Gletscherabbruch in den Dolomiten Verletzten Deutschen geht es besser

Die beim Gletscherunglück in Italien verletzten Deutschen sind auf dem Weg der Besserung. Derweil finden die Rettungskräfte an der Marmolata Kleidungsstücke. Experten wollen prüfen, ob diese geborgen werden können.
Rettungsflieger in den Alpen: Suche nach Vermissten

Rettungsflieger in den Alpen: Suche nach Vermissten

Foto: Luca Bruno / dpa

Den beiden beim Gletschersturz in Norditalien verletzten Deutschen geht es besser. Ihr Gesundheitszustand stabilisiere sich, teilt die Gesundheitsbehörde in Venetien mit, in deren Kliniken der Mann und die Frau liegen. Die Ärzte in der Provinz Belluno hätten den 67-Jährigen am Dienstag wegen seiner Verletzungen operiert. Er bleibe vorerst auf der Intensivstation. Die 58 Jahre alte Frau wurde auf eine normale Station verlegt und soll dort weiter überwacht werden.

Bei Drohnenflügen am Ort des tödlichen Lawinenunglücks in den Dolomiten entdeckten die Rettungskräfte derweil Kleidungsstücke. Unklar sei, ob es sich um Kleidung von Opfern handle, sagte ein Mitglied der Helikopter-Einheit des Trentinos, wie die Nachrichtenagentur Ansa berichtet. Die Experten wollen anschließend prüfen, ob und wie die Kleidung geborgen werden könne und ob dort möglicherweise Opfer lägen. Bei der Suche waren hauptsächlich Drohnen im Einsatz, da eine Suche am Boden noch zu gefährlich war.

Die Lawine in Norditalien hatte am Sonntagnachmittag an dem Gletscher in den Dolomiten mindestens sieben Bergsteiger in den Tod gerissen. Acht Menschen wurden verletzt, darunter auch ein Mann und eine Frau aus Deutschland. 13 Menschen galten am Dienstagvormittag als vermisst – am Nachmittag bestätigten die Behörden dann, vier vermisste Ausländer kontaktiert zu haben, die gesund seien. Außerdem habe man die Identität eines verletzten Mannes ermitteln können, der in einem Krankenhaus in Treviso liegt. Später aktualisierten sie die Vermisstenzahl erneut, am späten Nachmittag wurden noch fünf Menschen vermisst.

DER SPIEGEL

Gebiet gesperrt

Unterdessen ermittelten die Behörden den Halter eines Fahrzeugs mit deutschen Kennzeichen, das oben auf dem Parkplatz stand, den in der Regel die Wanderinnen und Wanderer nutzen, die Richtung Gipfel der Marmolata laufen. An den Wagen mit dem Nummernschild aus Bayern kehrte nach dem Unglück am Sonntagnachmittag zunächst niemand zurück. Die Behörden schlossen deshalb nicht aus, dass die Insassen unter den Opfern sein könnten. Am Dienstag erklärte die Polizei auf Nachfrage der Nachrichtenagentur dpa, der Halter sei ausfindig gemacht worden und befände sich außer Gefahr. Er sei nicht in das Lawinenunglück verwickelt gewesen.

Wegen der drohenden Gefahr weiterer Lawinen und für den ungestörten Ablauf der Rettungsarbeiten bleibt das Gebiet um den Berg gesperrt, wie die Autonome Provinz Trient mitteilt, an deren Grenze zur Region Venetien die Marmolata liegt. Die Behörden veröffentlichten auch ein Video von der Abbruchstelle auf dem Berg, an der ein großes Loch und tiefe Risse klafften. Der Chef der Bergrettung, Maurizio Dellantonio, stellte in Aussicht, ab Mittwoch oder Donnerstag bis zu 15 Spezialisten und Hunde bei der Suche nach möglichen Opfern an den abgegangenen Gletschermassen einzusetzen.

Für den Einsatz der Rettungskräfte vor Ort am Boden ist jedoch das Wetter entscheidend. Am Montag brachen die Behörden die Such- und Bergungsarbeiten wegen eines Unwetters ab. Die Bergretter befürchten, dass es Wochen oder sogar noch länger dauern könnte, bis alle Toten unter den Eis- und Geröllmassen lokalisiert und geborgen werden. Die Lawine habe sich inzwischen festgesetzt und sei sehr hart geworden. Graben könne man nur mit technischem Gerät, was aber unter diesen Umständen nicht an Ort und Stelle gebracht werden könne, sagte Dellantonio.

Als Grund für den Gletscherabbruch sehen Experten, Bergkenner sowie der italienische Ministerpräsident Mario Draghi und Staatsoberhaupt Sergio Mattarella die Folgen des Klimawandels. Seit Jahren schmilzt das Gletschereis in den Alpen wegen der gestiegenen Temperaturen. Im Gebiet der Marmolata war es in den Tagen vor dem Unglück außerdem ungewöhnlich warm, und es mangelte wie in vielen anderen Teilen Italiens an Niederschlägen. Dadurch werden die Gletscher dem südtiroler Extrembergsteiger Reinhold Messner zufolge immer instabiler.

ptz/dpa
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