Globale Proteste Schwarze Luftballons und Heiliger Krieg

Der Irak-Krieg hat auch am Sonntag weltweit Hunderttausende auf die Straße getrieben. Auch wenn es bei den Demonstrationen nicht zu Gewaltaktionen kam, die Drohungen gegen die USA waren alles andere als friedlich.


Kämpferische Töne: Friedensdemonstration in Jakarta
AP

Kämpferische Töne: Friedensdemonstration in Jakarta

Jakarta/Rabat/Kairo/Peking - Mit Rufen wie "America Imperialist - Number one Terrorist!" zog eine riesige Menschenmenge in der indonesischen Hauptstadt Jakarta vor die amerikanische Botschaft. An der größten Demonstration Asiens beteiligten sich nach Angaben von Beobachtern bis zu 300.000 Menschen. Parlamentspräsident Amien Rais rief bei der Abschlusskundgebung: "Bush ist der eigentliche Schuft und Terrorist." Ein Redner verlangte, US-Präsident George W. Bush wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit vor ein internationales Tribunal zu stellen. Indonesien ist das bevölkerungsreichste muslimische Land der Welt.

Mit Spielzeugwaffen und Porträts des irakischen Regierungschefs ausgestattet zogen rund 200.000 Marokkaner durch Rabat. Die Demonstranten verbrannten Duzende israelischer und amerikanischer Flaggen. 15.000 Studenten riefen in Kairo zum Heiligen Krieg auf. Ägypter forderten außerdem die Schließung des Suezkanals für amerikanische Kriegsschiffe.

Auf dem Campus der angesehenen Universität von Peking demonstrierten etwa 150 chinesische Studenten mit Fotos von verletzten Irakern. Die Regierung hatte die Studentenkundgebung erlaubt - eine große Ausnahme in dem kommunistischen Land. Eskortiert von einem großen Sicherheitsaufgebot durften außerdem etwa 200 ausländische Demonstranten mit Plakaten wie "Kein Blut für Öl" und Sprechchören zur Residenz des amerikanischen Botschafters in Peking ziehen. Eine größere Demonstration wurde hingegen vereitelt. Die Polizei von Seoul zählte 30.000 Kriegsgegner, die auch gegen die Entscheidung der südkoreanischen Regierung protestierten, sich mit Sanitäts- und Instandhaltungseinheiten am Vormarsch der Alliierten zu beteiligen.

Entäuschung in London

In Europa folgten Hunderttausende den Aufrufen der Friedensaktivisten. In Deutschland gingen am Samstag insgesamt mehr als hunderttausend Menschen auf die Straßen. Mit den Worten "Wir werden den Krieg stoppen" zogen in Athen rund 15.000 Kriegsgegner zur US-Botschaft. In Rom hängten Aktivisten schwarze Trauerbanner über die Brücken der italienischen Hauptstadt Rom. Ernüchterung gab es dagegen bei britischen Friedensaktivisten. Dem Aufruf zu einem Protestmarsch vor das Studio der BBC in London folgten nur hundert Kriegsgegner. Die Polizei sperrte lediglich eine von vier Fahrspuren ab.

In Spanien beteiligten sich am Sonntag mehr als 30.000 Menschen an Demonstrationen vor Militärstützpunkten im ganzen Land. Rund 20.000 Teilnehmer zählte die Polizei bei einem Protestmarsch zu dem von den USA mitbenutzen Marine- und Luftstützpunkt im südspanischen Rota bei Cádiz. Weitere Kundgebungen gab es vor den Militärstützpunkten in Torrejón bei Madrid, Saragossa, Albacete, Valencia und Murcia. Im Zentrum Barcelonas ließen Demonstranten 50.000 schwarze Luftballons platzen. Sie sollten die Bomben auf den Irak symbolisieren. Auch am Samstag gab es Demonstrationen, sogar auf den Ferieninseln Mallorca, Teneriffa und La Palma. Laut einer Umfrage sind 92 Prozent der Spanier gegen den Krieg.

Gegendemos in den USA In Boston, im US-Staat Massachusetts, beteiligten sich nach Angaben der Polizei 25.000 Demonstranten an einer Anti-Kriegs-Kundgebung, die mit einem "Die-in" endete. Im US-Staat Pennsylvania versammelten sich dagegen 12.000 Kriegsbefürworter und besetzten die Stufen des Kapitols in Harrisburg. 4.000 Kanadier protestierten vor dem Parlamentsgebäude in Ottawa gegen die Entscheidung der Regierung, den Krieg der USA nicht zu unterstützen. Sie schwenkten amerikanische, australische und britische Nationalflaggen. Meinungsumfragen zufolge unterstützt die Mehrheit der Kanadier jedoch die Haltung der Regierung.



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