Gladiatoren des Sex

aus DER SPIEGEL 18/2004

Chloe dreht am Dolorosa Drive, in einem Pornohaus, das aussieht, als wäre es abwaschbar, und sie dreht mit Artie, der tätowiert ist und dem die Haare ausgehen - ein normaler Arbeitstag im globalen Pornoland. Mit einer Ausnahme: Am Set in L. A. sind ausnahmsweise der mit dem World Press Photo Award prämiierte Fotograf Stefano de Luigi sowie Martin Amis, einer der bekanntesten Schriftsteller Großbritanniens. Und während sich Chloe und Kollegen an die Arbeit machen, überfällt den Beobachter Amis plötzlich Angst vor seiner eigenen Unbedarftheit angesichts der Praktiken, Angst, ihm könnte gefallen, was er da erlebt. Amis'' essayistische Reportage, weniger urteilsfreudig irritiert, ist in ihrem unsicheren Tonfall die angemessene Ergänzung zu den Aufnahmen de Luigis. Das Buch »Pornoland« serviert bizarr-ironische Innenansichten einer weltweit agierenden Industrie, von Prag bis Tokio, von Los Angeles bis Dortmund: Die Bilder mit ihren überzeichneten Farben und kalkulierten Unschärfen berichten von dem verschwiemelten und zugleich artifiziellen Milieu, das gerade Drehpause eingelegt hat, weil sich einer der Stars der Szene in Los Angeles mit HIV infiziert hat. Die Bilder zeigen die Darsteller als Sklavenarbeiter der Sexindustrie, illusionslos, leblos.

Stefano de Luigi, Martin Amis: »Pornoland«. Knesebeck-Verlag,München; 112 Seiten; 24,90 Euro.

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