Großbritannien Nazis planten explodierende Schokoladentafeln
Hamburg - Explodierende Schokoladentafeln, detonierendes Rasierzeug, explosive Thermosflaschen und Taschenlampen, Handgranaten in Büchsen, in denen sich angeblich Fruchtsalat, Würstchen oder rote Pflaumen in Sirup befanden, sollten von deutschen Agenten überall auf der Insel verteilt werden, um die Bevölkerung vor dem Angriff auf Großbritannien in Panik zu versetzen.
Mehr als 60 Jahre lagen die Ergebnisse von Verhören des britischen Geheimdienstes MI5 in den Archiven des Sicherheitsdiensts. Nun veröffentlichte das Nationalarchiv in London detaillierte Baupläne und Zeichnungen der Sprengsätze, die der MI5 freigegeben hat. Die Dokumente zeigen unter anderem eine mit Sprengstoff präparierte Schokoladentafel, die zur Explosion gebracht werden sollte, indem ein nichts ahnender Genießer ein Stück abbiss.
Großbritannien: Nazis operierten mit explosiver Schokolade
"Die Bombe besteht aus Stahl mit einem dünnen Schokoladenüberzug", heißt es in einem Begleittext des britischen Nationalarchivs, der SPIEGEL ONLINE vorliegt. "Wenn ein Stück Schokolade abgebrochen wird, wird damit eine Lasche gezogen, und der Sprengsatz explodiert binnen sieben Sekunden."
Howard Davies, Professor für zeitgenössische Geschichte in Cambridge, beurteilt den Sinn der von den Nazis entworfenen Sabotagemittel etwas anders. Nach seiner Überzeugung versuchten die Nazis mit derartigen Konstruktionen eher, Sprengstoff für größere Anschläge nach Großbritannien zu schmuggeln, als Konsumenten zu schädigen.
Weitere jetzt veröffentlichte Dokumente zeigen Pläne über Sprengstoff in Seife, Kohle, Schuhsohlen. Eine Liste der Explosivstoffe führt auch "eine mit Sprengstoff gefüllte Ratte mit Zeitzünder" auf. "Dies waren Sprengsätze, die Chaos auf der Insel anrichten sollten", sagt der Historiker Christopher Andrew, der derzeit an einer Geschichte des MI5 arbeitet. Allerdings sei keine der Konstruktionen jemals wirkungsvoll eingesetzt worden.
Die jetzt veröffentlichten Unterlagen über "deutsche Techniken zur Tarnung von Sabotage-Instrumenten" seien mit Sicherheit echt, heißt es im britischen Nationalarchiv. Sie seien während des Zweiten Weltkriegs durch Verhöre von Gefangenen entstanden.