Grubenunglück in Russland Mindestens 75 Kumpel tot, viele weitere noch vermisst

Beim schwersten Bergwerksunglück in Russland seit zehn Jahren sind im sibirischen Kohlerevier Kusbass Dutzende Kumpel ums Leben gekommen. Zudem werden noch immer mehr als 40 Männer in der Schachtanlage vermisst. Auslöser der Katastrophe war eine Methangasexplosion.


Moskau - Zum Zeitpunkt der Explosion in 270 Metern Tiefe hielten sich bis zu 200 Arbeiter in der Kohlegrube von
Nowokusnezk auf, teilten die regionalen Behörden heute mit. Auch vier Vertreter der Grubenleitung und ausländische Spezialisten seien im Bergwerk gewesen, aber noch nicht gefunden worden. 75 Kumpel wurden bis zum späten Abend sicher geborgen. Mindestens fünf von ihnen wurden mit Verletzungen ins Krankenhaus eingeliefert, doch konnten drei die Klinik kurze Zeit später wieder verlassen. Rund ein Dutzend Rettungsteams waren noch Stunden nach der Explosion im Einsatz und standen in direktem Kontakt mit einigen Eingeschlossenen.

Schwerstes Grubenunglück seit zehn Jahren: Bergwerk in Sibirien
DPA

Schwerstes Grubenunglück seit zehn Jahren: Bergwerk in Sibirien

"Leider sind die Bedingungen (in der Grube) sehr schwierig", sagte ein Sprecher des Katastrophenministeriums im russischen Fernsehen. Starker Rauch behinderte die Rettungsarbeiten in dem Bergwerk 3200 Kilometer östlich von Moskau. Die 2002 in Betrieb genommene Grube zählt zu den modernsten Russlands und gehört zum Firmenimperium des
Oligarchen Roman Abramowitsch. Die Justiz leitete Ermittlungen wegen fahrlässiger Verletzung der Sicherheitsbestimmungen ein. Bereits 1997 waren in einer anderen Schachtanlage bei Nowokusnezk 67 Bergarbeiter ums Leben gekommen.

Russlands Präsident Wladimir Putin entsandte seinen Minister für Notlagen, Sergej Schoigu, an den Unglücksort. Auch die zuständige Aufsichtsbehörde Rostechnadsor schickte Ermittler. Der Gouverneur von Kemerowo, Aman Tulejew, sagte den Hinterbliebenen der Todesopfer laut einer Meldung der Nachrichtenagentur ITAR-Tass Entschädigungen in Höhe von mindestens 700.000 Rubel (19.000 Euro) zu.

Die russischen Kohleminen zählen zu den gefährlichsten der Welt. Frühere Explosionen ereigneten sich fast ausschließlich in völlig veralteten Gruben. Die Gewerkschaft kritisierte, dass die Bergleute nur 30 bis 40 Prozent ihres Lohns garantiert bekämen und der Rest als Prämie für die Planerfüllung gezahlt werde. "Deshalb arbeiten die Kumpel oft zu schnell und ignorieren eine heraufziehende Gefahr", sagte der Gewerkschaftler Alexander Sergejew dem Moskauer Radiosender "Echo Moskwy".

kai/AP/dpa



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