"Ground Zero" Den Feuerwehr-Helden platzt der Kragen

Zwischen den in New York gefeierten Feuerwehrleuten und ihrem Bürgermeister Rudolph Giuliani ist es zu schweren Differenzen gekommen. Bei Protesten der Feuerwehrmänner in Manhattan gegen Pläne der Stadtverwaltung gab es mehrere Verletzte.

New York - Hunderte New Yorker Feuerwehrleute beteiligten sich bei Protestaktionen gegen ihren Abzug von den Bergungsarbeiten an den Ruinen des World Trade Centers. Dabei überrannten die Feuerwehrleute Absperrungen vor dem als "Ground Zero" bekannten Gelände, um die uneingeschränkte weitere Suche nach Leichen ihrer Kameraden zu erzwingen. Fünf Polizisten wurden bei dem Marsch der Feuerwehrleute verletzt. 14 Protestierer, darunter drei Gewerkschaftsvertreter, wurden bei den Auseinandersetzungen festgenommen.

Vor laufenden Fernsehkameras lieferten sich Polizisten und Feuerwehrmänner Handgemenge, bis die Demonstranten schließlich durchgelassen wurden und am Rande des WTC-Trümmerbergs eine Schweigeminute einlegen konnten. Sie zogen dann ungehindert weiter vor das Rathaus New Yorks, das von Polizisten in Kampfausrüstungen abgeriegelt worden war. Gewerkschafts-Sprecher der Feuerwehr erklärten dort, die Bergungsarbeiten am WTC dürften nicht zu einer reinen Trümmerräumung verkommen.

Schnelle Bergung oder Achtung der Toten

Sie warfen Giuliani und der Stadtverwaltung vor, die Zahl der Feuerwehrleute am "Ground Zero" auf nur 25 pro Tag verringert zu haben, weil die Suche nach Leichen mittlerweile eine schnellere und damit billigere Räumung des Ruinenviertels behindere. Feuerwehrmann Bob McGuire, der einen mit ihm verwandten Kameraden beim WTC-Einsturz verloren hatte, sagte Reportern: "Ich will nicht, dass seine Leiche auf der Müllhalde landet."

Giuliani hatte die Verkleinerung der Mannschaften mit zunehmenden Gefahren begründet. Sie gingen vom inzwischen stärkeren Einsatz schwerer Räumtechnik aus, der Einstürze von Gebäuderesten befürchten lasse. "Es geht uns nur darum, die Leben der Menschen zu schützen, die hier arbeiten." Zudem hatten Mediziner vor Schädigungen durch den Dauereinsatz in den immer noch häufig von ätzendem Rauch eingehüllten Trümmern gewarnt. Auch Dutzende Feuerwehrmänner waren in den vergangenen Tagen wegen schwerer Atemprobleme behandelt worden. Sie wollten trotzdem weitermachen und die Einschränkung nicht hinnehmen.

Giuliani lenkte später ein wenig ein. Die Zahl der am WTC- Trümmerfeld zugelassenen Feuerwehrleute könne noch einmal überdacht werden. Zudem könnten jederzeit 100 von ihnen in unmittelbarer Nähe in Bereitschaft stehen und sofort gerufen werden, wenn unter den Trümmern eine Leiche entdeckt werde. Nach offiziellen Angaben werden noch bis zu 4000 Tote unter den Trümmern vermutet. Dazu gehören auch etwa 250 Feuerwehrleute, die am 11. September beim Lebensrettungs- Einsatz in den einstürzenden Wolkenkratzern umkamen. Insgesamt waren dabei 343 Feuerwehrmänner und 23 Polizisten getötet worden.

Feuerwehrchef Thomas von Essen entschuldigte sich am Abend bei der Polizei dafür, dass fünf ihrer Beamten verletzt wurden. Der Chef des Berufsverbandes der Feuerwehr-Offiziere, Peter Gorman, drohte jedoch: "Wir haben deutlich gemacht, was wir wollen. Wenn wir noch mal wiederkommen müssen, dann werden wir mehr als 5000 Mann sein."

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