Erschossener Gorilla Zoo verteidigt Harambes Tötung

Im Zoo von Cincinnati musste ein Silberrücken erschossen werden, weil ein Kleinkind in die Gorilla-Anlage gelangt war. Die Eltern des Kindes stehen nun im Shitstorm.

Viralhog

Die Tötung eines Gorillas im Zoo von Cincinnati hat Tierliebhaber aufgebracht.

Zoopersonal hatte den 17-jährigen Harambe erschossen, nachdem ein kleiner Junge über das Schutzgeländer geklettert, in einen Wassergraben um die Gorilla-Anlage gefallen und dann von dem Silberrücken durch das Wasser gezogen worden war. Der Vierjährige wurde gerettet und blieb unverletzt.

Die Kritik nach dem Tod Harambes war so heftig, dass die Zooleitung sich gezwungen sah, ihr Vorgehen zu verteidigen. Zoodirektor Thayne Maynard sagte, man stehe zu der Entscheidung, den Affen zu töten. Der 200-Kilogramm-Gorilla sei aufgebracht gewesen und habe erratisch gehandelt - das Leben des kleinen Jungen sei in Gefahr gewesen. Harambe sei so stark gewesen, dass er eine Kokosnuss mit der Hand hätte knacken können.

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Zoo-Gorilla: Harambes Ende

Das Tier mit einem Betäubungsmittel lahmzulegen, sei keine Option gewesen. Das hätte zu lange gedauert, sagte Maynard: "Wir stehen zu unserer Entscheidung, und wir würden heute genauso verfahren."

Im Fokus der Kritiker stehen auch die Eltern des Jungen. Mehr als 200.000 Menschen unterzeichneten dem Sender NBC zufolge eine Internetpetition, in der gefordert wird, Vater und Mutter zu bestrafen. Sie hätten ihr Kind nicht genügend beaufsichtigt und dadurch den Tod des Gorillas herbeigeführt. Die Polizei sieht derzeit aber keinen Anlass für Ermittlungen gegen die Eltern.

Zeugenaussagen zufolge soll der Junge seiner Mutter gesagt haben, er wolle ins Wasser. Auch von ihrem "Nein" habe sich der Vierjährige nicht abhalten lassen. Nun überprüft der Zoo seine Sicherheitsvorkehrungen.

Die Eltern des Jungen bedankten sich in einer schriftlichen Erklärung für die "rasche Reaktion" der Zoomitarbeiter und erkannten zugleich an, dass der Zoo einen schweren Verlust erlitten habe. Ihrem Jungen gehe es gut, hieß es weiter.

Geboren im Gladys Porter Zoo in Brownsville, Texas, kam Harambe 2014 nach Cincinnati. Seine Art ist laut der Weltnaturschutzunion vom Aussterben bedroht. Wie Zoodirektor Maynard sagte, sollte das Gorillamännchen für Nachwuchs sorgen.

ulz/dpa/AP



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