Evakuierte Dörfer, Stromausfall, extreme Hitze Der Mittelmeerraum kämpft weiter gegen die Flammen

Auf der griechischen Insel Euböa brennt es noch immer. Griechenlands Premier Mitsotakis sagte, es sei »offensichtlich, dass die Klimakrise an die Tür des Planeten klopft«.
Feuerwehreinsatz bei Istiaia auf Euböa

Feuerwehreinsatz bei Istiaia auf Euböa

Foto: KOSTAS TSIRONIS / EPA

Es war die achte Nacht in Folge, in der es auf Euböa brannte: Am frühen Montagabend rückten auf der griechischen Insel vor der Ortschaft Kamatriades Hunderte Freiwillige an, um gemeinsam mit den Anwohnern und Feuerwehrleuten eine Menschenkette gegen die Wand aus Flammen zu bilden, die sich dem Ort näherte.

Fernsehbilder zeigten große Gruppen junger Menschen mit Rucksäcken und Masken, die sich einreihten. Viele von ihnen haben Feuerlöscher dabei, wie das Portal »Greek Reporter«  berichtet.

Außer Kamatriades wurden die Ortschaften Istiaia und Avgaria in derselben Region evakuiert. Strom und Wasserversorgung sind in den Brandgebieten ausgefallen, die Feuerwehr musste das Wasser in Löschwagen anliefern. Viele der Helfer waren lediglich mit Zweigen bewaffnet, um die nahenden Flammen auszuschlagen. Löschflugzeuge und -hubschrauber können bei Dunkelheit nicht fliegen.

»Künftig wird die Prävention im Mittelpunkt stehen«

Die griechische Regierung will den Zivilschutz angesichts der schweren Brände im Land vollständig umorganisieren. »Künftig wird die Prävention im Mittelpunkt stehen, nicht die Reaktion«, sagte Premier Kyriakos Mitsotakis am Montagabend in einer Fernsehansprache. Der Aufbauplan – auch für die Aufforstung, die nach neuesten Erkenntnissen erfolgen soll – werde direkt dem Ministerpräsidenten unterstellt.

Den schnellen Wiederaufbau verbrannter Wohnhäuser und Industriegebäude sowie die Hilfe für andere Brandschäden bei den Bürgern will Athen mit einem Sonderhaushalt von 500 Millionen Euro bewältigen. Die Hilfe für die Menschen soll unbürokratisch über eine Onlineplattform erfolgen. Bereits am Montagmorgen wurde im Norden Athens mit der Feststellung der Schäden begonnen.

In den vergangenen Tagen seien im ganzen Land 586 Feuer ausgebrochen, sagte Mitsotakis. Das Klima wolle er nicht als Entschuldigung für den Verlauf der Brände nehmen, sagte der Premier. Es sei aber sehr wohl der Grund für die schweren Brände: »Es ist offensichtlich, dass die Klimakrise an die Tür des Planeten klopft.«

Während die Flammen vielerorts noch lodern, gibt es erste Untersuchungen zum Ausmaß der Schäden in dem Land. Das geologische Institut der Universität Athen geht aktuell von rund 90.000 Hektar verbrannter Fläche aus. Zum Vergleich: In Deutschland verbrannten laut Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung im vergangenen Jahr durch Waldbrände 368 Hektar Fläche.

»Überschwemmungen, Schlammlawinen und Erdrutsche«

»Die Daten ändern sich ständig, weil die Ereignisse noch im Gange sind«, sagte Niki Evelpidou, an der Athener Uni Professorin für Geologie und Geo-Umwelt am Dienstag der Tageszeitung »Kathimerini«. Und selbst wenn die Brände gelöscht seien, sei damit die Gefahr noch nicht gebannt. Oft folgten »Überschwemmungen, Schlammlawinen und Erdrutsche, die bei starken Regenfällen katastrophal sein können, was in den letzten Jahren sehr häufig vorkam«.

Die größte Fläche ist den Wissenschaftlern zufolge bisher auf Euböa verbrannt: Rund 51.000 Hektar Wald liegen dort bereits in Asche. Auch die Halbinsel Peloponnes ist stark betroffen, dort sollen in der Region des antiken Olympia 10.000 Hektar verbrannt sein.

In Italien erhält der Katastrophenschutz weiter zahlreiche Anfragen aus den italienischen Regionen für Luftunterstützung im Kampf gegen die Waldbrände. Die Löschflugzeuge und Hubschrauber flogen am Montag meist über brennende Gebiete im süditalienischen Kalabrien, auf der Insel Sizilien und im Latium, wo auch die Hauptstadt Rom liegt, wie die Zivilschutzbehörde am Abend in Rom mitteilte. Fünf Brände habe die Feuerwehr unter Kontrolle gebracht beziehungsweise gelöscht.

Leichte Entspannung in der Türkei

Die Zivilschutzbehörde betonte erneut, dass ein Großteil der Brände durch unvorsichtiges Verhalten oder mutwillig ausgelöst würden. Ein Kommandant der Carabinieri-Einheit für den Waldschutz sagte der Nachrichtenagentur Ansa am Montag, dass derzeit 70 Feuer in Italien wüteten, vor allem in Apulien, Sizilien und Kalabrien. Für Dienstag und Mittwoch gelte wegen der extremen Hitze höchste Alarmbereitschaft. Auf Sizilien und Sardinien rechnete der Katastrophenschutz mit teils bis zu 45 Grad Celsius. Hitze allein sorgt allerdings nicht unmittelbar für Brände.

Die Situation in der Türkei hat sich inzwischen etwas entspannt. Zwar sind im Südwesten des Landes nach offiziellen Angaben noch drei Brände nicht unter Kontrolle, Wohngebiete sind aber erst mal nicht mehr bedroht. Weil die Situation in Griechenland zur Zeit schlimmer sei, werde man zwei Löschflugzeuge zum Nachbarn schicken, sagte Forstminister Bekir Pakdemirli am Montagabend.

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Experten mahnen in der Türkei weiter zur Vorsicht. Auch in den nächsten Tagen soll es sehr heiß und trocken werden. Die Brandgefahr bleibt hoch.

So hat starker Wind im Südwesten des Landes einen Brand weiter angeheizt. Flammen und Rauch schlugen am Dienstag in der Gemeinde Köyceğiz in die Höhe, wie auf Fernsehbildern zu sehen war. Ein Reporter des Senders CNN Türk sagte, Funken sprängen immer wieder über und das Feuer breite sich weiter aus. Durch das gebirgige Gelände könnten die Einsatzkräfte den Brand vom Land aus schlecht erreichen und bekämpften die Flammen aus der Luft.

bbr/dpa
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