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03. Oktober 2013, 14:17 Uhr

Grubenunglück in Thüringen

Bergleute starben an hoher Kohlendioxid-Konzentration

Erste Vermutung bestätigt: Die drei Opfer des Grubenunglücks im thüringischen Unterbreizbach starben an einer zu hohen Kohlendioxid-Konzentration. Dies sei das Ergebnis des vorläufigen Obduktionsberichtes, erklärte die Staatsanwalt.

Unterbreizbach/Meiningen - Eine sehr hohe Kohlendioxid-Konzentration ist für den Tod von drei Bergleuten in der Thüringer Kali-Grube Unterbreizbach verantwortlich. Das gehe aus dem vorläufigen Obduktionsergebnis der Leichen hervor, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft Meiningen, Jochen Grundler, am Donnerstag der Nachrichtenagentur dpa. Kohlendioxid führt in hoher Konzentration zu Bewusstlosigkeit und Atemstillstand. Bereits kurz nach dem schweren Unglück am Dienstag war vermutet worden, dass die drei Bergleute im Alter von 24, 50 und 56 Jahren in 700 Metern Tiefe erstickt sind. Bergamt und Staatsanwaltschaft untersuchen, wie es zu dem Gasausbruch nach einer Routinesprengung kommen konnte.

"Ein Schock für ganz Thüringen"

Einen Tag nach dem Unglück hat Thüringens Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht (CDU) am Mittwoch das Bergwerk besucht. Der Tod der Bergleute sei ein Schock für ganz Thüringen, sagte sie am Unglücksort.

In der Grube des Betreibers K+S Kali GmbH war es am Dienstag nach einer Routine-Sprengung in rund 900 Metern Tiefe zu einem ungewöhnlich heftigen Kohlendioxid-Ausbruch gekommen. Es bildete sich eine gewaltige Druckwelle mit einer enormen Staubentwicklung, die sich durch die gesamte Anlage bis an die Oberfläche ausbreitete. Drei Arbeiter starben, vier weitere Kumpel rettete die Grubenwehr. Die Spezialisten waren nach K+S-Angaben am Mittwoch weiter damit beschäftigt, das Bergwerk zu belüften. Erst dann könne in der Anlage mit Untersuchungen begonnen werden, sagte eine Firmensprecherin. "Wir müssen warten, bis alle Wetter im Schacht wieder frisch sind." Der Betrieb in Unterbreizbach sei bis auf Weiteres eingestellt.

Die Unglücksursachen müssten nun nüchtern analysiert werden, sagte Lieberknecht bei ihrem Besuch der Unglücksstätte. Der K+S-Vorstandsvorsitzende Norbert Steiner betonte, es werde sicher Tage und Wochen dauern, "bis wir wissen, wie es weitergeht". Der Bereich, in dem sich die Bergleute zum Zeitpunkt der Sprengung aufhielten, habe "nach menschlichem Ermessen" als "absolut sicher" gegolten, sagte Steiner. Zugleich sicherte er den Hinterbliebenen Hilfe zu und dankte den Rettungskräften. "Wir trauern mit den Angehörigen der verunglückten Bergleute."

Enorme Gasmenge "absolut ungewöhnlich"

Das Unternehmen, die thüringische Regierung und der thüringische Landtag sowie die Gewerkschaft IGBCE sprachen den Angehörigen der Getöteten ihr Beileid aus. Kohlendioxid-Einschlüsse im Gestein sind nach Angaben von K+S ein bekanntes Phänomen. Dass aus einer Blase wie in diesem Fall eine enorm große Menge Gas unter hohem Druck austrete, sei aber "absolut ungewöhnlich", hatte ein Unternehmenssprecher am Donnerstag gesagt. Nach Angaben von K+S wurden die drei Getöteten einige Kilometer vom Ausbruchsort entfernt in der Nähe der Schachtanlage gefunden. K+S ist einer der weltweit größten Salz-Produzenten der Welt. Das Unternehmen mit Sitz in Kassel beschäftigt 14.000 Menschen und baut in Deutschland in sechs Bergwerken Kali- und Magnesiumsalze ab. Diese werden unter anderem als Düngemittel in der Landwirtschaft eingesetzt.

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kuz/dpa/afp

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