Gebäude in der Grunewaldstraße Das Berliner "Horrorhaus"

Mehr als 200 Polizeieinsätze seit November: Das verwahrloste Gebäude in der Berliner Grunewaldstraße ist als "Horrorhaus" bekannt. Altmieter vermuten dahinter eine Strategie des Besitzers. SPIEGEL TV hat ihn zur Rede gestellt.
Gebäude in der Grunewaldstraße: Das Berliner "Horrorhaus"

Gebäude in der Grunewaldstraße: Das Berliner "Horrorhaus"

Foto: SPIEGEL TV

Am Freitagnachmittag gibt es wieder einmal Stress in der Berliner Grunewaldstraße 87: Einsatzfahrzeuge der Polizei stehen vor der Haustür. Marija Kühn-Dobosch schlendert zwischen den Polizisten hin und her, manche begrüßt sie wie alte Bekannte: "Nichts Besonderes ist das hier", sagt die 56-jährige Anwohnerin. "Wir sind sogar froh, wenn die Polizei da ist. Dann ist wenigstens Ruhe."

Ruhe gibt es sonst selten in dem denkmalgeschützten Haus in Schöneberg. Zu mehr als 200 Einsätzen musste die Polizei seit November 2014 hierherkommen. Damals hatte Klaus Breckner als neuer Geschäftsführer die G 87 Grundbesitz GmbH übernommen, der das Grundstück Grunewaldstraße 87 gehört. Noch im selben Monat tauchten in dem fast vollständig leerstehenden Haus zahlreiche Familien aus Rumänien auf. Bis zu 200 Menschen zählten die Behörden.

Immer wieder gab es seither Ärger. Am Freitag waren es zwei Teenager, die der 11-jährigen Tochter eines Bewohners mit gezückten Messern den Roller wegnehmen wollten. Drei Tage zuvor rückte wegen eines Streits zwischen rumänischen Bewohnern sogar das SEK an.

Breitschultrige Männer als "Hausmeister"

Das Haus verwahrlost immer mehr. In den Aufgängen liegen verdreckte Matratzen, Windeln, einzelne Sandalen. Überall schwirren Fliegen. In leerstehenden Wohnungen stehen Eimer voll Urin. "Die leeren die Herren dann aus dem Fenster", sagt Kühn-Dobosch.

Sie und die verbliebenen Altmieter sind sich sicher: Der Eigentümer will sie vergraulen. Und macht bis dahin Gewinn mit den Rumänen, die auf engstem Raum Wucherpreise für ihre Unterkunft zahlen. 820 Euro für 70 Quadratmeter, so steht es in den Mietverträgen. Doch nur die wenigsten haben Verträge, und der Zustand der Wohnungen ist fürchterlich.

Marija Kühn-Dobosch, zu der viele rumänische Familien Vertrauen gefasst haben, berichtet von großen breitschultrigen Männern, eine Art "Hausmeister", die die rumänischen Neumieter einschüchtern und bedrohen. Für die Betroffenen gebe es kaum Alternativen, woanders unterzukommen.

Eine Armutsausbeutung sei das, findet die zuständige Stadträtin Sibyll Klotz. Doch etwas dagegen unternehmen kann sie nicht. "In diesem Haus kann man mit der Wohnaufsicht alleine nichts erreichen", sagt sie. Der Eigentümer würde die Auflagen, die der Bezirk macht, erfüllen. "Wenn es am nächsten Tag dann schlimmer ist als zuvor, sagt der Vermieter: 'das sind die Mieter'. Das kann man glauben oder nicht." Aber auch sie vermutet eine besonders perfide Form der Entmietung mit dem Ziel, das Haus später zu modernisieren. In Immobilienkreisen kursiert bereits ein Verkaufsexposé des Hauses. Kaufpreis: 5,8 Millionen Euro.

Zufall oder Strategie?

Ein anderer Schauplatz in Berlin, Kollwitzstraße 2, ein efeuumrankter Altbau am Senefelderplatz. Hier ist vieles baufällig: Nicht behobene Wasserschäden, kaputte Fenster. Nur 8 der 15 Wohnungen sind bewohnt. Im März wurden die Mieter informiert, das Haus sei verkauft worden. Kurz darauf wurde der Stadtreinigung gekündigt. Gleichzeitig finden sich die ersten Abmahnungen ein. "Aus fadenscheinigen Gründen", sagt der Geschäftsführer des Restaurants "Maison Courage". "Einmal, weil wir unsere Bänke draußen nicht schnell genug weggeräumt haben. Und weil wir die Miete weiter auf das alte Konto überwiesen haben."

Auch hier scheint jemand die Mieter dringend aus dem Haus drängen zu wollen. Ein Makler inseriert sogar Wohnungen, die noch bewohnt sind, im Internet - ohne dass mit den Bewohnern über die Pläne gesprochen wurde.

Die Kollwitzstraße 2 gehört der KSJ GmbH. Deren Geschäftsführer: Klaus Breckner, der auch Eigentümer der Grunewaldstraße 87 ist.

Breckner ist kein unfreundlicher Mensch. Als SPIEGEL TV ihn um ein Interview bittet, fragt er höflich, eher peinlich berührt: "Was wollen Sie denn?"

Der Jeep-Fahrer trägt eine schwarze edle Lederjacke und weiße Turnschuhe. "Die Presse bauscht das auf", findet er. Verantwortung, Schuld, Strategie? Breckner weist alles von sich. Und verstrickt sich doch in Widersprüche.


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