Grundsatzurteil Höchstes US-Gericht verbietet Todesstrafe für Jugendliche

In den USA dürfen künftig Straftäter nicht mehr hingerichtet werden, wenn sie bei den Taten jünger als 18 Jahre alt waren. Nach einem Urteil des Obersten Gerichtshofs der USA müssen demnach 19 Bundesstaaten ihre Verfahren ändern.


Todeszelle in den USA: Praktiken wie in Iran und Saudi-Arabien
AP

Todeszelle in den USA: Praktiken wie in Iran und Saudi-Arabien

Washington - Mit fünf gegen vier Stimmen hoben die Richter Todesurteile gegen etwa 70 zur Tatzeit jugendliche Straftäter auf. Diese Hinrichtungen verstießen wegen ihrer Grausamkeit gegen die amerikanische Verfassung, hieß es.

Die verurteilten Mörder, die zurzeit in den Todeszellen auf ihre Hinrichtung warten, waren zum Zeitpunkt der Taten zwischen 16 und 17 Jahre alt. Bereits zuvor waren Todesurteile von Tätern aufgehoben worden, die bei der Ausübung der Verbrechen 15 Jahre oder jünger waren.

Richter Anthony Kennedy erklärte, die Mehrheit der US-Staaten habe die Todesstrafe gegen jugendliche Straftäter ohnehin schon abgeschafft. In den übrigen sei sie sehr uneinheitlich angewendet worden. Der Trend gehe zur Abschaffung dieser Strafform. Todesurteile gegen Jugendliche werden weltweit nur in wenigen Staaten vollstreckt, darunter Iran, Pakistan, China und Saudi-Arabien.

"Die Unterschiede zwischen jugendlichen und erwachsenen Tätern sind zu groß, als dass wir das Risiko zulassen können, dass gegen einen Jugendlichen die Todesstrafe verhängt wird, der nicht voll schuldfähig ist", hielt das Gericht fest. Es hatte sich mit dem Fall eines jungen Mannes zu befassen, der 1993 als 17-Jähriger eine Nachbarin in Missouri entführt, gefesselt und über eine Brücke gestoßen hatte. Die Frau ertrank.

Mit Kennedy stimmten die Richter John Paul Stevens, David H. Souter, Ruth Bader Ginsburg und Stephen Breyer. Gegen die Aussetzung der Todesstrafen stimmten die Richter William H. Rehnquist, Antonin Scalia, Sandra Day O'Connor und Clarence Thomas.

Das Urteil ist der zweite große Erfolg für die Gegner der Todesstrafe in den vergangenen drei Jahren. Im Jahr 2002 wurden die Hinrichtungen von geistig behinderten Tätern verboten, die Begründung dafür lautete auch damals: Grausamkeit.

Bislang waren Todesstrafen für jugendliche Mörder in folgenden Bundesstaaten erlaubt: Virginia, Alabama, Arizona, Arkansas, Delaware, Florida, Georgia, Idaho, Kentucky, Louisiana, Mississippi, Nevada, New Hampshire, North Carolina, Oklahoma, Pennsylvania, South Carolina, Utah und Texas.

Der Oberste Gerichtshof hatte 1976 die Todesstrafe in den Bundesstaaten wieder zugelassen. Mehr als 3400 Häftlingen in 38 US-Staaten droht derzeit die Hinrichtung.



© SPIEGEL ONLINE 2005
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.