"Gorch Fock" Junge Offiziersanwärterin in Nordsee vermisst

Drama auf der "Gorch Fock", einem der berühmtesten Segelschulschiffe der Welt: Eine junge Offiziersanwärterin wird vermisst, die offenbar während der Seewache über Bord ging. Was genau passierte, ist ein Rätsel.


Glücksburg - Ein Riesenaufgebot an Rettungskräften sucht in der Nordsee nach der 18-Jährigen, die um Mitternacht während der Seewache über Bord ging.

Das Schulschiff der Bundesmarine, die "Gorch Fock": "Ruhige, stabile Schifflage"
DPA

Das Schulschiff der Bundesmarine, die "Gorch Fock": "Ruhige, stabile Schifflage"

Die junge Frau aus Nordrhein-Westfalen ist Offiziersanwärterin auf der "Gorch Fock" - einem der berühmtesten Segelschulschiffe der Welt, das erst kürzlich seinen 50. Geburtstag feierte. Das Schiff befand sich auf einer Ausbildungsreise von Kiel nach Hamburg.

Was dem Verschwinden der 18-Jährigen vorausging, ist noch unklar. Die "Gorch Fock" befand sich zum fraglichen Zeitpunkt unter vollen Segeln in der Deutschen Bucht rund 20 Kilometer nördlich der Nordseeinsel Norderney. "Dabei herrschte südwestlicher Wind der Stärke sieben, das entspricht etwa 60 Stundenkilometern", teilte die Marine mit. Die Offiziersanwärterin sei bei "ruhiger, stabiler Schifflage, einer Wellenhöhe von zwei Metern" über Bord gegangen, heißt es weiter. Die Wassertemperatur der Nordsee beträgt zurzeit 17 Grad, die 18-Jährige trug, wie alle Besatzungsmitglieder und wie auf der "Gorch Fock" üblich, keine Schwimmweste.

Die Besatzung des Schiffes habe sofort umfassende Rettungsmaßnahmen eingeleitet, hieß es. An der umfassenden Suchaktion beteiligen sich inzwischen unter anderem auch Schiffe der Bundespolizei sowie der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS).

Ein Marine-Sprecher sagte SPIEGEL ONLINE, es gebe Hoffnung, die Frau lebend zu finden. "Es gilt zwar die Faustformel, dass ein Mensch pro Grad Wassertemperatur eine Minute überlebt, aber es hat auch schon Fälle gegeben, wo Menschen bei ein paar Grad mehrere Tage überlebt haben." Ein Sprecher der DGzRS sagte, bei den jetzigen Temperaturen könne man durchschnittlich fünf bis sieben Stunden überleben. Der Marine-Sprecher erklärte, der Beginn der Suche habe sich wegen der Dunkelheit schwierig gestaltet. Die Hoffnung liege darin, dass die Frau sich an der Wasseroberfläche halten konnte und nun von den Rettungskräften entdeckt werde.

Die Marine teilte mit, der Besuch der "Gorch Fock" in Hamburg ab dem morgigen Freitag sei abgesagt worden. "Wir werden sehen, ab wann das Schiff seine geplante Reise fortsetzen wird, nächstes Ziel ist Dublin in Irland." Zunächst werde das Schiff aber Wilhelmshaven anlaufen, bis geklärt sei, wie es zu dem Unglück kam.

Das Segelschulschiff "Gorch Fock" wurde vor 50 Jahren auf der Hamburger Werft Blohm & Voss gebaut. Es lief am 23. August 1958 vom Stapel. Seitdem haben rund 14.000 Kadetten auf der "Gorch Fock" Seemannsknoten und Teamwork gelernt. Der Dreimaster hat eine 85-köpfige Stammbesatzung, dazu kommen bis zu 138 Lehrgangsteilnehmer. Auch Anwärter des Heeres und künftige Sanitätsoffiziere werden auf dem Marineschiff ausgebildet. Seit 2006 hat Kapitän zur See Norbert Schatz das Kommando über die "Gorch Fock", die als Botschafterin Deutschlands auf allen Weltmeeren gilt.

Das Schiff ist 89 Meter lang und 12 Meter breit; der Tiefgang beträgt 5,25 Meter. Fock- und Großmast sind 45,30 Meter hoch, der Besanmast etwa 40 Meter. Eine Dieselantriebsanlage erlaubt eine Geschwindigkeit mit dem Motor von zwölf Knoten (etwa 23 Kilometer in der Stunde). Die Höchstgeschwindigkeit unter Segeln liegt bei rund 17 Knoten.

Die "Gorch Fock" untersteht der Marineschule Mürwik bei Flensburg, Heimathafen ist Kiel.

kaz/pad/dpa



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