Einbruch ins Grüne Gewölbe in Dresden Prozess um Juwelendiebstahl beginnt in Hochsicherheitssaal

Es geht um Schmuck im Wert von 113 Millionen Euro: Sechs Männer sollen 2019 in das Dresdner Residenzschloss eingebrochen sein – zwei von ihnen waren zur Tatzeit wegen eines anderen spektakulären Diebstahls angeklagt.
Beim Einbruch zerstörte Vitrine im Grünen Gewölbe in Dresden: Von der Beute fehlt bis heute jede Spur

Beim Einbruch zerstörte Vitrine im Grünen Gewölbe in Dresden: Von der Beute fehlt bis heute jede Spur

Foto: Sebastian Kahnert / dpa

Am Freitag hat in Dresden der Prozess um den Juwelendiebstahl aus dem historischen Grünen Gewölbe begonnen. Sechs zwischen 23 und 28 Jahre alte mutmaßliche Täter sind angeklagt. Die Vorwürfe lauten: schwerer Bandendiebstahl, Brandstiftung und besonders schwere Brandstiftung.

Das Landgericht verhandelt in dem für Terror- und Extremismusverfahren geschaffenen Raum des Oberlandesgerichts Dresden.

Die Staatsanwaltschaft wirft den jungen Männern vor, für den Einbruch ins Dresdner Residenzschloss am 25. November 2019 verantwortlich zu sein. Sie sollen 21 mit Juwelen besetzte Schmuckstücke im Gesamtwert von mehr als 113 Millionen Euro gestohlen und dabei Sachschäden in Höhe von mehr als einer Million Euro hinterlassen haben. Der Anklage zufolge waren die mutmaßlichen Täter bewaffnet. In Schlossnähe hatten sie einen Stromkasten sowie ein Fluchtauto in der Tiefgarage eines Wohnhauses angezündet. Von der Beute fehlt bis heute jede Spur.

Zwei der mutmaßlichen Täter – zur Tatzeit Angeklagte im Prozess um in Berlin gestohlene Goldmünze

Zwei Männer seien am Tattag am frühen Morgen durch ein präpariertes Fenster in das Residenzschloss in der Altstadt eingedrungen, hätten mit einer Axt Löcher in eine Vitrine geschlagen und Schmuckstücke aus dem 17. und 18. Jahrhundert herausgenommen. Die Ermittler sind überzeugt, dass das Verbrechen auf das Konto krimineller Mitglieder des Berliner Remmo-Clans geht, der auch für Straftaten wie den Diebstahl der »Big Maple Leaf«-Goldmünze aus dem Berliner Bode-Museum im Jahr 2017 in den Fokus geriet.

Die nach und nach in Berlin gefassten Tatverdächtigen sind miteinander verwandt – sie sind Brüder und Cousins. Zwei der mutmaßlichen Täter waren schon im Goldmünze-Prozess am Landgericht Berlin angeklagt, während der Diebstahl im Grünen Gewölbe stattfand. Sie waren zur Tatzeit auf freiem Fuß. Inzwischen sitzen sie jeweils eine mehrjährige Jugendstrafe ab, zu der sie im Februar 2020 verurteilt wurden. Die vier anderen sind seit Monaten in Untersuchungshaft. Die Staatsanwaltschaft ist sicher, alle unmittelbar Tatbeteiligten gefunden zu haben. Die Angeklagten haben sich nach Angaben der Staatsanwaltschaft bisher nicht zu den Vorwürfen geäußert.

14 Anwälte, Hauptakte mit 65 Bänden

Bis Ende Oktober sind 50 Verhandlungstage terminiert. Eine Fortsetzung ist möglich. Die Hauptakte zu dem Fall umfasst 65 Bände, und auch wegen der Zahl der Verfahrensbeteiligten ist es ein besonderer Prozess: Mit dabei sind 14 Verteidiger – Anwälte aus Dresden, Leipzig, Berlin, Hannover und Hamburg – drei Staatsanwälte, Vertreter der Jugendgerichtshilfe und Dutzende Zeugen.

DNA-Spuren aus Autos und vom Tatort, Videos, Daten und Zeugenaussagen stützen laut Staatsanwaltschaft den ermittelten Ablauf der Tat. Die Arbeit der Sonderkommission »Epaulette«, benannt nach einem der Beutestücke, geht unterdessen weiter. Gegen weitere 40 Beschuldigte, darunter vier Wachmänner sowie vier mögliche Helfer der Täter, gebe es einen begründeten Anfangsverdacht.

Ob die Diebe die Beute verkauft haben, ist unklar. Die Generaldirektorin der Staatlichen Kunstsammlungen Dresdens, Marion Ackermann, hält die erbeuteten Schmuckstücke für unverkäuflich. »Weltweit sind die Stücke bekannt gemacht worden«, sagte Ackermann dem Radiosender Bayern 2 . Es bringe wenig, die gestohlenen Schmuckstücke einzeln auf den Markt zu bringen. »Dann bleiben eben einzelne Steine, Diamanten, die haben aber wiederum nicht den Wert, den man bei Schliffarten der heutigen Zeit erreichen könnte«, sagte Ackermann. Sie hoffe, dass der Prozess noch mehr Aufmerksamkeit auf die Schmuckstücke lenke und sie so noch schwerer verkäuflich mache.

has/dpa
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