Verkehrsminister bucht GNTM-Model für sexistische Kampagne - und reagiert ziemlich erbärmlich auf Kritik

"Jetzt weiß ich, warum bei meiner letzten Radtour in Strapsen mein Kopf so kalt war. Helm vergessen!"

Dieser Beitrag wurde am 23.03.2019 auf bento.de veröffentlicht.

"Looks like shit. But saves my life." So heißt eine neue Aktion des Bundesverkehrsministeriums, die vor allem junge Leute dazu animieren soll, beim Fahradfahren öfter einen Helm zu tragen

Der auf hip gemachte Slogan ist schon nicht gerade empowernd für die, die eh schon Helm tragen, schließlich sagt das Verkehrsministerium ihnen damit:"Hey, ihr seht wie Scheiße aus." Das absurdeste an der Aktion ist aber: Sie wird mit solchen Bildern beworben:

Ein Model räkelt sich in Unterwäsche und mit Fahrradhelm auf dem Kopf. Klar, ganz natürliche Situation, finden auch viele Kommentierende in den sozialen Netzwerken. 

Naja, aber jetzt weiß ich warum bei meiner letzten Radtour in Strapsen mein Kopf so kalt war. Helm vergessen! Ich Dummerchen!

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Das Model, das sich hier so vorbildlich vor Unfällen im Haushalt schützt, ist Kandidatin in der aktuellen Staffel von "Germany's next Topmodel". Sie hat den Job für das Verkehrsministerium gewonnen, weil sie in der aktuellen Folge am besten nackt und mit Hund auf dem Arm posieren konnte. 

Das Shooting mit dem Fahrradhelm ist auch in der ProSieben-Show zu sehen. Model Alicija fliegt dafür extra mit Starfotograf Rankin nach London. Zuerst hat sie noch ein weißes Shirt an, dann sagt der Fotograf: "Let's go a bit sexier with her."

Rankin erläutert auch, warum es seiner Meinung nach total sinnvoll ist, mit Fotos eines halbnackten Models dafür zu werben, öfter Helm zu tragen:

Es soll ein provokatives, aufregendes Bild sein, das Leute dazu animiert, sich für diese Person und diesen Lebensstil zu interessieren und dazugehören zu wollen.

Spätestens hier dröhnt der Bullshit-Alarm in meinem Kopf. Was soll das denn bitte für ein "Lebensstil" sein, von dem der Fotograf da faselt? Fahrradhelm im Bett tragen? Sich grinsend in Unterwäsche räkeln? Wer will da dazu gehören?

Die Aktion kalkuliert mit dem Prinzip "Sex sells", Frauen in Unterwäsche erzeugen Aufmerksamkeit. Und sie erzeugen sogar noch mehr Aufmerksamkeit, wenn das kritisiert wird. Frei nach dem Motto "Es gibt keine schlechte PR" reagiert Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) auf Twitter so auf einen kritischen Artikel:  

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Nur: Die Einschaltquote wäre genauso hoch gewesen, wenn Alicija beim Shooting angezogen auf einem Fahrrad gesessen hätte. Scheuer bedankt sich hier für die Aufmerksamkeit durch die Kritik – und das ist ziemlich erbärmlich und nimmt die Debatte nicht ernst. 

Scheuer will den Sexismusvorwurf dann dadurch entkräften, dass ja nicht nur Frauen halbnackt zu sehen seien:

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Es stimmt, dass in der Kampagne auch Männer zu sehen sind. Dass sie dadurch weniger sexistisch wird, ist aber Quatsch.

Sexismus wird nicht dadurch abgebaut, neben eine sinnlos sexualisierte Frau alibimäßig einen sinnlos sexualisierten Mann zu stellen.

Sondern dadurch, keinen von beiden sinnlos zu sexualisieren. 

Das Verkehrsministerium hat auf seiner Website  ebenfalls auf die Kritik reagiert. Dort betont man, dass Prosieben kein Geld dafür erhalten habe, dass die Aktion bei "Germany's next Topmodel" auftaucht. Zum Sexismusvorwurf sagt das Ministerium: 

Auch wenn wir die Einwände von verschiedenen Seiten nachvollziehen können, stehen wir hinter den entstandenen Motiven. Sie erzeugen Aufmerksamkeit für unsere Aktion und können somit Leben retten.

Sprich: Wir wollen nicht so direkt sagen, dass uns die Kritik egal ist, aber die Kritik ist uns egal

Es stimmt sicher, dass viele Menschen aus Eitelkeit keinen Helm tragen. Sexistische Werbung mit dem Hinweis zu rechtfertigen, dass man damit Leben retten könne, ist aber ziemlich schwach. Weil man damit impliziert, dass die nötige Aufmerksamkeit für das Thema nur durch eine Sexualisierung möglich war. 

Was die Sache noch absurder macht: Es ist offenbar nicht das erste Mal, dass ein Ministerium mit einer sexistischen Kampagne für das Helmtragen wirbt. 2015 soll das Schulministerium in Nordrhein-Westfalen mit diesen Postkarten für Helme geworben haben:

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Auch der Blog "Die Rosa-Hellblau-Falle" berichtete damals darüber. 

Wovon lässt sich eine junge Frau wohl eher zum Helmtragen bewegen? Durch eine Postkarte, die ihr sagt, dass in ihrem rosa Hirn "shoppen", "Beauty & Styling" und "Selfies" die Hauptrolle spielen oder durch ein halbnacktes Model auf dem Bett?

Funktioniert wahrscheinlich beides nicht. 

Dabei gäbe es einige sinnvolle Maßnahmen, mit denen der Verkehrsminister die Sicherheit von Fahradfahrerinnen und Fahradfahrern wirklich verbessern könnte. Dieser Twitter-User hätte da ein paar Ideen: 

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