Griechenland Taucher suchen nach versenktem Goldschatz

Irgendwo vor der griechischen Küste soll ein Nazi-Offizier während des Zweiten Weltkrieges Gold von Juden versenkt haben. Jetzt sollen Taucher nach dem Frachter auf dem Grund des Meeres suchen, dessen Ladung unter anderem aus Goldbarren im Wert von mehr als vier Milliarden Mark besteht.

Athen - Seit Jahrzehnten wird in Griechenland über den Verbleib des Schatzes der Juden von Thessaloniki gerätselt. Jetzt hofft die jüdische Gemeinde des Landes erneut, die Goldbarren, Juwelen und religiösen Gegenstände doch noch wieder zu finden.

Taucher sollen im Golf von Messinien vor dem Peloponnes im Südwesten des Landes nach einem versunkenen Schiff suchen, teilte der Präsident des Zentralen Israelischen Rates (KIS) Griechenlands, Moisis Konstantinis, am Samstag mit. Ein Grieche, der anonym bleiben wolle, habe der Gemeinde den Tipp gegeben.

"Zuerst dachten wir: Das ist eine der immer wieder auftauchenden unsinnigen Geschichten vom Schatz. Doch als der Mann sich dazu bereit erklärte, selbst die Suchaktion zu finanzieren, haben wir beschlossen, den entsprechenden Antrag beim griechischen Staat zu stellen", sagte Konstantinis. "Für uns sind die religiösen Gegenstände, die möglicherweise auch in diesem Schatz sind, viel wichtiger als die Goldbarren", sagte der Vertreter der rund 5000 noch im Lande lebenden Griechen jüdischen Glaubens.

Die jüdische Gemeinde der nordgriechischen Hafenstadt Thessaloniki hatte 1943 die wertvollen Gegenstände dem Nazi-Offizier Max Merten übergeben. Merten versprach dafür, die Deportation der rund 50.000 Gemeindemitglieder in Vernichtungslager zu verhindern. Die Menschen wurden dennoch verschleppt und die meisten von ihnen von den Nazis umgebracht. Merten soll den Schatz in einem Frachter geladen und ihn versenkt haben, um ihn nach Kriegsende zu heben.

Wann nun die Taucher im Auftrag der jüdischen Gemeinde mit der Suche beginnen werden, ist noch unklar. Das hänge allein vom griechischen Staat ab, sagte der Präsident des KIS. "Wir hoffen, dass wir die Tauchgenehmigung in den nächsten Monaten haben werden."

Der Nazi-Offizier Max Merten war 1958 nach Griechenland zurückgekommen, dort festgenommen und 1959 als Kriegsverbrecher zu 25 Jahren Zuchthaus verurteilt worden. Der Grund der Reise Mertens ist nie geklärt worden. Viele in Griechenland glauben, er sei gekommen, um den Schatz zu heben. In weiten Teilen Nordgriechenlands bilden sich immer wieder Suchgemeinschaften. Mit Baggern und schwerem Gerät werden dabei ganze Felder umgepflügt. In den vergangenen drei Monaten wurden mindestens drei Suchaktionen ohne Ergebnis eingestellt. Merten wurde wenige Monate nach seiner Verurteilung in die Bundesrepublik abgeschoben, wo er 1971 starb.

Takis Tsafos

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