Kontroverse in Glastonbury "Wie geil ist es, dass Kanye kommt?"

Kanye West soll beim Glastonbury-Festival nicht auftreten, fordern fast hunderttausend Menschen. Nun meldet sich erstmals die Veranstalterin zu Wort: "Wer sind diese Leute?"

DPA

Glastonbury - Die Musikelite auf der Bühne, Kate Moss im Publikum und Übernachtungen im Hippiezelt: Das Glastonbury ist das größte Musikfestival Großbritanniens. Jedes Jahr pilgern 150.000 Fans ins englische Somerset, um Stars wie Oasis, die Rolling Stones und Lily Allen zu sehen. Doch es droht Ungemach im Edel-Hippie-Paradies: In diesem Jahr wehrt sich eine Vielzahl von Fans gegen den Headliner Kanye West.

Er sei eine "Beleidigung für Musikfans in aller Welt". Man solle West von der Headline-Liste streichen und durch eine Rockband ersetzen, fordert eine Petition, die mittlerweile fast hunderttausend Unterzeichner fand.

Die Kritiker kochten, nicht wenige kommentierten, sie hätten stattdessen gerne Beck auf der Bühne. (Bei den Grammys hatte West später die Auszeichnung des Künstlers schwer infrage gestellt.)

Nun hat sich erstmals die Festival-Chefin eingeschaltet. In einem Gastbeitrag für den britischen "Guardian" schreibt Emily Eavis, sie sei von der heftigen Reaktion überrascht.

"Wer sind diese Leute?"

Es habe immer schon Kontroversen um die Auswahl der Auftretenden gegeben - selbst im Jahr 1984, als die Besucher The Smiths ablehnten, weil sie lieber Hawkwind sehen wollten. Aber das Gift, das in diesen Tagen im Netz versprüht werde, lasse sie die Qualitäten des Internets infrage stellen. "Wer sind diese Leute, die von ihren Bildschirmen aus Drohungen versenden?"

Hinter der Petition steckt der Brite Neil Lonsdale. Eavis bot ihm an, er könne sein Ticket zurückgeben. Allgemein wolle sie noch anmerken, dass lediglich vier Personen am Tag nach der Verkündung der Line-ups ihre Tickets zurückgegeben hätten. Und zu den Unterschreibern zählten vor allem Menschen, die keine Karte für ihre Veranstaltung hätten.

"Es ist ein Fest der Kultur und Vielfalt", schreibt Eavis weiter. Als Veranstalterin habe sie die Hoffnung, dass die Besucher offen dafür seien. Man solle nicht fragen: "Warum kommt Kanye?", sondern: "Wie geil ist es, dass Kanye kommt?"

Es handle sich bei West um eine Musiklegende. "Immer interessant, nie langweilig." Das Argument, West mache keine Rockmusik, will Eavis nicht gelten lassen. Acts wie Stevie Wonder, Jay-Z, Gorillaz und Beyoncé bewiesen die musikalische Vielfalt des Festivals. Sie selbst könne die Performance von West nicht abwarten.

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