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27. Juli 2005, 15:50 Uhr

Großbritannien

Polizei betäubt Terrorverdächtigen mit Taser

In Birmingham wurde laut BBC und Sky News einer der mutmaßlichen Rucksackbomber festgenommen: Yasin Hassan Omar sei mit einer Elektroschockpistole, einem sogenannten Taser, angeschossen und betäubt worden. Alarm auch auf dem Londoner Flughafen Luton: Ein Terrorverdächtiger wurde festgesetzt, der das Land mit einem Billigflieger verlassen wollte.

Überwachungsfoto aus der U-Bahn: Yasin Hassan Omar soll einer der Londoner Rucksackbomber sein
DPA

Überwachungsfoto aus der U-Bahn: Yasin Hassan Omar soll einer der Londoner Rucksackbomber sein

London - Der in Luton festgenommene Mann habe ins französische Nîmes fliegen wollen und sei auf Grundlage der Anti-Terror-Gesetze festgenommen worden, teilte die Polizei mit. Durch den Sicherheitsalarm sei sein Flugzeug der Linie Ryanair aufgehalten worden. Sicherheitskräfte hätten nach der Festnahme die Maschine durchsucht und dann die Startgenehmigung erteilt, hieß es. Durch den Einsatz in Luton sei der Sicherheitsalarm des Flughafens ausgelöst worden, teilte die Polizei mit. Der Luftraum über dem Flughafen nördlich der britischen Hauptstadt wurde vorübergehend gesperrt. Der Alarm sei aber nach kurzer Zeit wieder aufgehoben worden.

Polizeisprecher Martin Stuart entschuldigte sich bei den Flugpassagieren für die entstandenen Unannehmlichkeiten: "Ich möchte jedem versichern, dass die Sicherheit unsere oberste Priorität hat", sagte der Beamte. "Es ist äußerst wichtig, dass alle Hinweise von der Polizei genau untersucht werden."

Ob die Festnahme im Zusammenhang mit den Anschlägen in London vom vergangenen Donnerstag steht, wurde zunächst nicht bekannt. Die britische Polizei fahndet mit Hochdruck nach den vier Attentätern, deren Sprengsätze im Londoner Zentrum nicht vollständig explodierten. Die Flüchtigen werden noch im Land vermutet. In Birmingham haben Fahnder vier Männer festgenommen, die in die Anschläge verwickelt gewesen sein sollen. Die britischen Fernsehsender Sky News und BBC melden, es handele sich um den mutmaßlichen Rucksackbomber Yasin Hassan Omar. Dem Bericht zufolge wurde Omar mit einem Betäubungsgewehr angeschossen und ins Hochsicherheitsgefängnis Paddington Green gebracht.

Der Somalier Yasin Hassan Omar, 24, nahm am vorigen Donnerstag einen Zug der U-Bahn-Linie Victoria Line in Richtung Norden und versuchte, seine Bombe in der Nähe der Station Warren Street zu zünden. Er lebte seit Jahren in Großbritannien. Omar teilte sich die Wohnung mit dem 27-jährigen Muktar Said Ibrahim alias Muktar Mohammed Said, der am vorigen Donnerstag versucht hatte, in einem Bus der Linie 26 einen Sprengsatz zu zünden.

Die Männer seien an zwei unterschiedlichen Orten der Stadt festgenommen worden, sagte eine Polizeisprecherin. Mit den Festnahmen in Birmingham und Luton stieg die Zahl der im Zusammenhang mit den Anschlägen vom 21. Juli festgenommen Personen auf zehn.

Davon unabhängig wurden schon am gestern Abend in Mittelengland zwei Personen in einem Zug wegen Terrorverdachts festgenommen. Ob es einen Zusammenhang zu den Ermittlungen wegen der Anschläge gab, war nicht klar. Die Polizei von Lincolnshire erklärte heute, der Zug sei auf dem Weg von Newcastle zum Londoner Bahnhof King's Cross gewesen. Er sei in Grantham angehalten worden, wo die beiden Männer festgenommen wurden.

Wie der Londoner Polizeichef Ian Blair unterdessen mitteilte, hat es seit den Bombenanschlägen vom 7. Juli in der britischen Hauptstadt insgesamt 270 Bombendrohungen gegeben.

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