"Gorch Fock" Kaum noch Hoffnung für vermisste Kadettin

Seit Sonnenaufgang wird die Suche nach der jungen Kadettin fortgesetzt, die auf der "Gorch Fock" über Bord ging. Doch es gibt kaum noch Hoffnung, die 18-jährige Offiziersanwärterin lebend aus der Nordsee zu bergen. Die Besatzung des Segelschiffs wird von Psychologen betreut.


Norderney/Glücksburg - Die Marine will die Hoffnung auf ein Wunder noch nicht aufgeben. "Wir wollen alles tun, um sie wiederzufinden", sagte ein Sprecher der Marine. Die Suche nach der in die Nordsee gestürzten Soldatin des Segelschulschiffs "Gorch Fock" wird seit Sonnenaufgang fortgesetzt. Die Chance, die junge Frau nun noch lebend zu entdecken, sei allerdings "verschwindend gering".

Die 18-jährige Kadettin aus Nordrhein-Westfalen war in der Nacht zum Donnerstag aus noch ungeklärter Ursache während ihrer Seewache an Deck ins Wasser gefallen. Gegen 20.30 Uhr beendeten die Einsatzkräfte die Suche wegen der Dunkelheit vorerst, bis dahin fehlte von der Offiziersanwärterin jede Spur.

An der umfassenden Suchaktion beteiligen sich unter anderem Schiffe und Hubschrauber der Bundespolizei, der Deutschen Marine, der Bundeswehr, der Polizei Niedersachsen sowie der DGzRS. Zum Zeitpunkt des Unfalls fuhr die "Gorch Fock" unter vollen Segeln rund 20 Kilometer nördlich von der Nordseeinsel Norderney. Routinemäßig trage die Crew bei der Wache an Deck keine Schwimmweste, sagte der Marinesprecher.

Das Wasser der Deutschen Bucht ist etwa 17 Grad kalt. "Unseren Erfahrungen zufolge kann man durchschnittlich fünf bis sieben Stunden bei diesen Temperaturen überleben", erklärt Andreas Lubkowitz, Sprecher der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS). Die Ermittlungen zum Hergang des Unfalls auf der 148. Fahrt des traditionsreichen Segelschulschiffs sollen am Morgen beginnen.

In der Nacht kam die "Gorch Fock" in Wilhelmshaven an. Dort solle die Besatzung psychologisch betreut werden, sagte der Marinesprecher. Die jetzige Unglücksfahrt hatte erst vor wenigen Tagen begonnen. 107 auszubildende Soldaten - darunter 24 Frauen - waren dabei. Ob die Reise fortgesetzt wird, steht nach Angaben der Marine noch nicht fest. Bereits in der Vergangenheit hatte es auf der "Gorch Fock" Unfälle mit Todesopfern oder Verletzten gegeben.

Der berühmte Dreimaster, der in diesem Jahr seinen 50. Geburtstag feiert, sollte eigentlich am Morgen in den Hamburger Hafen einlaufen. Dieser Besuch sowie der für den 6. September in Flensburg geplante Marineball wurden wegen des Unfalls abgesagt.

als/dpa

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