Großbritannien Das Ende der Fuchsjagd ist beschlossen

Prinz Charles muss sich demnächst ein neues Hobby suchen: Das britische Unterhaus hat beschlossen, die Fuchsjagd künftig zu verbieten.


Prinz Charles ist ein glühender Anhänger der traditionellen Fuchsjagd
REUTERS

Prinz Charles ist ein glühender Anhänger der traditionellen Fuchsjagd

London - Die umstrittene Jagdvariante mit Hunden soll es nach dem Votum des britischen Unterhauses bald nicht mehr geben. In einer Abstimmung am späten Mittwochabend sprachen sich 387 Abgeordnete für ein völliges Verbot der traditionellen Jagd zu Pferde aus. 174 Abgeordnete stimmten dagegen.

Es ist allerdings unwahrscheinlich, dass das Gesetz noch in der laufenden Legislaturperiode in Kraft tritt. Es muss nun im Oberhaus (House of Lords) beraten werden, wo es allerdings mit Sicherheit zurückgewiesen werden wird.

Premierminister Tony Blair, der sich für ein Verbot stark gemacht hatte, nahm an der Abstimmung nicht teil. Er war zu politischen Gesprächen nach Nordirland gereist. Aus seiner Umgebung hieß es, für den Regierungschef habe das Jagdverbot keineswegs oberste Priorität.

Während und vor der Abstimmung hatten vor dem Parlament in London Befürworter der Jagd lautstark gegen die Regierungspläne demonstriert. Labour sei dabei, aus Gründen der "politischen Korrektheit" die Rechte einer Minderheit zu beschneiden, klagten sie.

Konservative Politiker warfen Labour im Verlauf der sechsstündigen heftigen Debatte vor, "illiberal und intolerant" zu handeln. Der Labour-Abgeordnete Tony Banks dagegen erklärte, es sei "höchste Zeit, den barbarischen Sport" des Jagens mit Spürhunden zu beenden.

Vertreter der Organisationen des ländlichen Großbritanniens machten vor den Toren des Parlaments geltend, ein Jagdverbot würde 16.000 Arbeitsplätze kosten. Anhänger der "Liga gegen grausamen Sport" und Vertreter von Tierschutzorganisationen bezeichneten die Jagd mit Hundemeuten auf Füchse als "grausam und archaisch", die Anhänger dieses "Blutsports" als "rotnasige Fatzken".

Auch innerhalb der Parteien war das Verbot umstritten. So hatte Innenminister Jack Straw wissen lassen, dass er gegen ein völliges Verbot der Jagd mit Hunden stimmen werde. Die Labour-Partei stellt im Unterhaus 417 der 659 Abgeordneten.



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