Großbritannien Pubs feiern Wegfall der Sperrstunde

In England und Wales feierten in der Nacht die ersten trinkfreudigen Briten den Wegfall der Sperrstunde. Da das Ausschankverbot ab 23 Uhr gestern zum letzten Mal galt, durften Kneipenbesitzer ihren Gästen aber eine Stunde lang nichts nachschenken.


London - Zum ersten Mal werden heute Abend die Pubs nicht mehr um 23 Uhr schließen müssen. Einige Kneipen ließen es sich aber nicht entgehen, zur Feier des Tages schon in der vergangenen Nacht um Mitternacht wieder den Zapfhahn zu benutzen.

"Endlich werde ich wie ein Erwachsener behandelt", sagte der Werbefachmann Rob Morris, der die historische Stunde im "Agricultural" im Londoner Szene-Bezirk Islington verbrachte. "Ich muss jetzt nicht mehr darauf achten, dass ich kurz vor elf noch einen letzten Drink bekomme." Die Barkeeperin Tina Davies war weniger erbaut. "Ich fühle mich eher wie 'Mist, jetzt muss ich länger arbeiten'", sagte die 24-Jährige. "Aber was kann ich machen? Ich bekomme mehr Geld, und ich brauche es."

London: Briten feierten Wegfall der Sperrstunde
REUTERS

London: Briten feierten Wegfall der Sperrstunde

"Die Regierung hat den Rat von Experten rund um die Welt missachtet", kritisierte Ian Gilmore vom Alkoholausschuss der Ärzteschaft. "Die schlimmsten Faktoren zur Begünstigung des gesundheitsschädigenden Alkoholkonsums sind niedrige Preise und Verfügbarkeit." Kulturministerin Tessa Jowell hingegen sagte, die Menge des Alkoholkonsums hänge nicht von den Öffnungszeiten ab. "Wenn es wirklich darum ginge, rund um die Uhr zu trinken, hätte ich das nicht unterstützt", fügte die Ministerin hinzu.

Gastwirt Nigel Jones im "Railway Hotel" im südwestenglischen Blandford Forum hängte gestern zum letzten Mal um 23 Uhr die Handtücher über die Zapfhähne. Den traditionellen Rausschmeißer "Habt Ihr denn alle kein Zuhause?", den er sonst immer nach der letzten Runde ausgesprochen hatte, konnte Jones sich in dieser Nacht ersparen. Seine Gäste vertrieben sich die einmalige einstündige Wartezeit, bis der Ausschank um Mitternacht aufs Neue begann. "Ich glaube nicht, dass die Neuregelung dazu führt, dass die Leute rund um die Uhr trinken", sagte Jones.

"Heute bleiben wir nicht lang", sagte der Lehrer Robin MacDonald, der den ersten Abend ohne Sperrstunde in der Londoner Kneipe "The York" verbrachte und dabei eine Übertragung der Champions League verfolgte. "Aber wir bereiten uns auf ein langes Wochenende vor."

Die Sperrstunde um 23 Uhr war im Ersten Weltkrieg eingeführt worden. Landesweit beantragten inzwischen 60.326 Gaststätten, Kneipen und andere Lokalitäten die Lizenz zum Ausschank von Alkohol in der Nacht. 359 Genehmigungen wurden bis gestern erteilt.

AFP



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