Gesägt, getan Die Grill-Garage

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Der neue Grill ist super - aber er steht im Weg, er verdreckt und verrostet im Freien. Der Heimwerker weiß, da hilft nur eins: Eine Kiste. Eine grooooße Kiste.

Wie hatte ich mich gefreut, als mir meine Freundin nach Jahren des Elektrogrillens auf dem Balkon eine Feuerschale samt Grillrost am Schwenkarm zum Geburtstag schenkte. Endlich im Rauch auf dem Rasen stehen, endlich abends Lagerfeuer machen, endlich kein Spott mehr von Freunden und Nachbarn über Wasserauffangbecken für Fett und Hantieren mit Verlängerungskabel.

Meiner Erfahrung nach verhält es sich mit Elektro- und Kohlegrills wie mit Elektroautos und Wagen mit Verbrennungsmotor: Erstere haben vielleicht das umweltfreundlichere Image, Stichwort emissionsfrei. Aber im Zweifel setzt man sich doch lieber in den fetten V8, beziehungsweise legt die Würstchen auf den Kohlegrill.

Mit dem neuen Grill könnte ich theoretisch eine Fußballmannschaft gleichzeitig versorgen. Deshalb nahm ich es in Kauf, dass die Feuerschale unhandlich ist und eigentlich immer im Weg herumstand - im Garten störte sie beim Mähen, im Schuppen beim Basteln und Aufräumen.

Der erste Regenguss trübte die Freude zusätzlich. Der Grill stand draußen. Hinterher stand ich vor einem Sumpf aus Regenwasser, Asche und verkohlten Würstchen (ja, ich gebs zu, sind mir welche durchs Grillrost gerutscht, an den größeren Abstand zwischen den Stäben muss ich mich erst gewöhnen).

Einfach ein Loch reinbohren, dann läuft die Suppe von allein ab, sagte mir mein Heimwerkerinstinkt. Irrtum, sagte der Schwager: "Damit die Pampe vernünftig abfließt, müsstest du das Ding durchlöchern wie einen Schweizer Käse." Bohren war also keine Lösung.

Weg mit dem Schandfleck

Eine aus Holzresten ausgesägte (und mit Teichfolie überzogene) Platte bot zwar einen gewissen Schutz. Aber sie macht den Grill nicht leichter und noch sperriger.

Eine unbefriedigende Situation.

Bis ich die Idee mit der Kiste als Grill-Garage hatte. Jaja, ich weiß, nicht gerade nobelpreisverdächtig. Aber immerhin würde sie nicht nur meine Grill-Probleme lösen, sondern im Vorbeigehen auch einen Schandfleck beseitigen: Im Garten schauen zwei dicke Rohre aus dem Boden, Revisionsstutzen für den Sickerschacht. Die sehen hässlich aus und werden schnell überwuchert, unglaublich nervig beim Mähen. Die Kiste würde sie verschwinden lassen und Stauraum für die Feuerschale bieten.

Aus dem Abstand der Stutzen ergab sich, dass die Kiste mindestens 1,50 Meter lang sein musste. Und aus den Maßen der Feuerschale (40 Zentimeter hoch, 80 Zentimeter Durchmesser) folgte, dass ein Meter Breite und knapp 50 Zentimeter Höhe notwendig waren. Macht rund einen dreiviertel Kubikmeter Stauraum für Feuerschale, Schwenkarm, Grillrost und Abdeckplatte. Insgesamt ziemlich üppig, aber Gigantismus im Garten ist für mich ja nichts Neues.

Wegen meiner Abneigung gegen das Streichen kaufte ich einen Haufen Bretter aus WPC, einem Holz-Kunststoff-Gemisch - in der Hoffnung, die Kiste möge auch ohne Behandlung viele Jahre halten.

Außerdem:

  • Ein paar alte Latten und Balken für das Innengerüst
  • Vier Pfostenträger
  • Ein Eimerchen rostfreie Schrauben
  • Zwei Scharniere, die ich beim Anlegen des Gartens im Gebüsch gefunden hatte; leicht verrostet, aber noch gut zu gebrauchen. Ein bisschen WD 40 und sie waren wie neu
  • Vier Beton-Pflanzringe fürs Fundament
  • Ein bisschen Beton extra
  • Zwei Ketten samt Halterung, um zu verhindern, dass die (gefühlt zentnerschwere) Klappe nach hinten fällt und Kind, Hund oder sonst irgendjemanden erschlägt

Was soll ich sagen? Irgendwie habe ich es tatsächlich geschafft, die Kiste waagerecht aufzustellen (oder, wie man in meiner schwäbischen Heimat sagt: im Wasser).

Was bleibt, ist das gefürchtete "nur noch". Ich muss nur noch die Erde rund um die Kiste wieder auffüllen, Steine für eine Mähkante legen und Rasen einsähen.

Aber die Kiste ist benutzbar. Der Grill passt tatsächlich rein! Man könnte ihn sogar draufstellen, dann wäre das Rost direkt in Hüfthöhe, nie mehr nach den Steaks bücken. Dazu müsste freilich der Deckel hitzebeständig sein. Das nächste Projekt naht.


Falls Sie Vorschläge für eine hitzebeständige Abdeckung haben - immer her damit. Und schreiben Sie mir auch gerne, wenn bei Ihnen kleine Projekte völlig ausgeufert sind, an benjamin.schulz@spiegel.de

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16 Leserkommentare
ijf 10.06.2016
pigtime 10.06.2016
rathat 10.06.2016
ralleknolle 10.06.2016
ralleknolle 10.06.2016
Arminiafan 10.06.2016
Balschoiw 10.06.2016
johannesbueckler 10.06.2016
Pixopax 10.06.2016
tom2001 10.06.2016
upalatus 10.06.2016
ijf 10.06.2016
johannesbueckler 10.06.2016
frenchie3 11.06.2016
al2510 12.06.2016
sumse123 13.06.2016

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