Grün in Hollywood Das Öko-Alibi der Superstars

Hybridauto statt Stretchlimo: In Hollywood ist derzeit Umweltschutz angesagt. Viele Stars entdecken ihre grüne Ader. Doch meist ist die Öko-Manie kaum mehr als eine willkommene PR-Aktion - in Wirklichkeit ist die Traumfabrik einer der größten Umweltverschmutzer der USA.

Von Julia Spurzem


Los Angeles - In Hollywood werden die Trends gemacht. Das bezieht sich in letzter Zeit nicht mehr nur auf den neuesten Schrei bei Frisuren und Klamotten: Blickt man ins Mekka des Trendsettings, sieht man George Clooney und Cameron Diaz im Hybridauto durch die Hügel von Los Angeles cruisen. Andere Stars und Sternchen hingegen besuchen vor der Oscar-Verleihung nicht mehr nur teure Kosmetikstudios, sondern auch die "Global Green Pre-Oscar Party", auf der sogar der berühmte "Rote Teppich" grün wird.

Wird also das Paradies für Privatjet-Flieger und Stretchlimobesitzer nun zum Öko-Dorf? Angesichts der zahlreichen öffentlichkeitswirksamen Auftritte der Superstars in Sachen Umweltschutz, könnte dieser Eindruck entstehen. Die Ironie dabei ist, dass der Umweltschutztrend ausgerechnet in Kalifornien, dem US-Bundesstaat mit den meisten Pools und dem höchsten Wasserverbrauch des Landes auftaucht. Und immer noch ist es in Hollywood verpönt, seine Wäsche im Freien aufzuhängen. Wofür gibt’s schließlich stromfressende Wäschetrockner?

Einer Studie der Universität von Kalifornien zufolge, trägt die Filmindustrie Hollywoods um einiges mehr zur Luftverschmutzung bei als beispielsweise die amerikanische Flugzeug- oder Textilindustrie und liegt damit an Platz zwei der größten Umweltverschmutzer im Großraum Los Angeles. Nur die Mineralölindustrie sei ein größerer Luftverpester. In der zweijährigen Untersuchung fand man heraus, dass durch künstliche Explosionen und Spezialeffekte jährlich rund 120.000 Tonnen Luftschadstoffe in Hollywood ausgestoßen werden.

Doch auch die Stars selbst sind nicht unbedingt alle grüne Engel. Schauspieler Brad Pitt beispielsweise, der sein ökologisches Engagement für einen umweltverträglichen Aufbau von New Orleans zur Schau stellt, wurde erst kürzlich mit seiner Angelina beim Quadfahren am Strand von Santa Barbara entdeckt. Ein solcher Quad verbraucht bis zu sieben Liter Benzin auf 100 Kilometer - eine Menge Kohlendioxid für ein kleines Freizeitvergnügen.

Liz Hurley, die alle mit der Ankündigung überraschte, einen Biobauernhof betreiben zu wollen, hätte stattdessen wohl besser den CO2-Ausstoß bei ihrer Hochzeit in ökologisch vertretbarem Rahmen gehalten. Wie die britische Zeitung "The Independent" berichtet, hat die Marathonhochzeit der Schauspielerin einen monströsen Kohlenstoffdioxidausstoß hinterlassen. Zum Vergleich: ein durchschnittliches britisches Paar bräuchte zehn Jahre, um die gleiche Menge zu produzieren. Allein die Anprobe ihres Hochzeitkleids in Mailand produzierte durch den Flug in die italienische Modemetropole 215 Kilogramm Kohlendioxid. Immerhin benutzte Miss Hurley keinen Privatjet.

In dem wiederum fliegt Harrison Ford sehr gerne. Dabei setzt sich "Indiana Jones" nebenbei für die Rettung der Wälder Montanas ein. Alles in allem scheinen viele Promis in Hollywood derzeit wohl gerne auf der Öko-Welle mitzuschwimmen, aber nur, wenn ein paar Kameras ihr grünes Engagement aufzeichnen. Auf diverse Bequemlichkeiten und Luxusgüter können nur die wenigsten verzichten. So auch nicht Denise Richards: Die Ex von Charlie Sheen ließ zum dritten Geburtstag ihrer Tochter Sam eine Eisrutsche in ihrem Garten in San Fernando Valley aufbauen - ein enormer Energieaufwand bei sommerlichen 32 Grad.

Ob es da hilft, wenn Cameron Diaz ankündigt, ihr Druckerpapier jetzt beidseitig zu benutzen? Auf jeden Fall zählt sie zu den Hollywoodstars, die nicht nur grün vorbeten, sondern es augenscheinlich auch leben. Wie George Clooney hat sie sich ein Hybridauto zugelegt und leistet damit ihren Beitrag zum Klimaschutz. Den grünen Oscar würde allerdings wohl Leonardo DiCaprio bekommen. Der "Titanic"-Held gilt in Hollywood als vorbildlich in Sachen Umweltschutz und plant derzeit sogar eine eigene Reality-Show zum Umweltschutz mit dem Namen "E-Topia". "Er setzt sich mit ungeheurem Engagement und Überzeugung gegen die globale Erwärmung ein", lobt auch Matt Petersen, Chef der Umweltorganisation Global Green. Auch eine Gossip-Webpage im Internet beschäftigt sich schon mit dem ökologischen Bewusstsein der Stars und lobt beispielsweise Jack Osbourne oder George Clooney für ihr Umweltbewusstsein.

Ist grün also sexy? Auf jeden Fall ist es derzeit massentauglich. Arnold Schwarzenegger zog mit diesem Thema in seinen zweiten Wahlkampf als Gouverneur von Kalifornien und gewann die Wahl. Auch Al Gores Dokumentarfilm "Eine unbequeme Wahrheit" lockte stattliche vier Millionen Besucher ins Kino und wurde sogar mit einem Oscar ausgezeichnet. Und das in einem Land wie den USA, in dem man bisher dachte, dass Umweltschutz gegenüber wirtschaftlichen Interessen zweitrangig sei.

Auch wenn es manchmal halbherzig erscheint - etwas Gutes hat es doch, wenn sich die Stars aus Hollywood öffentlich für den Klimaschutz stark machen. Das findet zumindest Ute Bertrand von der Umweltorganisation Robin Wood: "Schließlich verfügen die Stars über einen Multiplikationseffekt, und so gelangt der Klimaschutz endlich in die oberen Schlagzeilen. Vielleicht können wir damit den gesellschaftlichen Ruck erreichen, den wir für eine ökologische Bewegung brauchen." Von reinen PR-Aktionen hält sie nichts: "Wenn das nur nach außen getragen und selbst nicht auch was getan wird, dann ist das verlogen."



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