Golf von Guinea Verwirrung um Kindersklavenschiff

Zwei Wochen lang kreuzt das Schiff mit angeblich 200 Kindersklaven an Bord vor der westafrikanischen Küste. Jetzt hat es in der Hafenstadt Cotonou in Benin angelegt. Es sind aber kaum Kinder an Bord. Nun wird spekuliert, dass noch ein zweites Schiff unterwegs ist.


Das angebliche Sklavenschiff in Cotonou
AFP

Das angebliche Sklavenschiff in Cotonou

Cotonou/New York - Der seit fast zwei Wochen vor der westafrikanischen Küste gesuchte nigerianische Frachter "Entireno" mit angeblich mehr als 200 Kindersklaven an Bord ist in der Nacht zum Dienstag in die Hafenstadt Cotonou in Benin eingelaufen. Wie ein Vertreter des Uno-Kinderhilfswerks Unicef der britischen BBC sagte, befinden sich zwar "einige Kinder an Bord". Ob es sich um Kindersklaven handele, konnte er jedoch auch nach einem Besuch an Bord des Frachters nicht sagen. Laut Schiffspapieren befänden sich sieben Kinder an Bord der "Entireno".

Wie es hieß, äußerten die Behörden in dem westafrikanischen Land bereits Zweifel, ob die "Entireno" tatsächlich das gesuchte Schiff sei. Es könne sich eventuell um eine Verwechslung mit einem anderen Schiff handeln, dessen Name und Aufenthaltsort noch unbekannt seien, sagte Benins Sozialministerin Ramatou Baba. Die "Entireno" und ein zweites Schiff seien in den vergangenen Tagen in Häfen des Nachbarlandes Gabun abgewiesen worden, weil sie versucht hätten, illegale Einwanderer an Land zu bringen.

Zuvor hatte eine Unicef-Sprecherin in New York die Befürchtung geäußert, die Kinder könnten nicht mehr am Leben sein. Die Zahlenangaben westafrikanischer Behörden über die versklavten Kinder schwanken zwischen 180 und 250.

Nach Unicef-Informationen wurden die Jungen und Mädchen von ihren verarmten Eltern in Benin und Togo gegen Geld an Zwischenhändler abgegeben, die versprochen hätten, dass die Minderjährigen auf Farmen bezahlte Jobs bekommen würden. Tatsächlich hätten die Kinder als Arbeitssklaven weiter verkauft werden sollen. Das Sklavenschiff hatte den Angaben zufolge letzte Woche zunächst in Gabun und später in Kamerun anlegen wollen, was von den dortigen Behörden jedoch untersagt worden war.



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