Großfeuer bei London Feuerwehr besiegt Flammenmeer

Fast 60 Stunden dauerten die Löscharbeiten. Dann konnten die britischen Feuerwehrleute den gigantischen Brand im Treibstofflager Buncefield nahe London unter Kontrolle bringen. Was bleibt, ist ein immenser Schaden.


Hemel Hempstead - Knapp drei Tage nach der Explosionsserie in dem Öldepot Buncefield durften die insgesamt 600 eingesetzten Feuerwehrleute am Dienstag das erste Mal aufatmen. Es gelang ihnen, den Brand in allen 20 Öltanks zu ersticken. Es gebe noch einige kleinere Feuer, doch die Tanks selbst würden nicht mehr brennen, teilte der Feuerwehrchef der Grafschaft Hertfordshire, Roy Wilsher, mit. Lediglich einige kleine Betoncontainer stünden noch in Brand. Um das gigantische Feuer zu löschen, setzten die Feuerwehrleute rund 15 Millionen Liter Wasser und 250 Millionen Liter Löschschaum ein.

Pause für die Feuerwehrleute: Knapp drei Tage dauerten die Löscharbeiten am Treibstofflager Buncefield
REUTERS

Pause für die Feuerwehrleute: Knapp drei Tage dauerten die Löscharbeiten am Treibstofflager Buncefield

In dem 40 Kilometer nordwestlich von London gelegenenen Treibstofflager, dem fünftgrößten in Großbritannien, war am Sonntagmorgen nach mehreren Explosionen ein Großbrand ausgebrochen. Dabei wurden 43 Menschen verletzt, einer von ihnen schwer. Die Behörden bekräftigten derweil ihre Auffassung, dass die Explosion auf einen Unfall zurückzuführen sei. Es gebe keinerlei Anzeichen auf Brandstiftung. Allerdings dürften die meisten Hinweise auf die Brandursache in den Flammen vernichtet worden sein.

Die durch den Großbrand ausgelöste Rauchwolke zog entlang der französischen Atlantikküste weiter in Richtung Spanien. Die schwarze Rauchwolke machte den Anwohnern, insbesondere Asthamkranken und älteren Menschen zu schaffen, zumal sie bei fortschreitender Bekämpfung der Flammen niedriger am Himmel stand. Die örtlichen Gesundheits- und Umweltbehörden gaben dennoch teilweise Entwarnung. Bisherige Stichproben hätten ergeben, dass die Rauschschwaden lediglich Ruß und Kohlenstoffpartikel, aber keine Chemikalien enthielten, hieß es. Michael Clarke, ein Wissenschaftler bei der Behörde für öffentliche Gesundheit (HPA), sagte der Nachrichtenagentur AFP, über kurze Zeitabschnitte sei die Umweltverschmutzung erheblich gewesen. Alle Werte befanden sich seinen Angaben zufolge jedoch unter dem zulässigen Limit.

Die französischen Behörden empfahlen Menschen mit Atemwegsbeschwerden, angesichts der Rauchschwaden unnötige Aufenthalte im Freien zu vermeiden. Überhöhte Luftbelastung sei aber nirgends in Frankreich gemessen worden. Die spanischen Behörden erklärten, die Qualmwolken würden ihr Gebiet nur "äußerst verdünnt" erreichen.

"Der Wiederaufbau kann zehn Jahre dauern"

Die Schäden und langfristigen Folgen für das Industriegebiet, in dem das von dem Feuer zerstörte Lager liegt, sind unterdessen noch unübersehbar. Mehr als ein Dutzend Häuser müssen abgerissen werden, rund 20.000 Beschäftigte könne vorerst nicht an ihren Arbeitsplatz. "Der Wiederaufbau kann zehn Jahre dauern", sagte Bürgermeisterin Jane Hogg. Die ersten Bewohner des Gebiets konnten wieder zurück in ihre Wohnungen.

Der französische Ölkonzern Total, der das Treibstofflager zusammen mit dem US-Konkurrenten Texaco betreibt, schätzte die Kosten für die Reinigung des Brandorts auf 7,5 bis 10 Millionen Euro. Für den Wiederaufbau der Tanks wurden 37 Millionen Euro veranschlagt. Die Kosten für die in Flammen aufgegangenen Treibstoffreserven belaufen sich Schätzungen zufolge auf 52 Millionen Euro. Die Schadensschätzung der im Industriegebiet von Hemel Hempstead angesiedelten Unternehmen stand noch aus. Die Firma Scottish and Newcastle gab bereits bekannt, in ihrem durch die Explosion zerstörten Lager seien Wein und Spirituosen im Wert von 15 Millionen Euro zerstört worden.

Nach Angaben des Bundesumweltministeriums soll die deutsche Kommission für Anlagensicherheit nach dem Unglück untersuchen, ob es "Handlungsbedarf für deutsche Tanklager" gibt. Dabei fragte SPD-Ressortchef Sigmar Gabriel unter anderem nach möglicherweise notwendigen Gesetzesänderungen. Für die Überwachung solcher hochexplosiver Lager sind allerdings den Angaben zufolge allein die Bundesländer zuständig.



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