Großbritannien Treibstofflager explodiert, viele Verletzte

Gewaltige Explosionen haben eines der größten Tanklager Großbritanniens verwüstet. Mehr als 30 Menschen wurden bei der Detonationsserie im Norden Londons verletzt. Die Polizei geht von einem Unglück aus. Geschockte Anwohner berichten von apokalyptischen Szenen.


Hemel Hempstead - Anwohner am Unglücksort nördlich von London berichteten von einem gigantischen Knall gegen 6 Uhr Ortszeit. Die Detonation sei so stark gewesen, dass sie in weiten Teilen Londons und Südostenglands zu spüren war. Noch in 60 Kilometern Entfernung wurden die Explosionsgeräusche gehört. Die Flammen schlugen bis zu 100 Meter in die Himmel.

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Brand in Treibstofflager: Rauchwolke mit 140 Kilometern Durchmesser

Ein Feuerwehrsprecher sagte, mindestens zwölf Einsatzmannschaften seien zum Öldepot Buncefield entsandt worden. Nach Angaben der Polizei wurden 36 Menschen verletzt, vier von ihnen schwer.

Das Lager versorgt den Flughafen Luton und wird von mehreren großen Ölgesellschaften genutzt. Den Angaben nach handelt es sich um insgesamt 20 Tanks mit einem Fassungsvermögen von jeweils rund 13,6 Millionen Litern.

Die Gegend um das Tanklager wurde evakuiert. Die Polizei in Herfortshire erklärte, bislang deute alles auf einen Unfall hin. "Es ist noch zu früh, irgendetwas zur Ursache zu sagen", sagte der Sprecher. "Aber es ist klar, dass es sich um ein Unglück handelt." Ein Sprecher der Feuerwehr sagte: "Es ist das größte Feuer, das ich je gesehen habe." Die Situation sei jedoch unter Kontrolle.

Der Anwohner Duncan Milligan berichtete, sein Haus stehe rund fünf Kilometer vom Explosionsort entfernt, er könne hoch in den Himmel lodernde Flammen sehen, überall sei Rauch. "Ein Gebäude in der Nähe der Autobahn brennt, Polizei und Rettungsdienste sind überall." Ein weiterer Anwohner sagte, die Explosion habe die Dächer von Häusern in der Umgebung weggerissen. "Es ist wie das jüngste Gericht", sagte Richard Ayers der BBC.

Anwohner hatten vom Geräusch eines Flugzeugs kurz vor der ersten Detonation berichtet. Laut Polizei gibt es keine Hinweise auf die Verwicklung eines Flugzeugs in die Explosion - allerdings liegt Hemel Hempstead rund 15 Kilometer vom Flughafen Luton entfernt. Der Betrieb auf dem Flughafen lief weiter. Die in der Nähe verlaufenden Autobahnen M1 und M10 und zahlreiche weitere Straßen in der Umgebung wurden jedoch gesperrt.

Augenzeugen zufolge waren gegen 6.20 Uhr zwei weitere, kleinere Explosionen zu hören. Fensterscheiben gingen zu Bruch, Häuser in der Umgebung wurden nach Angaben von Anwohnern beschädigt, ein Hotel wurde evakuiert. Zwei Gäste hätten leichte Verletzungen erlitten, sagte ein Hotelsprecher der Nachrichtenagentur AP.



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